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Aus der Dplomarbeit von Andreas Zeitlhöfler 2002: Die obstbauliche Nutzung von Wildobstgehölzen
2.3 CORNUS MAS (KORNELKIRSCHE, GELBER HARTRIEGEL) 2.3.1 ALLGEMEINES 2.3.1.1 Botanische Einordnung Die Kornelkirsche (Cornus mas) ist als Vertreter der Gattung Cornus den Hartriegelgewächsen (Cornaceae) zuzuordnen (Graf, Kreß 1996 a). 2.3.1.2 Vorkommen Das Verbreitungsgebiet dieser Wildobstart erstreckt sich von Mittel- und Südeuropa bis zum Kaukasus (Albrecht et. al. 1993) und nach Mittelasien, wo sie v.a. in den lichten Wäldern der Berge, an steinigen Hängen und in Gebüschen vorkommt (Friedrich, Schuricht 1985). In Deutschland ist die Kornelkirsche insbesondere in den wärmeren Regionen südlich der Norddeutschen Tiefebene in der Natur oft anzutreffen (Bartels et. al. 1998 b), manchmal jedoch auch in anderen Gebieten, wo sie infolge der massiven Pflanzung als Ziergehölz verwilderte (Friedrich, Schuricht 1985).
2.3.2 GESCHICHTE DES ANBAUS DER KORNELKIRSCHE UND AKTUELLE ENTWICKLUNGEN Trotz der heute geringen Bedeutung dieser Wildfrucht ist die Verarbeitung der "Kornelkirschen" schon lange bekannt. Schon die alten Griechen sollen den Wert der Früchte als Wildobst gekannt haben (Albrecht et. al. 1996). Von den alten Römern ist bekannt, daß sie unreife Kornelkirschen wie Oliven sauer einlegten. Im Mittelalter finden sich erste Zeugnisse der Kultivierung dieses Gehölzes in Klostergärten, wenn auch diese Nutzung eher zur Holzgewinnung und zur medizinischen Anwendung diente (Friedrich, Schuricht 1985). Um 1797 waren schon nachweislich 12 verschiedene Fruchtvarianten bekannt, deren Farbe von weißlich - wachsgelb über gelb bis nahezu schwarzrot reichte. Später tauchten diese zeitweise auch im Handel auf als Cornus mas macrocarpa. Christ schreibt in seinem "Handbuch über die Obstbaumzucht und Obstlehre" von 1802 auch, daß diese Früchte "auch einen guten Branntwein" ergeben sollen. Diese Aussage wurde in letzter Zeit von den Schnapsbrennern in Österreich und Deutschland wieder aufgegriffen (Bartels et. al. 1998 b). Im Jahre 1956 waren in Armenien schon 28 durch Selektion gezüchtete Sorten bekannt. 1972 werden 12 Sorten zum Anbau empfohlen, welche durch Züchtung im Botanischen Garten der Ukraine (Kiew) aus Herkünften von der Krim und aus Asserbeidschan entstanden. Weiterhin wurden auch im ehemaligen Jugoslawien Kornelkirschen-Sorten gezüchtet, diese sollten v.a. große, zuckerreiche Früchte tragen. Dazu wurden Herkünfte aus Mazedonien und Serbien ausgewählt, welche diese Eigenschaften aufwiesen (Friedrich, Schuricht 1985). Weiterhin befaßten sich auch Züchter in der ehemaligen Tschechoslowakei und Österreich mit der Züchtung von Sorten (Albrecht et. al. 1993). Zur Zeit werden aus den "Kornelkirschen" ansonsten fast ausschließlich Säfte, Marmeladen und Gelees hergestellt (Bartels et. al. 1998 b). Bislang sind jedoch selbst diese Produkte ebensowenig im Angebot des Lebensmittelhandels zu finden wie die Kornelkirschen als Früchte für den Verzehr. So werden die in den heutigen Erwerbsanlagen geernteten Früchte noch meist von den Obstbauern selbst verwertet. Bisher ist der Anbau von Kornelkirschen deshalb noch mehr etwas für Obstbauern und auch Landwirte, die nach neuen Einkommensquellen suchen. Von diesen gibt es aber schon einige, so daß auch die Nachfrage nach Jungpflanzen bestimmter Sorten deutlich anstieg. Hier ergibt sich wiederum das Problem, daß die Züchtungsarbeit ja erst in der Zeit von etwa 1975 - 1980 begann, so daß solche Pflanzen von den Baumschulen noch nicht in den erforderlichen Stückzahlen angeboten wurden. Dies hatte zur Folge, daß heute sich auch größere Baumschulen mit der Vermehrung solcher Sorten bereits befassen (Graf, Kreß 1996 a). Die Züchtung und Selektion von ertragreichen Kultursorten der Kornelkirsche mit größeren Früchten ist dabei als Meilenstein in der Geschichte v.a. des deutschen Kornelkirschen-Anbaus zu sehen (Albrecht 1996). In Österreich werden Kornelkirschen ebenfalls schon seit längerer Zeit verwertet. Dort wird aus ihnen v.a. der sogenannte "Dirndlschnaps" hergestellt (Graf, Kreß 1996 a). Auch in Osteuropa wird die Kornelkirsche schon länger destilliert, daneben wird aus ihr dort auch Wein zubereitet (Bartels et. al. 1998 b). Generell sollten die Anbauer von Kornelkirschen darauf achten, daß sie deren Absatz über Verträge regeln, wenn sie diese Früchte auch für die Lebensmittelindustrie produzieren wollen (Graf, Kreß 1996 a). Außerhalb Mitteleuropas finden sich ebenfalls zahlreiche Länder, in welchen die Kornelkirsche bereits seit längerer Zeit angebaut wird, wenn auch meist nur zum Eigenbedarf. Diese sind im südlichen Europa Portugal, Spanien, Italien, Slowenien, Kroatien, Griechenland und die Türkei. In Osteuropa gehören auch Bulgarien, Moldawien, Ukraine, die russische Krim, Asserbeidschan und Armenien dazu. In anderen Gebieten wird die Kornelkirsche nur als Wildfrucht in der freien Natur verwendet. Vor allem im Kaukasus wird sie hin und wieder als einzelner Baum oder in kleineren Gehölzgruppen als Obstgehölz kultiviert, dort werden noch öfter die Früchte der dort zahlreich vorkommenden wilden Kornelkirsch-Sträucher gesammelt. Die Menge der auf der Krim geernteten Früchte gilt als besonders hoch. So wurden Jahr für Jahr bis zu 10000 Pud (= 1638 dt) Kornelkirschen in Körben in die Großstädte Rußlands verschickt. In diesem Gebiet kommt diese Wildobstart in der Natur reichlich vor als Unterwuchs in Kiefernwäldern. Um das Jahr 1951 sollen im gesamten Gebiet der ehemaligen UdSSR in jedem Jahr 30 000 - 40 000 t an wilden Kornelkirschen geerntet worden sein (Friedrich, Schuricht 1985).
2.3.3 ERSCHEINUNGSBILD Die Kornelkirsche erscheint meist als Strauch und wird als solcher in der Natur 2 - 6 m hoch. Mitunter tritt sie auch als kleinen Baum in Erscheinung, der dann eine dichte, rundliche Krone aufweist (Friedrich, Schuricht 1985) und bis zu 8 m hoch werden kann (Bundessortenamt 1999). Sie wächst zwar v.a. anfangs recht langsam, kann aber ein Alter von 100 Jahren und mehr erreichen. Die kugeligen Blütenknospen befinden sich am alten Holz. Die Blätter sind ganzrandig, elliptisch-eiförmig und mit einer ausgezogenen Blattspitze versehen. Die Blattstellung ist gegenständig. Die Blattunterseite ist deutlich heller als die Oberseite und v.a. in den Winkeln der Blattadern weißlich behaart (Friedrich, Schuricht 1985). Die Blüten erscheinen schon sehr früh, bei günstiger Witterung sogar bereits im Februar, ansonsten erst im März (Keil-Vierheilig 1996), mitunter zeigen sie sich auch noch im April (Albrecht 1996). Generell zeigen sich die Blüten in großer Zahl, die Blütezeit dauert relativ lange. Die einzelnen, leuchtend hell- bis goldgelben Blüten sind zu je 15 - 25 zu kleinen, kugeligen, sitzenden Dolden vereint. Hierbei ist anzumerken, daß sich einzeln stehende Pflanzen oft nicht selbst befruchten können, was mehrere Gründe haben kann. So ist zum Einen bekannt, daß die volle Befruchtungseignung bei den männlichen und weiblichen Blüten oft zeitlich versetzt ist; zum Anderen treten auch sterile männliche Blüten auf. Es kommen z.T. auch voll selbstfruchtbare Blüten vor (Friedrich, Schuricht 1985). Die je nach Sorte hellroten bis nahezu dunkel-schwarzen Früchte sind rundlich-dick bis länglich-oval (Bartels et. al. 1998 b), stets kaum behaart und ähneln in ihrem Aussehen Oliven. Sie werden etwa 1,5 - 2 cm lang (Graf, Kreß 1996 a) und ca. 1,2 cm dick. Das Gewicht der einzelnen Früchte liegt bei 1,6 - 2,6 g, bei großfrüchtigen Sorten auch bei 4,0 g. Sie reifen folgernd ab September. Der Steinanteil kann bis zu 30 % betragen. Das Fleisch läßt sich nur schwer von diesem lösen (Friedrich, Schuricht 1985).
2.3.4 INHALTSSTOFFE Die oben beschriebenen Früchte zeichnen sich v.a. durch einen hohen Gehalt an Vitamin C aus, der in etwa demjenigen der Zitrone entspricht (Albrecht 1996). Auch der Apfelsäure-Anteil ist beachtenswert (Graf, Kreß 1996 a). Der Extraktgehalt liegt je nach Reifezustand der Früchte zwischen 12 und 20 % bzw. bei 50 - 80° Oechsle (Bartels et. al. 1998 b). Der Zucker liegt dabei als Invertzucker vor (Albrecht 1996), im einzelnen sind hauptsächlich Glucose und Fructose enthalten (Friedrich, Schuricht 1985). Genauere Angaben zu diesem Thema enthält folgende Tabelle:
Tab. 5: Gehalte und Anteile der wichtigsten Inhaltsstoffe der Kornelkirsche:
Quellen: 1 Friedrich, Schuricht 1985; 2 Graf, Kreß 1996 a
2.3.5 STANDORTANSPRÜCHE Die Kornelkirsche stellt an den Boden keine besonders hohen Ansprüche. So verträgt sie auch Trockenheit recht gut, selbst das sogenannte "Stadtklima" wird toleriert. Sie bevorzugt zwar kalkhaltige, mäßig trockene Böden, doch auch auf leicht sauren Substraten gedeiht die Kornelkirsche noch ganz gut. Obwohl sie auch auf nährstoffarmen, trockenen Standorten der Mittelgebirge relativ gut wachsen kann, sollten für die erwerbsmäßige Nutzung durch den Obstbau nährstoffreiche Böden mit guter Wasserführung bevorzugt werden (Graf, Kreß 1996 a), da nur auf diesen gute Wuchsleistung und große Früchte bei gleichzeitig hohen Erträgen zu erwarten sind. Am besten gedeiht die Kornelkirsche auf Lehmböden (Friedrich, Schuricht 1985), staunasse oder verdichtete Substrate sind dagegen zu vermeiden (Bartels et. al. 1998 b). Ebenso ist für einen reichen Fruchtansatz ein sonniger Standort vorzuziehen (Graf, Kreß 1996 a). Der Anbau sollte v.a. in Lagen erfolgen, die nicht spätfrostgefährdet sind, da diese den Blüten oft schaden (Bundessortenamt 1999).
2.3.6 ANZUCHT UND PFLANZUNG 2.3.6.1 Anzucht Bislang wird die Kornelkirsche vorwiegend durch Aussaat vermehrt. Auch die Sorten können auf diese Weise vermehrt werden, da sie bei der Aussaat einigermaßen sortenecht ausfallen (Anonymus 1996). Diese Vermehrungsmethode wird im Oktober durchgeführt. Um eine hohe Keimrate zu erreichen, ist ein Kalt-Stratifizieren anzuraten (Graf, Kreß 1996 a). Der Gelbe Hartriegel läßt sich aber auch gut auf vegetative Weise im Frühling durch Steckhölzer vermehren. Weitere mögliche, vegetative Vermehrungsarten sind die Teilung von Sträuchern oder die Vermehrung durch Absenker (Anonymus 1996). Auch Grünstecklinge lassen sich unter Sprühnebel gut bewurzeln. Auf diese Weise soll es möglich sein, sortenechtes Pflanzenmaterial in großen Stückzahlen zu produzieren. Es ist anzumerken, daß diese Stecklinge im ersten Jahr nur minimal wachsen (Friedrich, Schuricht 1985). Für die edleren Kultursorten mit großen Früchten sind jedoch alle diese Vermehrungsweisen ungeeignet. Sie müssen deshalb veredelt werden, was durch Okulation in der ersten Hälfte des August geschieht. Dabei sollten als Unterlage solche Wildformen der Kornelkirsche verwendet werden, die von sich aus schon reichlich Früchte tragen. Normalerweise blühen solche Pflanzen bereits im dritten Jahr nach der Veredlung (Graf, Kreß 1996 a). Auch eine Winterhandveredlung durch Kopulation ist möglich (Albrecht et. al. 1993). 2.3.6.2 Pflanzung Wenn Sämlinge gepflanzt werden sollen, so sollten diese zwei oder drei Jahre alt sein. Auf diese Weise ist es relativ sicher, daß diese dann schon im vierten oder fünften Standjahr zu blühen beginnen (Graf, Kreß 1996 a). Damit die Erträge jedoch hoch sind und früher einsetzen, müssen wertvollere Kultursorten gepflanzt werden. Diese werden auf die oben genannte Weise veredelt und sind deshalb im Vergleich zu anderen Kornelkirschen-Jungpflanzen recht teuer. Sie sollten als zweijährige Pflanzen bezogen werden. Im Allgemeinen sollte die Pflanzung rechtzeitig im Frühling oder Herbst erfolgen, weil die Kornelkirsche schon früh austreibt und somit bei einem späteren Verpflanzen u.U. nicht mehr so gut anwächst. Zusätzlich soll vor dieser Arbeit ein kräftiger Rückschnitt erfolgen (Friedrich, Schuricht 1985). Vorher sollte die Anlage durch Bodenlockerung für das Pflanzen vorbereitet werden, damit nach dem Pflanzvorgang keine allzu große Ausfälle zu erwarten sind. Weil die Kornelkirsche sich zwar i.d.R. recht langsam, aber sicher zu einem breiten Strauch entwickelt, sollte der Reihenabstand 4 - 5 m und der Pflanzabstand 3 m betragen. Es ist bislang noch nicht bekannt, wie alt eine solche Kornelkirschen-Erwerbsanlage werden kann (Graf, Kreß 1996 a). Bei heckenartigen Pflanzungen kann der Pflanzenabstand auf ca. 0,5 - 1 m reduziert werden. Nach dem Auspflanzen sollen die Pflanzen von Zeit zu Zeit gegossen werden (Friedrich, Schuricht 1985). Im Gegensatz zur reichlich fruchtenden wilden Kornelkirsche sind die durch Selektion und Züchtung entstandenen Sorten i.d.R. selbststeril (Graf, Kreß 1996 a). Bei der Pflanzung von solchen Sorten müssen deshalb in solchen Anlagen in nächster Nähe zu ihnen wilde Kornelkirschen als Befruchtersorten gesetzt (Keil-Vierheilig 1996) oder zumindest zwei verschiedene Sorten gepflanzt werden (Albrecht 1996).
2.3.7 KULTURARBEITEN 2.3.7.1 Erziehung und Schnitt Die Kornelkirsche wächst von sich aus strauchförmig und erreicht als solcher eine Höhe von 2 - 6 m. Sie kann aber auch als Halbstamm mit einer Stammhöhe von 1,00 - 1,20 m (Bartels et. al. 1998 b) oder sogar als Hochstamm erzogen werden (Beco 1999). Bei solchen Pflanzen kann die Ernte erheblich leichter durchgeführt werden als bei Sträuchern (Bartels et. al. 1998 b). Gelegentlich wird der Stamm auch nur auf eine Höhe von 50 cm aufgeputzt. Sie verträgt selbst starken Rückschnitt ins recht alte Holz, auf den sie mit der Bildung von zahlreichen Neutrieben reagiert. Diese kommen jedoch nicht aus dem Wurzelbereich (Graf, Kreß 1996 a). Schon früh war bekannt, daß bei der Kornelkirsche mehrere Kronenformen möglich sind wie Kugelkrone, gewöhnlicher Hochstamm und v.a. die Pyramide, da sie sich gut verschneiden läßt (Friedrich, Schuricht 1985). Im erwerbsmäßigen Anbau erfolgen lediglich ein Erziehungsschnitt (Entfernen der Äste am Stamm unterhalb des Kronenansatzes) und ein Ausdünnen der Krone bei gleichzeitiger Vereinzelung der Triebe (Graf, Kreß 1996 a). Letzteres ist auch erforderlich, um eine Überbauung der Krone zu verhindern. Hierzu sollten zusätzlich noch die blühenden Zweige reduziert werden. (Friedrich, Schuricht 1985). Als Hecke braucht die Kornelkirsche lediglich einen Formschnitt (Anonymus 1996). 2.3.7.2 Pflanzenschutz Weil dieses Wildobstgehölz kaum von Schädlingen oder Krankheitserregern befallen wird, sind Pflanzenschutzmaßnahmen i.d.R. nicht erforderlich (Graf, Kreß 1996 a). Selbst Verbißspuren durch Wild sind kaum zu erwarten (Bartels et. al. 1998 b). 2.3.7.3 Bodenpflege und Düngung
2.3.7.4 Ernte und Erträge Der Erntezeitpunkt liegt je nach Sorte oder Herkunft der Sämlinge und je nach Standort zwischen Ende August und Ende September. Die Früchte verfärben sich in dieser Zeit von grün über mittelrot bis hin zu tiefrot oder schwarz. Im zuletzt genannten Stadium sind sie gut ausgereift, sie fallen dann schon fast von selbst von den Ästen und Zweigen. Solche Früchte sollten bevorzugt geerntet (Graf, Kreß 1996 a), da erst in diesem Reifestadium das süßsäuerliche, etwas an Sauerkirschen erinnernde Aroma der Früchte voll ausgebildet ist (Keil-Vierheilig 1996). Als wichtiger Indikator für den günstigsten Erntezeitpunkt gilt neben der Farbe auch die Fruchtfleischfestigkeit. So sollen die Früchte bei der Ernte auch schon etwas weich sein (Anonymus 1996). Wenn die Früchte bei der Ernte naß sind, müssen sie sofort verarbeitet werden; ansonsten ist die Ernte bei feuchter Witterung nicht durchführbar. Für den Transport sollten die Kornelkirschen schon dann geerntet werden, wenn sie sich rosa verfärben; sie lassen sich anschließend gut nachreifen (Friedrich, Schuricht 1985). Generell werden die Früchte im erwerbsmäßigen Anbau durch Abschütteln und Auflesen geerntet (Graf, Kreß 1996 a). Das Lockern der Früchte kann dabei durch einen Seilschüttler oder von Hand durch Abklopfen recht gut durchgeführt werden; die Früchte werden jedoch auch durch Ablesen von Hand geerntet. Bei Halb- und Hochstämmen wird die Ernte dabei erheblich erleichtert. So können bei solchen Pflanzen die durch das Schütteln herunterfallenden Früchte leicht auf ausgelegten Tüchern oder in Auffangschirmen aufgefangen werden. Es sind mehrere Erntedurchgänge erforderlich, welche jeweils im Abstand von drei Tagen erfolgen sollten (Bartels et. al. 1998 b). Beim Auflesen der Früchte ohne Auffangvorrichtungen ist mit einer Ernteleistung von 20 kg/Person und Tag zu rechnen. Sollen die Früchte nach Größe und Reifegrad sortiert werden, so können die Früchte im mittelharten Zustand ca. 10 Tage lang gelagert werden. Dadurch wird das Fruchtfleisch auch weicher, und das Aroma verändert sich von herb säuerlich zu angenehm süß-sauer, gleichzeitig nehmen sie einen markanten Duft an (Friedrich, Schuricht 1985). Wenn sie tiefgefroren werden, können sie auch erst im Winter verarbeitet werden (Bundessortenamt 1999). Wenn durch Okulation vermehrte Pflanzen in den Anlagen zum Einsatz kommen, so kann davon ausgegangen werden, daß diese schon im dritten Jahr nach der Veredlung zum Blühen kommen. Sämlinge dagegen blühen erst im Alter von sieben oder acht Jahren, also erst im vierten oder fünften Standjahr. Vor allem bei Letzteren setzt die Blüte zwar zögerlich ein, dafür ist sie aber regelmäßig, wie bereits erwähnt wurde. Im Allgemeinen treten die ersten Erträge im dritten oder vierten Standjahr auf; diese liegen dann bei etwa 0,5 - 1,5 kg/Pflanze. Nach ein paar Jahren ist dann schon ein Ertrag von 5 kg/Pflanze zu erwarten (Graf, Kreß 1996 a). Der Vollertrag liegt bei mindestens 5 - 10 kg/Pflanze, in günstigen Fällen auch bei 20 - 40 kg/Pflanze; in seltenen Fällen wurden bei sehr alten Bäumen auch 80 - 100 kg/Pflanze erreicht (Friedrich, Schuricht 1985). Bei der Kornelkirsche konnte bislang kein Auftreten von Alternanz beobachtet werden, weshalb die Erträge sehr regelmäßig sind (Graf, Kreß 1996 a).
2.3.8 VERARBEITUNG Obwohl die Früchte zur Zeit noch kaum von der Lebensmittelindustrie verwertet werden, so sind sie für diese doch recht interessant, da sie sich vielseitig verwenden lassen. Sie sind z.B. für die Zubereitung von Müsli, Kompott oder Fruchttorten gut geeignet. Daneben können sie aber auch zu Saft, Wein, Likör, Marmelade, Gelee und nicht zuletzt zu Schnaps verarbeitet werden (Graf, Kreß 1996 a), wobei Kornelkirschensaft, -limonade und -most besonders in der Türkei bekannt sind, wo sie "Scherbet" genannt werden. Der Likör wird dagegen v.a. in Rußland hergestellt, wo er als "Dernovka" bezeichnet wird (Friedrich, Schuricht 1985). Insbesondere bei der Herstellung des sogenannten "Dirndl-Schnapses sollten die Früchte gut vollreif sein, damit sie einen guten Geschmack und einen hohen Extraktgehalt aufweisen. Am Ende entstehen ca. 5 l Alkohol je 100 kg Kornelkirschen (Bartels et. al. 1998 b). Der so entstandene Schnaps soll herrlich nach weißem Trüffel duften (Gassner 1999). Für die Marmeladenherstellung können auch säurearme Früchte wie Melonen, Birnen und Äpfel den Kornelkirsche beigemischt werden (Friedrich, Schuricht 1985). Außerdem kann aus den Steinfrüchten auch Süßmost zubereitet werden (Bundessortenamt 1999) und Kornelkirschen-Konfitüre soll sogar eine der besten Konfitüren sein (Beco 1999). Weiterhin läßt sich aus den Kornelkirschen noch ein Erfrischungstee zubereiten, wozu sie auch mit anderen Früchten vermischt werden können (Friedrich, Schuricht 1985). Ebenso eignen sich die Früchte recht gut als Beilage zu Wildgerichten, wenn sie süßsauer gewürzt und in Weinessig eingelegt werden. Selbst im halbreifen Zustand sind die Früchte verwertbar, v.a. als Olivenersatz. Dazu werden diese unter Zugabe von Gewürzen ebenso behandelt. In Zukunft könnten diese Produkte eine nicht zu verachtende Bedeutung für die Lebensmittelindustrie erlangen, denn all diese aufgelisteten Erzeugnisse sind ästhetisch ansprechend purpurrot gefärbt wegen der intensiv roten Farbe des Fruchtfleisches (Graf, Kreß 1996 a). Doch auch die frisch geernteten, vollreifen Früchte ließen sich als Obst für den Nachtisch gut vermarkten (Keil-Vierheilig 1996). Viel häufiger werden sie jedoch nicht roh gegessen, sondern vorher kandiert oder getrocknet. Die Trocknung kann künstlich geschehen bei Temperaturen von 45 - 80 °C und guter Luftzufuhr, aber auch an der Sonne ist sie gut durchführbar. Es ist dabei mit einem Eintrocknungsverhältnis von 10 : 1 zu rechnen. Auf diese Weise dienen die Früchte auch als wertvoller Vitamin-C-Spender (Friedrich, Schuricht 1985). 2.3.9 SORTEN
2.3.9.1 ´Bo 2034´: Diese Kornelkirschensorte trägt dunkelkarminrote Früchte mit einem Einzelfruchtgewicht von 3 - 4 g, sie werden Ende August reif (Bundessortenamt 1999). 2.3.9.2 ´Bo 2035´ Die Früchte dieser Sorte sind dunkelrot und ca. 4 g schwer, sie reifen in der Zeit von Mitte bis Ende September (Bundessortenamt 1999). 2.3.9.3 ´Devin´ Die Sorte ´Devin´ entstand in der Slowakei durch die züchterischen Tätigkeiten am Institut für Obstbau in Bojnice, wo sie schon 1981 herausgebracht wurde. ´Devin´ wächst mittelstark und wird breit aufrecht. Der besondere Wert dieser Sorte liegt in ihren hohen und regelmäßigen Erträgen. Die Größe der ab Mitte Oktober folgernd reifenden Früchte wird dagegen als mittelgroß beschrieben. Das Einzelfruchtgewicht beträgt i.d.R. 1,9 g (Albrecht et. al. 1993), im Raum Berlin wurden nach Angaben des Bundessortenamts (1999) auch etwa 4,5 g erreicht. Diese Steinfrüchte sind korallen- bis dunkelrot gefärbt und weisen ein angenehm herbsäuerliches Aroma auf. Diese Sorte wird nach den bisherigen Erfahrungen aus Marquardt bei Potsdam und aus der Slowakei für den erwerbsmäßigen Anbau als wertvoll angesehen (Albrecht et. al. 1993).
Abb. 7: Kornelkirschensorte ´Devin´ - Fruchtstand (aus Bundessortenamt 1999)
2.3.9.4 `Jolico´ Diese Sorte kann seit etwa 1985 aus Österreich bezogen werden (Graf, Kreß 1996 a). Dort wurde sie im Wiener Stadtteil Schönbrunn in einem früheren botanischen Privatgarten "wiederentdeckt". Sie wird zur Zeit in Tulln bei Wien vermehrt (Bartels et. al. 1998 b). Die Sorte zeichnet sich v.a. durch ihre besonders großen Früchte aus. So erreichen die Früchte von ´Jolico´ eine Länge von 24 - 30 mm und eine Breite von 13 - 20 mm. Gleichzeitig erreichen sie ein Gewicht von 4 - 6 g je Frucht (Graf, Kreß 1996 a), sind also mehr als doppelt so schwer wie diejenigen der wilden Kornelkirsche. Auch ist der Steinanteil der Frucht bei ´Jolico´ mit um die 10 % in etwa nur halb so groß wie bei der Wildform. Die Steinfrüchte enthalten auch besonders viel Zucker und Vitamin C (Bundessortenamt 1999). Nach den neuesten Ergebnissen von mit dieser Sorte durchgeführten Befruchtungsversuchen wird jedoch der Wert dieser Sorte in Frage gestellt, da sie in diesen Untersuchungen nicht die erhoffte Vollfruchtigkeit erreichte. Davon waren v.a. einzeln stehende Pflanzen dieser Sorte betroffen; doch auch die gleichzeitige Pflanzung der normalen Kornelkirsche als Befruchter änderte daran nur wenig (Markley 1995). 2.3.9.5 ´Kasanlaka´ (syn. ´Kasanlak´, ´Kasanlacher´) Die Sorte ´Kasanlaka´ stammt aus Bulgarien. Sonst ist von dieser Sorte nur wenig bekannt, außer, daß sie sehr große Früchte trägt (Beco 1999). Sie wächst stark und bringt v.a. hohe Erträge (Bundessortenamt 1999). Angeblich soll bei ´Kasanlaka´ auch die innere Fruchtqualität recht hoch sein (Beco 1999). Daneben sollen auch die Blüten dieser Sorte ziemlich groß sein (Albrecht 1996). 2.3.9.6 ´Mascula´ Hierbei handelt es sich um eine rein männliche Befruchtersorte aus Österreich, welche schon als junge Pflanze reichlich blüht, auch später blüht sie noch recht üppig. Sie ist zur Befruchtung der Fruchtsorten bestens geeignet (Bundessortenamt 1999).
2.3.9.7 ´Schumener´ Auch diese Sorte kommt aus Bulgarien, und auch ihr werden sehr große Früchte mit guter innerer Qualität zugeschrieben (Beco 1999), diese sind länglich-oval. ´Schumener´ trägt auch reichlich gelbe Blüten von März bis April. In den übrigen Eigenschaften ist die Sorte ´Jolico´ sehr ähnlich (Bundessortenamt 1999). 2.3.9.8 ´Titus´ Wie ´Devin´, so wurde auch diese Sorte 1981 durch das slowakische Institut für Obstbau in Bojnice in Verkehr gebracht. ´Titus´ zeichnet sich durch einen aufrechten, starken Wuchs aus, v.a. aber durch regelmäßige, hohe bis sehr hohe Erträge bei einem reichen Ansatz der Blüten. Die Früchte selbst sind zur Vollreife dunkelrot und eher mittelgroß bei einem Einzelfruchtgewicht von 1,8 g (Albrecht et. al. 1993), am Standort Marquardt bei Potsdam wurden sogar 2,7 g gemessen (Bundessortenamt 1999). Sie weisen ein angenehm herbsäuerliches und erfrischendes Aroma auf. Die Fruchtreife beginnt ab Ende September und ist folgernd. Insgesamt gilt auch ´Titus´ als für den Anbau empfehlenswert, wie sich bei Beobachtungen in der Slowakei und in Potsdam herausstellte (Albrecht et. al. 1993).
Abb. 8: Kornelkirschensorte ´Titus´ mit reifen Früchten (aus Bundessortenamt 1999)
2.3.9.9 Weitere Sorten Neben diesen relativ bekannten Sorten existieren noch weitere Fruchtsorten, die noch ziemlich unbekannt sind. Vor allem aus der Ukraine sind weitere Kultursorten bekannt, welche dort schon zu Sowjet-Zeiten durch die Züchtungsarbeit im Botanischen Garten Kiew entstanden sein sollen und heute in den USA als ´Pioneer´, ´Elegant´, ´Red Star´ und ´Helen´ bekannt sind (Anonymus 1997 b). In Rußland waren im Anbau von Kornelkirschen noch weitere Sorten verbreitet wie z.B. ´Ispolinskij´, die ´Späte Birnenförmige´, die Späte Flaschenförmige´, die ´Gelbfrüchtige´, die ´Rote Birnenartige´, ´Karazogal´, ´Butyglotschny´, ´Kyrymzy-zogal´ und ´Gjul-zogal´ (Albrecht et. al. 1993). Auch aus Dänemark gelangten 1990 zwei Sorten auf den Markt, nämlich ´Macrocarpa´ und ´Cormas´ (Bundessortenamt 1999). Daneben existieren von der Kornelkirsche auch eine Reihe von Ziersorten mit teilweise auch panaschierten Blättern, gelben oder weißen Früchten oder zwergenhaftem Wuchs. Einige von ihnen sind auch für die obstbauliche Nutzung wertvoll, v.a. die Sorte ´Flava´. Deren gelbe Früchte sind groß, ziemlich süß und damit auch gut für die Verwertung geeignet (Anonymus 1997 b). Zurück zum Seitenanfang |
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