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Aus der Dplomarbeit von Andreas Zeitlhöfler 2002: Die obstbauliche Nutzung von Wildobstgehölzen
2.2 Chaenomeles japonica ´Cido´ (Lettenquitte, Zitronenquitte)
2.2.1 ALLGEMEINES 2.2.1.1 Botanische Einordnung
Die zu den Rosaceae (Rosengewächsen) zählende Gattung Chaenomeles umfaßt vier Arten, von denen in Europa nur Ch. japonica und Ch. lagenaria (syn. Ch. speciosa) bekannt sind (Friedrich, Schuricht 1985). Der Name für diese Gattung setzt sich aus den griechischen Wörtern chainein (= klaffen) und meles (= Apfel) zusammen, bedeutet also soviel wie "Klaffapfel" (Albrecht et. al. 1993). Bei den Botanikern sind für die Japanische Zierquitte weitere Namen wie Chaenomeles lagenaria, Cydonia japonica, Cydonia maulei, Pyrus maulei und Pyrus japonica geläufig, die heute als Synonyme nebenher verwendet werden (Friedrich, Schuricht 1985). 2.2.1.2 Vorkommen Die Angehörigen der Gattung Chaenomeles kommen alle aus Ostasien, wo sie entweder in Japan oder China verbreitet sind. Erst um 1800 wurde sie nach Europa gebracht, wo sie aber schon ca. 50 Jahre später als Ziergehölz häufig verwendet wurde (Friedrich, Schuricht 1985).
2.2.2 GESCHICHTE DES ZIERQUITTENANBAUS UND AKTUELLE ENTWICKLUNGEN Schon 1796 gelangte die Chinesische Zierquitte (Chaenomeles speciosa) nach Europa, die Art Chaenomeles japonica (Japanische Zierquitte) dagegen wurde erst 1874 nach Europa eingeführt (Albrecht et. al. 1993). Beide sind zwar als Zierstrauch schon lange bekannt, doch eignen sie sich aufgrund der starken Bedornung kaum als Obstgehölz (Buchter-Weisbrodt 1996). Nur gelegentlich wurde die Nutzung der Früchte als Obst erwähnt, frühestens 1910 von Wocke. Dieser kannte bereits ihre Verwendung für die Herstellung von Gelee, das recht gut schmecken soll (Albrecht 1996). Spätere Quellen weisen auch auf eine gute Verwendbarkeit der Früchte für Süßmost und Marmelade hin. Trotzdem erlangte die Verwertung der Scheinquittenfrüchte nur im Hausgarten Bedeutung (Albrecht et. al. 1993). Als Obstgehölz wurde die Zierquitte erst durch die Züchtung der Sorte ´Cido´ bedeutungsvoll (Albrecht 1996), womit sich der lettländische Züchter Albert Tics in der Gartenbau-Versuchsstation in Pure seit 1951 befaßte (Albrecht et. al. 1993). Das Ziel war damals v.a., eine Obstsorte zu finden, welche die Zitrone als Vitamin-C-Lieferant ersetzen konnte (Maethe 1996). Nachdem die Sorte ´Cido´ erstmals auf den Markt gebracht wurde, wurde sie zunächst in Lettland selbst auf größeren Flächen kultiviert, die daraus gewonnenen Früchte wurden bereits an die verarbeitende Industrie abgesetzt. Die Sorte wurde erstmalig vom Betrieb Böhlje aus Westerstede nach Deutschland gebracht (Albrecht 1996). Heute steht ´Cido´ auch in Deutschland unter Sortenschutz, hier haben sich die Bezeichnungen "Lettenquitte" und "Zitronenquitte" eingebürgert (Wilhelm 2000). Auch in der ehemaligen DDR wurde in der Zuchtstation in Berlin-Baumschulenweg die Zierquitte züchterisch bearbeitet, zuerst aber hauptsächlich, um den Blütenschmuck zu verbessern. Später wurde auch dort die Selektion von Fruchtsorten betrieben, wodurch 1987 die Sorte ´Fusion´ in den Handel gebracht werden konnte (Albrecht et. al. 1993). Der deutsche Anbau von ´Cido´ begann 1994 in Westerstede, wo Erwin Helms und Dierk Warband heute eine Anlage betreiben, die 2 ha groß ist (Klostermann 1998). Derzeit sorgt die Werbung für ´Cido´ in Deutschland für großes Interesse. Gerade Hausfrauen, Medien und Hobbygärtner sollen sich für diese Wildfrucht interessieren (Maethe 1996). In der letzten Zeit ist v.a. die Getränkeindustrie sehr am Zitronenquittensaft interessiert, weil dieser sich gut als Ersatz für Zitronensaft eignet (Buchter-Weisbrodt 1996). Diese stellt aus ihnen auch Wein her. Hier können derzeit Preise von 1 DM/kg bei einem Absatz von 1,5 t Früchten erzielt werden. Nach Aussage der Betriebsleiter Helms und Warband ist der eigene Anbau von ´Cido´ mit anschließender Direktvermarktung am besten. Diese betreiben auch den Verkauf von Einzelpflanzen an interessierte Hobbygärtner über Versandbetriebe wie Quelle und Gartenbaucenter wie Dehner. Den Kunden wird die Lettenquitte als interessantes Obstgehölz für den Hausgarten als Einzelstrauch, als Bodendecker, für heckenartige Pflanzungen oder zur Pflanzung in Gruppen empfohlen. Auch zur Befestigung von Hängen wird sie angepriesen. Der Betrieb liefert auch Früchte, Zweige und Rezepte als Werbematerialien. Die Früchte aus dem Betrieb Helms / Warband gehen aktuell auch an einen Obstanbauer in Frankreich, wo sie v.a. zur Fruchtsaftherstellung verwendet werden (Klostermann 1998). In Lettland stellt die Japanische Zierquitte heute neben dem Apfel und der Erdbeere schon eine der drei wichtigsten Obstarten dar. Dort existieren bereits große Anbauflächen, auf denen dieses Wildobst kultiviert wird (Buchter-Weisbrodt 1996). Diese erreichten schon 1993 eine Größe von mehr als 100 ha, davon waren allein 50 ha Anbaufläche in Besitz eines staatlichen Betriebs bei Smiltene. In Lettland wird die Zitronenquitte v.a. als Ersatz für die dort nicht ausreichend frostharte Quitte sehr geschätzt. Die Früchte werden in diesem Land v.a. für die Lebensmittelindustrie produziert, welche in Lettland aus den Früchten allein von Fruchtsaft im Jahr mehrere Millionen Flaschen herstellt (Albrecht et. al. 1993). Auch in Portugal werden bereits Zitronenquittensträucher in größeren Stückzahlen aus Österreich bezogen und dort auf größeren Erwerbsanlagen aufgepflanzt (Maethe 1996). Damit sich der Anbau auch im größeren Rahmen lohnt, wäre die Entwicklung maschineller Erntetechniken erforderlich, damit die Früchte mit geringem Aufwand angebaut werden können und somit auch mit anderen Exoten auf dem Markt konkurrieren können. Dafür bringt die Zitronenquitte insgesamt schon recht gute Eigenschaften mit wie gute Verwendbarkeit und gute innere Qualität, v.a. was das Aroma und die wertvollen Inhaltsstoffe angeht. Es wäre jedoch die Züchtung neuer Sorten mit hohen und regelmäßigen Erträgen für eine Ausweitung des Anbaus noch erforderlich. Die Lettenquitte eignet sich - wie bereits erwähnt - auch zur Nutzung als Obst in kleineren Haus- und Wochenendgärten, wobei hier v.a. Sorten in Betracht kommen, welche auch einen optisch ansprechenden Blütenschmuck aufweisen (Albrecht et. al. 1993).
2.2.3 ERSCHEINUNGSBILD Die Ausgangsart von ´Cido´ stellt die Japanische Schein- oder Zierquitte (Chaenomeles japonica) dar. Diese zeigt sich als langsam wachsender Kleinstrauch von bis zu 1 m Höhe und Breite, der eine sparrige, dichte und weit ausladende Verzweigung und eine schwache Bedornung aufweist. Die Dornen sind bis 1 cm lang. Die Blätter sind wechselständig, fest, glatt, ledrig-derb, breit eiförmig, stumpf- bis glänzend dunkelgrün und mit einem grob gekerbten bis gezähnten Blattrand versehen. Die Triebe sind auch mit recht großen, nierenförmigen und stark gesägten Nebenblättern besetzt, welche die Triebe umfassen. Trotz des geringen Wachstums zeigen sich schon früh an Kurztrieben die ersten Blüten. Diese sind leuchtend ziegelrot gefärbt, fünfzählig und einzeln oder in Büscheln aus drei bis vier Einzelblüten vereint. Sie treten mit den ersten Blättern im zeitigen Frühling auf. Die Blütezeit kann drei Wochen lang dauern. Die Blütendifferenzierung setzt hauptsächlich am alten Holz ein, doch manche Sorten können auch an Langtrieben bis zur Triebspitze Blüten tragen. Die Blüten entwickeln sich zu rundlichen, apfelartigen Scheinfrüchten von bis zu 4 cm Durchmesser, die abfallende Kelchblätter aufweisen. Die Schale ist deutlich gefurcht oder gerippt, im reifen Zustand auch fettig, zur Vollreife grüngelb und riecht gut und intensiv nach Ananas. Diese Scheinquitten werden ab Ende September (Friedrich, Schuricht 1985) bis Oktober reif (Albrecht et. al. 1993) und hängen noch bis weit in den Herbst hinein an den Sträuchern, frostfest sind sie jedoch nicht. Das Fruchtfleisch schmeckt ähnlich ananansartig wie der Geruch, den die Schale aufweist. Es ist fest, ebenfalls wohlriechend, sehr sauer und insgesamt recht aromatisch. Im Inneren der Früchte befinden sich 40 bis 80 Samen, deren Anteil an der gesamten Frucht ca. 10 % ausmacht. Das Einzelfruchtgewicht liegt bei ca. 30 - 65 g (Friedrich, Schuricht 1985), mitunter werden auch 150 g erreicht. Das Kernhaus der Scheinquitten weist i.d.R. fünf Fächer auf. Diese Früchte haben ggb. den echten Quitten den Vorteil, daß sie keine Steinzellen enthalten (Albrecht et. al. 1993). Das Besondere an der ebenfalls langsam wachsenden Sorte ´Cido´ ist hierbei, daß sie keine Dornen besitzt. Ihre Blüten sind orangerot. Die Zitronenquitte blüht relativ lange (Buchter-Weisbrodt 1996) in der Zeit von Mai bis Juni (Wilhelm 2000). Sollten diese durch Spätfröste geschädigt werden, so erscheinen danach noch zahlreiche Nachblüten, so daß die Früchte regelmäßig in größeren Mengen angesetzt werden. Probleme bereitet jedoch die Selbststerilität der Blüten, so daß weitere Sorten als Befruchter notwendig sind (Buchter-Weisbrodt 1996). Die Früchte werden in der Zeit von September bis Mitte Oktober reif. Diese sind gelb bis orangegelb (Maethe 1996), glattschalig und ein wenig kleiner als diejenigen der Apfelquitten. Sie weisen ein ausgeprägtes Aroma auf (Buchter-Weisbrodt 1996). ´Cido´ wird mit einer Höhe und Breite von bis zu ca. 1,50 m deutlich höher als die Art selbst. Eine weitere, in Gärten relativ häufig anzutreffende Zierquittenart stellt Chaenomeles speciosa (syn. Ch. lagenaria) dar. Diese Art stammt aus China und ist der japanischen Verwandten sehr ähnlich. Die auffälligsten Unterschiede sind die scharlachroten Blüten, die von April bis Mai erscheinen (Wilhelm 2000), und die größeren, länglichen Früchte, die eine Länge von 4 - 6 cm aufweisen. Ihre Schale ist ohne Rippen und gelegentlich auch leicht rötlich (Friedrich, Schuricht 1985). Außerdem wird Ch. lagenaria bis zu 2 m hoch, mitunter auch bis 3 m (Bundessortenamt 1999). Weil es von beiden Arten zahlreiche Synonyme gibt, kommt es immer wieder zu Verwechslungen, wozu auch die inzwischen zahlreichen Hybriden beitragen. So laufen die meisten im Handel erhältlichen Zierquittensorten heute unter den Chaenomeles-Hybriden bzw. unter Chaenomeles x superba (Friedrich, Schuricht 1985), wobei diese Sorten oft intermediäre Formen darstellen, die mal mehr der einen, mal mehr der anderen Art ähneln. Sie alle tragen Dornen (Wilhelm 2000). Eine weißblühende Vertreterin der Gattung Chaenomeles stellt die Art Ch. cathayensis dar, welche mit einer Höhe von bis zu 2,5 m deutlich höher wird als die anderen beiden Arten und große, weiße Blüten aufweist, auch sie ist bedornt. Von ihr entstanden durch Kreuzung mit anderen Arten die Hybriden Ch. x vilmoriniana und Ch. x californica, wodurch die Anzahl der verschiedenen Sorten noch mehr zunahm (Friedrich, Schuricht 1985). Dagegen wird die reine Art Ch. cathayense in Mitteleuropa wegen der geringen Frosthärte kaum verwendet (Albrecht et. al. 1993). 2.2.4 INHALTSSTOFFE VON ´CIDO´ Die oben genannten Früchte zeichnen sich insbesondere durch einen sehr hohen Gehalt an Vitamin C aus (Albrecht et. al. 1993). Weitere Angaben zu den Inhaltsstoffen lauten wie folgt: Tab. 4: Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Zitronenquitte
Quellen: 1 Albrecht et. al. 1993; 2 Buchter-Weisbrodt 1996
2.2.5 STANDORTANSPRÜCHE Im allgemeinen gelten Zierquitten in Mitteleuropa als weitgehend frosthart. Nur in Einzelfällen konnten erfrorene Triebspitzen festgestellt werden. Nach russischen Angaben ist gerade die Japanische Zierquitte, der auch ´Cido´ zugerechnet wird, sehr winterhart und verträgt problemlos Temperaturen von bis zu -28°C. Dagegen reagieren alle Zierquitten auf stark kalkhaltige Substraten mit Chlorosen, und auch mit Schwefeldioxid belastete Luft in Industriegebieten vertragen sie generell nicht (Friedrich, Schuricht 1985). Für den Anbau der Lettenquitte sollte der Boden frisch, nährstoffreich und lehmig sein, wobei auch kalkhaltige Böden in Frage kommen. Auf keinen Fall sollte der Boden staunaß sein (Buchter-Weisbrodt 1996), auch große Trockenheit ist schädlich. Somit sind für die Kultur von Lettenquitten humose Sandböden und neutrale bis leicht saure Lehmböden optimal (Albrecht et. al. 1993). Der Standort sollte möglichst sonnig sein (Buchter-Weisbrodt 1996), doch auch in halbschattigen Lagen kommt die Zitronenquitte noch gut zurecht (Wilhelm 2000). 2.2.6 ANZUCHT UND PFLANZUNG 2.2.6.1 Anzucht Die gängigste Vermehrungsart stellt die vegetative Vermehrung durch Grünstecklinge dar, die im Juni bis Juli erfolgen sollte. Hierbei ist jedoch der bei ´Cido´ bestehende Sortenschutz zu beachten, so daß die Vermehrung ohne Lizenz nur für den Eigenbedarf gerechtfertigt ist (Wilhelm 2000). Auf rationelle Weise geschieht die Vermehrung in den Baumschulen unter Sprühnebel. Weitere vegetative Arten der Vermehrung sind das Abnehmen von Abrissen oder die Teilung (Friedrich, Schuricht 1985). Darüber hinaus kann ´Cido´ auch durch Veredlung als Hochstamm gezogen werden, wofür sich die Schwedische Mehlbeere (Sorbus intermedia) besonders gut eignet. Die Anwachsrate soll je nach Jahr ziemlich unterschiedlich sein und sich zwischen 50, 70 und 90 % bewegen. Eine Veredlung auf Eberesche (Sorbus aucuparia) soll zwar auch möglich, aber nicht so günstig sein (Klostermann 1998). Es soll sogar möglich sein, Zierquitten auf Birne zu veredeln, solche Bäumchen werden 0,6 - 0,8 m hoch. Diese Veredlung ist v.a. für Sorten mit flachem Wuchs günstig (Bundessortenamt 1999). Die reinen Arten können auch gut durch Aussaat vermehrt werden, die bereits im Herbst erfolgen sollte. Es ist auch möglich, die Samen hierfür zu stratifizieren und sie dann im Frühling in weiten Abständen auszusäen (Wilhelm 2000). Auf diese Weise kann ein Keimergebnis von nahezu 100 % erreicht werden. Bereits im ersten Jahr werden die jungen Pflanzen 50 - 80 cm hoch (Friedrich, Schuricht 1985). 2.2.6.2 Pflanzung Nach dem aktuellen Stand der anbaulichen Erfahrungen sind ein Reihenabstand von 1,8 - 2,0 m und ein Pflanzabstand in der Reihe von 0,6 - 0,9 m am günstigsten (Buchter-Weisbrodt 1996). Dieser Reihenabstand ist zwar recht eng, aber der aufrechte, kompakte Wuchs ermöglicht auch später noch das Befahren mit einem Schmalspur-Schlepper (Klostermann 1998). Bei einer Pflanzung als Hecke reicht bei Zierquitten generell ein Abstand von 0,3 - 0,5 m aus (Friedrich, Schuricht 1985). Diese Anbauform ist in Lettland gebräuchlich, wobei dort ein Reihenabstand von 2 - 2,5 m und ein Pflanzabstand in der Reihe je nach Wuchskraft der Sorte von 0,8 - 1,25 m üblich sind. Auf diese Weise wird der Einsatz von sich übergrätschenden Bearbeitungsmaschinen ermöglicht (Albrecht et. al. 1993). Wenn Flächen oder Hänge dicht bepflanzt werden sollen, sind im allgemeinen drei bis vier Sträucher je m² vorzusehen (Friedrich, Schuricht 1985). Es soll hier nochmals darauf hingewiesen werden, daß die Blüten von ´Cido´ selbststeril sind, was eine Pflanzung von Befruchtersorten erforderlich macht, sofern solche sich nicht schon in der Nähe befinden. Auch in Hausgärten sollten zumindest zwei verschiedene Exemplare gepflanzt werden. Weil die Zitronenquitte schon früh austreibt, sollte sie möglichst im Herbst oder zu Beginn des Frühlings gepflanzt werden (Buchter-Weisbrodt 1996). Im Gegensatz zu manchen anderen, schwachwüchsigen Hochstämmen brauchen ´Cido´-Hochstämme keine Stützhilfe (Klostermann 1998). Generell sollten Zierquitten bevorzugt als Containerware gepflanzt werden, damit möglichst keine Ausfälle entstehen (Friedrich, Schuricht 1985). Bei Fruchtsorten gilt die Pflanzung von leichten Sträuchern als vorteilhaft (Albrecht et. al. 1993).
2.2.7 KULTURARBEITEN 2.2.7.1 Erziehung und Schnitt Weil die Früchte v.a. am dreijährigen Holz sitzen, ist ein Auslichtungsschnitt empfehlenswert, um diese zu fördern. Hierbei sollten die schwächsten Triebe, die an der Strauchbasis ansetzen, entfernt werden. Auf diese Weise entsteht aus den kräftigeren Trieben neues Fruchtholz. Genauso wird mit denjenigen Bodentrieben verfahren, die fünf Jahre und älter sind. Dieser Schnitt sollte am besten gleich nach der Blüte erfolgen (Buchter-Weisbrodt 1996). Durch Veredlung auf Sorbus intermedia ist es auch möglich, ´Cido´ als kleinkronigen Hochstamm zu erziehen, der eine harmonische Kronenform aufweist (Klostermann 1998). In Lettland wird die Zitronenquitte v.a. als niedrige Hecke kultiviert (Albrecht et. al. 1993). 2.2.7.2 Pflanzenschutz Die Sorte ´Cido´ gilt bislang als sehr robust und wird kaum von Krankheitserregern oder Schädlingen befallen. Selbst beim Anbau in großen Stückzahlen brauchen keine Pflanzenschutzmittel ausgebracht zu werden. Das macht sie auch für den biologischen Anbau z.B. im Hausgarten interessant (Buchter-Weisbrodt 1996). 2.2.7.3 Bodenpflege und Düngung
2.2.7.4 Ernte und Erträge Die Früchte reifen von September bis Mitte Oktober, wobei ihre Farbe nach gelb bis orangegelb umschlägt (Maethe 1996). Die Reife vollzieht sich folgernd. Sie müssen geerntet werden, noch bevor die kritische Temperatur von -7°C im Freien erreicht wird (Klostermann 1998). Auch die Früchte anderer Zierquittensorten werden im Spätherbst geerntet (Wilhelm 2000). Die übliche Erntemethode ist das Pflücken der Früchte von Hand, auch das Aufsammeln der Früchte ist als Erntemethode möglich. Weil diese beiden Verfahren jedoch aufgrund der bedornten Sträucher recht mühsam sind und zugleich relativ hohe Koten verursachen, wird derzeit eine maschinelle Beerntung angestrebt. Die Früchte lassen sich aufgrund der großen Festigkeit gut lagern, sie sind auch mechanisch sehr belastbar (Albrecht et. al. 1993). Nach Friedrich und Schuricht (1985) können Scheinquitten bei 2,5°C ca. drei Monate lang gelagert werden. Die Erträge sind als recht regelmäßig anzusehen, und selbst wenn einzelne Blüten durch Spätfröste verlorengehen, so gibt es doch immer noch zahlreiche Nachblüten. Bei einem Pflanzabstand von 60 - 90 cm x 180 - 200 cm sind Flächenerträge von mehr als 20 t/ha möglich (Buchter-Weisbrodt 1996). Auch in Lettland gilt beim Anbau in Hecken dieser Maximalertrag, dort gelten 150 dt/ha als untere Grenze (Albrecht et. al. 1993).
2.2.8 VERARBEITUNG Die Früchte der Zitronenquitte sind v.a. für die Herstellung von Gelee, Erfrischungsgetränken und Likören geeignet (Buchter-Weisbrodt 1996), aber auch Marmelade läßt sich aus ihnen gewinnen, wozu auch die Früchte anderer Zierquittenarten und -sorten verwendet werden können (Albrecht et. al. 1993). Weiterhin ist die Verarbeitung der Früchte zu einem sektähnlichen, moussierendem Getränk bekannt (Albrecht 1996). Neben einem aromatischen Likör von bernsteinartiger Farbe läßt sich aus Zierquitten sogar ein Dessertwein gewinnen. Aus Lettland ist auch die Verwendung von Scheinquitten in der Konditorei für Schaumkuchen bekannt (Friedrich, Schuricht 1985). In flüssiger Form lassen sich die Früchte sowohl für Säfte, als auch für Sirup gut verwenden. Gerade Cido-Gelee soll ein ausgezeichnetes, pikantes, würzig-säuerliches Aroma aufweisen (Maethe 1996). Dieses Produkt kann auch aus der echten Japanischen Zierquitte hergestellt werden, wobei auch dieses ein gutes, leicht säuerliches Aroma aufweist (Wilhelm 2000). Darüber hinaus kann der frisch gepreßte Saft wie derjenige von Zitronen eingesetzt werden (Friedrich, Schuricht 1985). Die Getränkeindustrie hat diesen Nutzen bereits erkannt und ist an ´Cido´ sehr interessiert (Buchter-Weisbrodt 1996). In Deutschland werden die Früchte auch mit Traubensaft vermischt und anschließend zu Wein verarbeitet (Klostermann 1998). Aus dem Saft von Scheinquitten kann auch Süßmost hergestellt werden. Weiterhin ist auch die Verwendung von kandierten Früchten bekannt (Friedrich, Schuricht 1985).
2.2.9 WEITERE OBSTBAULICH NUTZBARE ZIERQUITTENSORTEN
2.2.9.1 Abkömmlinge von ´Cido´ Von ´Cido´ stammen weitere Sorten ab wie ´Agra´, ´Arta´, ´Agrita´ und ´Alfa´ aus Lettland, welche ebenfalls selbstunfruchtbar sind. Somit müssen auch bei ihnen mindestens zwei verschiedene Sorten gepflanzt werden (Bundessortenamt 1999). 2.2.9.2 Chaenomeles-Hybriden ´Fusion´ Diese obstbaulich interessante Sorte entstand in Deutschland in der Zuchtstation Berlin-Baumschulenweg, wo sie 1987 veröffentlicht wurde. ´Fusion´ blüht scharlachrot und trägt länglich-birnenförmige Früchte, welche besonders reich an Vitamin C und Fruchtsäure sind, auch das Aroma ist gut. Die Erträge sind zwar für den erwerbsmäßigen Anbau eher gering (Albrecht et. al. 1993), dafür sind die Früchte recht groß mit einem Einzelgewicht von je bis zu 100 g. Im Unterschied zu ´Cido´ blüht ´Fusion´ auch an den Langtrieben, welche bis zu den Spitzen mit zahlreichen Blüten besetzt sind. Mit der Lettenquitte hat sie die Eigenschaft gemeinsam, daß auch diese Sorte für den Fruchtansatz eine Befruchtersorte benötigt. Die Früchte eignen sich besonders gut zur Verarbeitung zu Gelee, wozu sie auch mit anderen Früchten gut gemischt werden können (Albrecht 1996).
2.2.9.3 Weitere Sorten Bei den züchterischen Tätigkeiten in Berlin-Baumschulenweg wurden weitere Klone untersucht, welche sich in vielen Merkmalen oft erheblich unterscheiden. So ist hier das ganze Farbspektrum an Fruchtfarben vertreten, die Früchte können auch länglich oval bis verkehrt birnenförmig sein, und nur bei einigen Klonen sind sie tief gefurcht. Die Erträge langen bei ihnen im zweiten Standjahr zwischen 0,15 und 2,26 kg/Pflanze, im fünften Standjahr zwischen 1,26 und 5,0 kg/Strauch, es wurde ein mittleres Fruchtgewicht von 18 - 90 g ermittelt. Der Gehalt an Gesamtsäure (0,9 - 3,8 %) war ebenso von Klon zu Klon verschieden wie der Anteil an Gesamtzucker (0,9 - 3,8 %). Deutlich sind die Unterschiede beim Vitamin-C-Gehalt, wo zwar Werte bis 138 mg/100 g ermittelt wurden, jedoch fehlte dieses Vitamin bei zwei Klonen fast vollständig. Eine besondere Beachtung könnte denjenigen Klonen zuteil werden, welche eine recht lange Blütezeit aufweisen, weil sie nicht so spätfrostgefährdet sind und damit sehr regelmäßige Erträge bringen (Albrecht et. al. 1993). Weiterhin entstanden ab 1850 zahlreiche Ziersorten, deren Zuordnung zu den einzelnen Arten oft so undurchsichtig ist, daß sie nur noch als Chaenomeles-Hybriden zusammengefaßt werden (Friedrich, Schuricht 1985). Von diesen sind auch einige als Fruchtsorten zumindest in Hausgärten verwendbar, v.a. ´Crimson and Gold´ wird in diesem Zusammenhang genannt (Albrecht et. al. 1993). Zurück zum Seitenanfang |
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