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Aus der Dplomarbeit von Andreas Zeitlhöfler 2002: Die obstbauliche Nutzung von Wildobstgehölzen
2.4 HIPPOPHAE RHAMNOIDES (SANDDORN)
2.4.1 ALLGEMEINES 2.4.1.1 Botanische Einordnung Der Sanddorn ist der einzige Vertreter der Gattung Hippophae und gehört zu den Ölweidengewächsen (Elaeagnaceae). Der botanische Gattungsname Hippophae setzt sich aus den beiden griechischen Wörtern hippos (Pferd) und phaes (leuchtend) zusammen. Der Artname rhamnoides leitet sich dagegen vom Wort rhamnus ab, was soviel wie Dorn bedeutet (Friedrich, Schuricht 1985). 2.4.1.2 Vorkommen Das Verbreitungsgebiet des Sanddorns ist sehr weit ausgedehnt und umfaßt große Teile von Europa und Asien. Es reicht von Mitteleuropa über Klein- und Mittelasien bis nach Ostasien. Auch in Sibirien ist der Sanddorn weit verbreitet. In Asien ist er v.a. in Flußtälern, Steppengebieten und in den Auwäldern der Bergflüsse zu finden, dort ist er auch auf Schotter- und Schwemmlandböden anzutreffen. In den zentralasiatischen Gebirgen vom Kaukasus bis zum Altai kommt er auch noch in großer Höhe vor, in Tibet sogar noch auf 5000 m (Friedrich, Schuricht 1985). Die östlichsten Vorkommen befinden sich in den chinesischen Provinzen Shansi und Szechuan (Albrecht et. al. 1993). 1977 wurde das Wildvorkommen des Sanddorns allein in Ostsibirien auf mehr als 17 000 ha geschätzt. Das europäische Verbreitungsgebiet ist als Rest eines einstigen größeren anzusehen, welches nach der Eiszeit durch die Neubildung von Wäldern geteilt wurde. Heute ist es v.a. auf drei Regionen konzentriert, wo diese rohboden- und lichtliebende Wildobstart in rauhe Gebirgsgegenden und Küstensäume zurückgedrängt wurde. Dies sind zum einen die Küstenbereiche von Nord- und Ostsee. Zum anderen befindet sich ein weiterer Verbreitungsschwerpunkt in der Alpenregion (Friedrich, Schuricht 1985), wo der Sanddorn v.a. die Geröllfelder und Schotterbänke an Flußufern besiedelt (Albrecht et. al. 1993). Daneben existiert ein drittes größeres Verbreitungsgebiet noch in den Karpaten und deren Vorbergen (Friedrich, Schuricht 1985). 2.4.1.3 Unterarten und Herkünfte Durch das heute stark zergliederte Vorkommen spaltet sich die Art heute in mehrere Unterarten und Rassen auf. Von diesen sind heute neun Unterarten bekannt, davon kommen drei in Europa vor. Dies sind die ssp. fluviatilis (im Küstenbereich), ssp. rhamnoides, ssp. rivularvis (alpine Unterart), ssp. carpatica, ssp. caucasica, ssp. turkestanica, ssp. mongolica in Sibirien, ssp. chinensis, ssp. yunnanensis und ssp. gyantensis. Daneben können selbst in engster Nachbarschaft stark unterschiedliche Sanddorn-Rassen vorkommen. So wurden bereits 1963 erkannt, daß sich die Sanddornpflanzen aus dem Altai, dem Tien-Shan und dem Sajan voneinander unterscheiden. Hierbei ist der Altai-Sanddorn nur geringfügig bis kaum bedornt sind. Diese Dornen sind 2 - 3 cm lang, die orangefarbenen Früchte weisen einen relativ hohen Ölgehalt, einen niedrigen Vitamin-C-Gehalt und ein weites Zucker-Säure-Verhältnis auf. Von dieser Wildform sollen zahlreiche Kultursorten abstammen. Für die Züchtung war auch die Schwachwüchsigkeit der Altai-Formen interessant. Die Kaukasus-Formen dagegen waren dafür aufgrund ihrer hohen Erträge und der guten ökologischen Anpassung bedeutungsvoll. Von ihnen gingen auch Sämlinge mit geringer Bedornung und kompaktem Wuchs hervor (Friedrich, Schuricht 1985). Auch die Unterart H. rhamnoides ssp. rhamnoides ist sehr variabel und für die Züchtung interessant (Albrecht et. al. 1993). 2.4.1.4 Bedeutung des Sanddorns für die Medizin Schon seit 2000 Jahren sind die heilenden Kräfte des Sanddorns bekannt, allerdings nicht in Europa, sondern in Ostasien (Augustin 2000 c). In Europa taucht der Sanddorn erst in den Kräuterbüchern des Mittelalters als Heilmittel auf, v.a. gegen Seekrankheit und Fieber (Friedrich, Schuricht 1985). Diese Anpreisung der Sanddornbeeren als Heilmittel ist nach den heutigen Erkenntnissen auch berechtigt, denn die Früchte enthalten viel Vitamin C und weitere Vitamine, sowie andere bioaktive Stoffe, worauf im Kapitel "Inhaltsstoffe" noch näher eingegangen wird. Auch die Sanddornöle werden schon lange als Heilmittel eingesetzt, v.a. in Rußland und China. Dort sind sie nicht nur für die Naturheilkunde von Bedeutung, sondern auch für die moderne Medizin (Anonymus 2000 b). Vor allem bei Magen-Darm-Problemen sollen die Öle heilende Kräfte besitzen (Heimann 2000 b), und in Rußland wird Sanddornöl mit Sonnenblumenöl aus dem Saft der Beeren extrahiert, in Fläschchen gefüllt und wie Jod zur Heilung von Quetschungen, Geschwüren und Verbrennungen eingesetzt. Einige in den Früchten enthaltene Epoxide sollen sogar gegen Krebs helfen (Albrecht et. al. 1993). Weiterhin ist von den auf dem Gebiet der GUS lebenden Völkern bekannt, daß sie schon früh die besten Wildrassen in die Nähe ihrer Siedlungen pflanzten, um die Heilkräfte des Sanddorns zu nutzen (Friedrich, Schuricht 1985).
2.4.2 GESCHICHTE DES SANDDORN-ANBAUS UND AKTUELLE ENTWICKLUNGEN Der erwerbsmäßige Anbau von Sanddorn kam erst vor kurzer Zeit auf. So wurde der Sanddorn noch 1930 von Professor Koch aus Dahlem als zur Verarbeitung ungeeignet bezeichnet. Das hat sich jedoch innerhalb kürzester Zeit grundlegend geändert durch die Entwicklung neuer Erntetechniken (Augustin 2000 c). Dagegen wurde der Sanddorn in Rußland schon um 1900 als für die Zukunft wichtige Obstart betrachtet. Dort gab es auch die ersten Bemühungen, den Sanddorn für größere Erwerbsanlagen nutzbar zu machen. Dabei wurden große Fortschritte in den Gebieten Vermehrung und Anbautechniken gemacht. Somit existierten bereits zu Beginn der 80er Jahre in der ehemaligen UdSSR Tausende von ha an Sanddornanlagen, wovon einige hundert ha schon Spezialbetriebe ausmachten (Friedrich, Schuricht 1985). Somit waren die heutigen GUS noch bis in die 80er Jahre hinein nicht nur auf diesem Gebiet, sondern auch beim Anbau und bei der Verarbeitung des Sanddorns führend. Auch die Züchtung von Sanddorn-Sorten begann in dieser Region (Augustin 2000 c), und zwar bereits um 1934 in Barnaul unter der Führung von Lisavenko (Friedrich, Schuricht 1985). Um 1940 wurde in Deutschland der relativ hohe Vitamin-C-Gehalt der Früchte entdeckt, woraufhin diese auch für die Lebensmittelindustrie interessant wurden (Albrecht et. al. 1993). Nach dem russischen Züchter Lisavenko wurde in etwa zur gleichen Zeit das in Barnaul ansässige sibirische Institut für Obstbau benannt, in welchem weiterhin am Sanddorn geforscht wurde. 1950 wurden dabei 21 Sämlinge herausselektiert, welche für die obstauliche Nutzung als am besten geeignet erschienen. Von diesen wurden 1956 fünf Klone als Sorten geprüft und anschließend als die russischen Sorten ´Novost Altaja´, ´Dar Katuni´, ´Zolotaja pochatka´, ´Maslichnaja´ und ´Vitaminnaja´ ab 1960 veröffentlicht. 1969 wurde bereits in Barnaul ein gesamtsowjetischer Sanddornkongreß einberufen. Später wurden noch weitere Sorten auf den Markt gebracht wie z.B. ´Chujskaja´, ´Zolotistaja´, ´Jantarnaja´ und ´Samorodok´. Daneben lief auch in der ehemaligen DDR bereits vor der Wende die Züchtung von Sanddorn-Sorten am VEB Baumschulen Dresden an. Dadurch konnte schon 1971 die Sorte "Auslese Rügen" herausgebracht werden (Friedrich, Schuricht 1985), es folgten die Sorten ´Leikora´, ´Askola´, ´Frugana´, ´Dorana´, ´Pollmix´ und ´Hergo´. Diese Sorten werden auch weiterhin für die Anbauer in Mitteleuropa und anderswo die bedeutendsten sein (Anonymus 2000 b). In dieser Region wurde 1982 von der Zentralstelle für Sortenwesen die Arbeitsgemeinschaft Sanddornanbau einberufen, welche sich in den folgenden Jahren um die Themen Sortenwahl, Verwertung und Mechanisierung der Ernte kümmerte (Friedrich, Schuricht 1985). 1989 wurde der Sanddorn in Ostdeutschland bereits auf einer Fläche von 200 ha angebaut. In den folgenden Jahren schrumpften diese Flächen jedoch wieder auf die Hälfte zusammen, und auch in der ehemaligen UdSSR sank das Interesse am Sanddorn. Es ist u.a. einem Förderprogramm des Bundeslandes Brandenburg zu verdanken, daß der Abwärtstrend in den neuen Bundesländern aufgehalten werden konnte. Dieses sollte die Anbauflächen sogar um 200 ha erweitern und eine jährliche Erntemenge von 500 t erreichen. Es stellten sich auch neun Betriebe bereit, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, doch die meisten von ihnen kümmerten sich nicht im erforderlichen Maße um die Sanddornpflanzen und hörten später wieder auf. Lediglich drei von ihnen existieren noch heute, sie bewirtschaften zur Zeit um die 40 ha (Augustin 2000 c). Auf diese wird später noch genauer eingegangen werden. Im Westen Deutschlands existierten zu Beginn der 80er Jahre zwar ebenfalls bereits Sanddorn-Sorten, doch waren diese eher unbedeutend (Friedrich, Schuricht 1985). Wie im vorhergehenden Kapitel bereits dargelegt wurde, so sind auch die aus den Samen und Früchten gewonnenen pflanzlichen Öle heute von großer Bedeutung, jedoch nicht nur für die pharmazeutische Industrie, sondern auch für die Produktion von Kosmetika. So sind heute bereits die verschiedensten aus Sanddorn gewonnenen Kosmetik-Produkte von Massage- und Pflegeölen über Lippenstifte bis hin zu Sanddorn-Seifen und -shampoo am Markt erhältlich (Anonymus 2000 b). Aufgrund dieser vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der Früchte gehört der Sanddorn heute zu den wichtigsten Wildobstarten, v.a. was den Erwerbsanbau betrifft. Doch immer noch sind Sanddorn-Artikel eher Nischenprodukte als Massenware, was aber die Pharmaindustrie und einige Ernährungswissenschaftler gerne ändern würden (Augustin 2000 c). Trotzdem wird Sanddorn bisher nur in den neuen Bundesländern im großen Umfang angebaut (Albrecht 1996). Dort wird seit 1991 auch durch das Institut für Obstbau der Humboldt-Universität Berlin die Erforschung neuer Erntemethoden betrieben (Albrecht et. al. 1993). So ist auch die derzeit größte Sanddorn-Anlage Deutschlands dort vertreten. Es handelt sich dabei um die 100 ha große Anlage des Betriebes Storchennest bei Lugwigslust, welcher auch schon zu DDR - Zeiten als "LPG Spoitgendorf" aktiv war. Diese wurde bereits 1980 gegründet und umfaßte damals nur 3 ha. Heute nutzt dieser Betrieb die auf dem Markt entstandene Nische der Sanddorn-Erzeugnisse, deren Absatz zur Zeit stark ansteigt. Die Firma Storchennest setzt diese Produkte sowohl selbst ab, als auch indirekt über derzeit bereits 600 Läden, welche sich im Gebiet zwischen Berlin und Hamburg befinden. Bei diesen handelt es sich vor allem um Reformhäuser, Tee-, Geschenkartikel- und Bioläden. Dadurch ist es nur verständlich, daß der Betrieb heute verstärkt auf den ökologischen Landbau setzt und deshalb Mitglied im Anbauverband "Biopark" wurde (Jensen 1999). In größeren Mengen setzt das Unternehmen jedoch seine Produkte an den Lebensmitteleinzelhandel und die Gastronomie ab, wobei diese v.a. nach Hamburg, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und nach Berlin geliefert werden. Der Geschäftsführer Fred Wegert rechnete 1997 noch damit, daß Sanddorn-Erzeugnisse auch in Zukunft keine Massenware sein werden, sich aber zu guten Preisen an Käufer absetzen lassen werden, welche auf eine gesunde Ernährung achten (Helmholz 1997). Eine ähnliche Entwicklung machte der Sanddornanbaubetrieb von Dr. Andreas und Christine Berger durch, denn auch Dr. Andreas Berger begann schon vor der Wende damit, auf 25 ha Sanddorn anzubauen. 1993 wurde daraus dann ein eigenständiges Unternehmen, welches sich mit der Vermarktung von aus Sanddorn hergestellten Spezialitäten befaßt (Heimann 2000 b). Das Unternehmen verwendet nach eigenen Angaben "... für seine Säfte und Nektare nur ausgesuchte Früchte und Wildfrüchte von einheimischen Bauern, die schonend verarbeitet werden... " und garantiert für seine Kunden "Qualität von Anbau bis in die Flasche..." (2). Auch dieser Betrieb belieferte die Produkte zunächst an Wiederverkäufer, doch heute werden diese dort selbst hergestellt, da durch die steigende Nachfrage nach aus Sanddorn hergestellten Artikeln die Verarbeiter selbst zu Konkurrenten wurden. Die Preise des Unternehmens lagen im Jahr 2000 bei 5 DM je 225 g - Glas Gelee "Exotic" und bei 5,50 für den gleichen Artikel aus ökologischer Produktion. Die 0,5 l - Flasche Sanddornlikör "Sandokan" kostete 27 DM, die 0,75 l - Flasche Sanddornwein 6,99 DM, und hochprozentiger Sanddorngeist wurde in der 0,35-l-Flasche für 29 DM angeboten. Bei den Säften reichten die Preise von 3,60 DM plus Pfand für die 0,7-l-Flasche Apfel-Sanddorn-Saft aus ökologischem Anbau bis hin zu 8,95 DM für die 0,33-l-Flasche frisch gepreßter Sanddornsaft (Heimann 2000 b). Auch der Betrieb Triquart befaßt sich schon seit 1985 mit dem Anbau von Sanddorn, und auch dieser befindet sich in den neuen Bundesländern. Später entschloß sich der Betrieb, selbst Sanddorn in einer größeren Erwerbsanlage zu produzieren, wozu ein Grundstück von 10 ha reinem Sandboden im brandenburgischen Fredersdorf gepachtet wurde. Bei der Planung der Anlage arbeitete der Betrieb auch mit dem brandenburgischen Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung zusammen, welches ein Projekt zur "Einordnung einer Wildfruchtanlage in ein Biotop-Verbundsystem" unterhielt. Dieses Projekt wurde vom Betrieb Triquart ausgeführt. Die Pflanzung der Sanddornsträucher erfolgte dann 1992. Die Früchte werden heute von der Lienig Wildfrucht GmbH in Dabendorf abgenommen, welche sie als halbfertiges Bioland-Produkt an zahlreiche Keltereien absetzt. Bislang ist allerdings die bei der Ernte benötigte Rüttelmaschine noch nicht ausgelastet, weil noch keine früh- oder spättragenden Sorten in der Anlage vorhanden sind. Somit ist auch ein Anbau im Vollerwerb oder der Absatz an eine Erzeugerorganisation noch nicht möglich (Römmler 1997 a). Inzwischen existiert seit Anfang 2000 in Berlin auch schon ein Verein, welcher die Nutzung des Sanddorns als Nahrungs- und Heilmittel fördern will. Dieser wurde v.a. von Lebensmitteltechnologen und Biochemikern gegründet und nennt sich "Gesellschaft der Freunde und Förderer des Sanddorns e.V." Zu diesem Zweck will die Vereinigung auch Broschüren herausgeben, in welchen die Nutzungsmöglichkeiten von Sanddornfrüchten und -ölen aufgezeigt werden sollen (Anonymus 2000 b). Mittlerweile werden jedoch auch in Ungarn und Rumänien bereits solche Produkte aus Sanddorn hergestellt, allerdings aus den Früchten des wilden Sanddorns, wodurch die deutschen Produzenten Konkurrenz bekamen (Jensen 1999). Noch größere Bedeutung hat der Sanddornanbau in Ostasien, wo diese Wildfrucht schon seit 2000 Jahren als Heilmittel bekannt ist. So existieren allein in China derzeit 900 000 ha Sanddorn-Anlagen. Dort wurde der Sanddorn zu einer wichtigen Kulturpflanze, weil er auch in Regionen angebaut werden kann, welche von Wasserknappheit gekennzeichnet und z.T. durch Bodenerosion verwüstet sind (7). 1994 wurde von der Kanadischen Gesellschaft Canada Seabuckthorn Enterprises Limited (CSEL) zusammen mit dem chinesischen Ministerium für Boden und Wasser ein Förderprogramm entwickelt, um den Anbau und die Vermarktung von Sanddorn in China und Nordamerika zu fördern. Dieses Programm beinhaltet auch die Vergabe von Vermarktungslizenzen für Nordamerika, Westeuropa und Australien. Die Gesellschaft CSEL wurde zu Beginn der 90er Jahre in Saskatchewan gegründet (6). Diese verweist in ihrer Internet-Seite darauf, daß die meisten Publikationen über Sanddorn derzeit auf russisch und chinesisch verfaßt werden (5). Weiterhin werden auch in Skandinavien und Chile schon Sanddornbeeren in größeren Erwerbsanlagen angebaut. Dabei nutzen auch diese Länder für den Anbau die in Deutschland gezüchteten Sorten. Selbst in Westeuropa findet eine Umorientierung von der Nutzung des wilden Sanddorns zum plantagenmäßigen Anbau statt (Augustin 2000 c). In den USA werden in den Prärien großflächige Windschutzpflanzungen mit Sanddorn angepflanzt und gleichzeitig obstbaulich genutzt (10). Auch in der Mongolei ist Sanddorn als Kulturpflanze schon seit mehreren Jahrzehnten bekannt, wo er v.a. als Heilpflanze geschätzt wird. Dazu werden die Früchte dort nicht nur von wilden Pflanzen gesammelt, sondern auch in Spezialbetrieben geerntet (Friedrich, Schuricht 1985). In jüngster Zeit entstanden wieder einige neue Sanddorn-Sorten, von denen derzeit ein paar in der Baumschule Späth in Berlin gesichtet werden. Sie sollen sich insbesondere durch einen hohen Ölgehalt auszeichnen, was v.a. für die Pharma- und Kosmetikindustrie von Bedeutung sein dürfte (Augustin 2000 d). Näheres dazu findet sich auf S. 93. Auch in Polen, Schweden, Ungarn, in der Slowakei, im Baltikum und in Rumänien wird der Sanddorn züchterisch bearbeitet (Bundessortenamt 1999). 1995 wurde in Peking (China) die Gesellschaft ICRTS (Internationales Zentrum für Untersuchungen und Förderung an bzw. von Sanddorn) gegründet. Zu deren Mitgliedern zählen heute neben den bekannteren Anbauländern China, Mongolei, Rußland, Weißrußland, Kirgisien und Ukraine heute auch Deutschland, Chile, Finnland, Schweden, Kanada, Indien, Nepal und Pakistan. Die Aufgaben dieser Organisation sind die Förderung und Koordinierung der internationalen Zusammenarbeit im Sanddornanbau, wozu auch der Austausch von Informationen und Technologietransfer zählen (8). Auch für Pakistan könnte der Sanddorn zu einer wichtigen Kulturpflanze werden, weil dieses Land von Wasserknappheit und Bodenerosion gekennzeichnet ist, v.a. in Belochistan und in den nördlichen und nordwestlichen Bergregionen (9).
2.4.3 ERSCHEINUNGSBILD Der Sanddorn erreicht als Strauch je nach Sorte eine Höhe von 1 - 4 m und eine Breite von 2 - 3 m (Gugenhan 1998), mitunter tritt er auch als Kleinbaum in Erscheinung und wird dann bis zu 6 m hoch. Insgesamt erscheint der Sanddorn durch die sparrige Verzweigung ziemlich bizarr. Die Kurztriebe wandeln sich nach und nach in Dornen um, wodurch dieses Gehölz stark bewehrt ist. Eine Besonderheit des Wuchses beim Sanddorn stellt die stark ausgeprägte Förderung des Wachstums in den oberen Bereichen der Krone dar, wohingegen die meisten anderen Beerensträucher basiton sind, d.h. bei ihnen entstehen die meisten neuen Triebe aus der Strauchbasis. Dadurch wird auch die Eigenart gefördert, daß sich die Spitze der Neutriebe eines Jahres in einen spitzen, gleichförmigen Dorn verwandelt. Diese Verkahlung der Triebspitzen hat zur Folge, daß das Wachstum an den darunterliegenden Knospen im Folgejahr stark gefördert wird. Dadurch entstehen aus ihnen im nächsten Jahr unverzweigte Langtriebe, deren Anordnung untereinander durch die sehr kurzen Triebabstände quirlartig ist. Dagegen sind die Basisknospen der Triebe für die Fruchtbildung zuständig, denn diese stellen meist Blütenknopsen dar. Die Blüten selbst sind nur am ein- bis drejährigen Holz zu finden, und zwar in der Nähe der obersten Äste. Auf diese Weise kommt beim Sanddorn eine Verzweigung mit Vergabelungen aus drei oder vier Schenkeln und einem Verzweigungswinkel von ca. 45° an der Spitze des Strauches zustande, wobei gleichzeitig an der Strauchbasis eine starke Verkahlung zu beobachten ist. Die schmal lineal-lanzettlichen Blätter sind wechselständig angeordnet, ganzrandig, ledrig und auf beiden Seiten silbrig. Die Wurzeln des Sanddorns besitzen die Eigenart, daß sie mit dem Pilzgeflecht (Mykorrhiza) von Strahlenpilzen eine Symbiose eingehen können. Sie gehen zwar z.T. recht tief in den Boden durch ein paar Senkerwurzeln, doch ist das Wurzelwerk hauptsächlich nur spärlich verzweigt, oberflächennahe und weitstreichend. Aus diesen flach verlaufenden Wurzeln bilden sich zahlreiche Adventiv- oder Wurzelsprosse, so daß die Sträucher allmählich immer dichter und breiter werden können (Friedrich, Schuricht 1985). Diese können evtl. sogar den Boden anheben (Gugenhan 1998). Die Blüten erscheinen noch vor den Blättern von März bis April. Da sie vom Wind bestäubt werden, sind sie klein, unauffällig und weder mit Nektarien, noch mit Kronenblättern ausgestattet. Hier zeigt sich eine weitere Besonderheit des Sanddorns, nämlich die, daß es hierbei rein weibliche und rein männliche Blüten gibt, die auch noch auf verschiedenen Pflanzen sitzen. Somit sind die einzelnen Pflanzen entweder rein weiblich oder rein männlich. Das Geschlecht ist dabei schon im Winter an den Blütenknospen erkennbar, denn diejenigen der männlichen Blüten sind im Gegensatz zu denjenigen der weiblichen Blüten rundlich, dick und im Vergleich zu den weiblichen auch deutlich größer. Die männlichen Blüten selbst sitzen im Gegensatz zu den weiblichen in ährenartigen Blütenständen (Friedrich, Schuricht 1985). Weiterhin sind die männlichen Blütenknospen auch dunkler als die weiblichen (Albrecht et. al. 1993). Aus den weiblichen Blüten entwickeln sich nach erfolgreicher Befruchtung rundlich-eiförmige Scheinfrüchte, die nur einen Samen aufweisen und in etwa erbsengroß werden. Botanisch gesehen stellen sie Steinbeeren dar, denn die eigentliche Frucht entsteht aus der Blütenhülle, welche bei der Umbildung zur Frucht fleischig wird und anschwillt. Das so entstandene Fruchtfleisch ist dünn-breiig und enthält reichlich Öle. Die Fruchthaut ist mit platten, schildförmigen Schuppenhaaren besetzt und sieht dadurch aus wie getüpfelt (Friedrich, Schuricht 1985). Hierbei sind Sorten mit weniger behaarten Früchten günstiger, da sich bei ihnen Luftschadstoffe leichter abwaschen lassen (Albrecht et. al. 1993). Im reifen Zustand sind die Beeren von gelb über orange bis dunkelrot gefärbt. Sie werden zwar schon ab September reif, doch bleiben sie bis in den Winter hinein fest am Geäst hängen. Sie geben einen angenehmen Geruch von sich, der an Ananas erinnert (Friedrich, Schuricht 1985). Die Früchte wiegen zwischen 0,2 und 0,92 g (Albrecht et. al. 1993). In den Früchten befinden sich nur kleine Samen. Auch sie beinhalten reichlich Pflanzenöl, weshalb sie ebenfalls verwertet werden zur Ölgewinnung (Friedrich, Schuricht 1985). Das Gewicht der Samen schwankt zwischen 0,009 und 0,018 g (Albrecht et. al. 1993).
2.4.4 INHALTSSTOFFE Anm.: Eine detaillierte Zusammenstellung zu diesem Thema befindet sich auf den S. 25 ff. Die im vorhergehenden Kapitel beschriebenen Früchte können als Multivitamin-Spender von erster Güte bezeichnet werden (Albrecht 1996). Sie zeichnen sich dabei v.a. durch einen sehr hohen Gehalt an Vitamin C aus, weshalb der Sanddorn wie die Zitronenquitte auch als "Zitrone des Nordens" bezeichnet wird (29, S. 24). Dieser ist um das drei- bis siebenfache höher als derjenige der Zitrone (Gugenhan 1998). Der Vitamin-C-Gehalt kann je nach Jahr, Sorte, Erntezeitpunkt und Standort stark unterschiedlich sein, große Unterschiede ergeben sich auch bei den verschiedenen Unterarten. Generell liegt der Vitamin-C-Gehalt bei den an der Ostsee vorkommenden Sanddornsträuchern nur bei 200 mg/100 g, bei denjenigen aus den Mittelgebirgen schon bei 700 mg/100 g und bei Sanddornfrüchten aus den Alpen mitunter gar bei 1300 mg/ 100 g Früchte. Daneben enthalten Sanddornbeeren noch neun weitere Vitamine. Diese sind
Nicht zu vergessen ist dabei das Vitamin Cholin, welches verhindern soll, daß sich im menschlichen Körper Fett ablagert. Gleichzeitig soll es dafür sorgen, daß das Gehirn besser arbeitet (Gugenhan 1998). Außerdem können in den Sanddornfrüchten viele vitamin-P-aktive Bioflavonoide, 15 verschiedene Spurenelemente (Friedrich, Schuricht 1985) und weitere bioaktive Stoffe nachgewiesen werden (Albrecht 1996). Daneben enthalten die Sanddornbeeren jedoch auch reichlich Fruchtsäuren und Mineralstoffe (Gugenhan 1998). Von großer Bedeutung sind auch die enthaltenen pflanzlichen Öle, welche für die pharmazeutische und die Kosmetikindustrie immer wichtiger werden (Albrecht 1996). Für erstere sind v.a. die essentiellen Fettsäuren interessant (Albrecht et. al. 1993). Hierbei beträgt der Ölgehalt der in der GUS gezüchteten Sorten ca. 3,8 - 6,9 % und in den Samen sogar mehr als 10 % (Friedrich, Schuricht 1985). Die Früchte enthalten auch Epoxide, von denen einige auch Tumore hemmen sollen (Albrecht et. al. 1993). Für die mitteleuropäischen Herkünfte wird ein Zucker-Säure-Verhältnis von 1 : 1 angegeben (Friedrich, Schuricht 1985).
2.4.5 STANDORTANSPRÜCHE Weil der Sanddorn in sehr unterschiedlichen Gebieten vorkommt, ist er an extreme Temperaturen gut angepaßt. Dafür sind die am Standort herrschenden Lichtverhältnisse für sein Gedeihen umso wichtiger. So sollte diese Wildobstart möglichst nicht beschattet werden. Dagegen wird Trockenheit gut vertragen (Friedrich, Schuricht 1985). Die Blüten überstehen selbst Temperaturen von -12°C problemlos (Albrecht et. al. 1993). Weil der Sanddorn den für das Wachstum benötigten Stickstoff auch über die Symbiose mit Strahlenpilzen aus der Luft beziehen kann, gedeiht er auf mageren, sandigen Böden ganz gut (Albrecht 1996). Er bevorzugt sogar solche Substrate, wobei sich sowohl tonige, als auch lehmige oder humose Sandböden für seine Kultur eignen. Auch an Steilufern gelegene Mischböden sind für den Sanddorn bestens geeignet. Der Standort sollte jedoch keinesfalls sumpfig oder längere Zeit überflutet sein. Luftige, lockere Böden dagegen sind für den Sanddornanbau bestens geeignet (Friedrich, Schuricht 1985). Saure, staunasse oder stark verdichtete Substrate sind zu vermeiden (Albrecht 1996). Statt dessen sollte der pH-Wert im neutralen bis schwach alkalischen Bereich liegen (Gugenhan 1998) und auf keinen Fall geringer als 5,0 sein (Albrecht et. al. 1993).
2.4.6 ANZUCHT UND PFLANZUNG 2.4.6.1 Anzucht Die traditionelle Art, Sanddorn zu vermehren, ist die Aussaat. Dabei kann das Saatgut dieser Pflanze gleich nach der Ernte der vollreifen Früchte gesät werden, es bleibt noch zwei Jahre lang keimfähig. Es ist anzumerken, daß nach der Aussaat männliche und weibliche Sanddornpflanzen zu gleichen Teilen erscheinen, wobei die Selektion der Sämlinge nach Geschlecht sehr problematisch ist. Es wurde dazu zwar eine Methode entwickelt, bei welcher die Stärke der Atmungsfermentaktivität bestimmt wurde, doch war diese für das Freiland nicht geeignet. Um die Pflanzen sortenecht vermehren und damit auch das jeweilige Geschlecht auf die Nachkommen übertragen zu können, gewann deshalb die vegetative Vermehrung an Bedeutung, wobei diese auf rationelle Art und Weise in Form der Steckholzvermehrung unter Folie durchgeführt werden kann. Noch weiter verbreitet ist jedoch die Vermehrung durch Stecklinge im Sprühnebel-Verfahren. Es konnte beobachtet werden, daß sich an den männlichen Stecklingen die Wurzeln schlechter entwickeln als an den weiblichen, wobei die ´Pollmix´- Klone davon nicht betroffen sind (Friedrich, Schuricht 1985). Auch durch Abrißvermehrung wird die Sortenechtheit gewährleistet (Bundessortenamt 1999). In der ehemaligen UdSSR wurde der Sanddorn zuweilen auch durch Veredlung auf zweijährige Sämlinge vermehrt, was entweder durch Kopulation oder durch Spaltpfropfen möglich ist. Es ist dabei mit einer Anwachsrate von mehr als 70 % zu rechnen. Hierzu wurden mitunter auch Sämlinge der nahe verwandten Gattung Shepherdia als Unterlag verwendet (Friedrich, Schuricht 1985).
2.4.6.2 Pflanzung: Die Pflanzung sollte in Reihen erfolgen, welche am besten in Nord-Süd-Richtung verlaufen und im Abstand von 4 - 4,5 m angelegt werden sollten (Augustin 2000 c). In der Sanddornanlage von Ludwigslust hat sich z.B. ein Reihenabstand von 4,50 m bewährt, welcher einen zügigen Abtransport der Fruchtzweige nach der Ernte durch Traktoren ermöglicht (Jensen 1999). Der notwendige Pflanzenabstand in der Reihe hängt von der Sorte ab. Er sollte generell 1 - 1,5 m betragen (Augustin 2000 c). Beim Einsatz einer Ernterüttelmaschine ist ein viel breiterer Reihenabstand von 2,5 m erforderlich, dann sollten die Fahrgassen auch nicht länger als 100 m sein, gleichzeitig ist bei dieser Erntemethode eine Vorgewendebreite von 15 m zu empfehlen (Albrecht et. al. 1993). An dieser Stelle soll noch einmal auf die Zweihäusigkeit des Sanddorns hingewiesen werden, welche es erforderlich macht, daß neben den rein weiblichen, fruchttragenden Sorten auch männliche Befruchtersorten (z.B. diejenigen aus der Reihe ´Pollmix´) gepflanzt werden müssen (Gugenhan 1998). Dazu sollten zu je einer weiblichen Sorte ein oder besser gleich zwei männliche Pflanzen gesetzt werden (Albrecht 1996). Die Angaben darüber, in welchem Verhältnis die männlichen zu den weiblichen Sanddornpflanzen stehen sollen, sind z.T. recht unterschiedlich. So reichen die empfohlenen Mengenverhältnisse von 1 : 15 bis 1 : 8. Um für eine gute Bestäubung zu sorgen, ist es sinnvoll, die "Männchen" in Reihen anzupflanzen, welche am besten quer zur Hauptwindrichtung verlaufen sollten (Friedrich, Schuricht 1985). Nach den neuesten Erfahrungen sollten in größeren Erwerbsanlagen die männlichen Pflanzen im Verhältnis 1 : 9 unter die weiblichen Kultursorten gemischt werden. Dazu wird empfohlen, die gesamte Plantage mit männlichen Pflanzen zu umgeben und gleichzeitig die Befruchtersorten als durchgehende Reihen in die Pflanzung einzugliedern (Augustin 2000 c). In der Sanddorn-Anlage von Herrn Triquart z.B. wurde nach sieben Reihen der weiblichen Sorte ´Hergo´ eine ganze Reihe aus männlichen Sanddorn-Pflanzen der Pollmix-Klone 1, 2 und 4 gepflanzt, wobei aus ökologischen Gründen dazwischen Gehölzgruppen eingefügt wurden (Römmler 1997 a). Im Betrieb Berger kommt die eine Reihe von männlichen Pflanzen dagegen erst nach zehn Reihen von weiblichen Sanddornsträuchern (Heimann 2000 a). Weil die Blütezeit der Fruchtsorten je nach Witterung stark unterschiedlich sein kann und nur in etwa auf die Zeit von März bis Anfang Mai festgelegt werden kann, ist es notwendig, mehrere verschiedene Befruchtersorten zu verwenden, z.B. die ´Pollmix´- Klone 1 - 4 (Augustin 2000 c). Bei einer Verwendung von wilden Sanddornpflanzen als Befruchter müßten diese 20 % der gesamten Pflanzen ausmachen, wodurch der Nutzen solcher ausgelesenen Klone deutlich wird. Wenn dagegen eine obstbauliche Nutzung des Sanddorns bei gleichzeitiger Verwendung als Schutzpflanzung angestrebt wird, so sollte darauf geachtet werden, daß die weiblichen Sorten dorthin gepflanzt werden, wo man sie auch abernten kann, z.B. an den Hangfuß oder an den Rand solcher Pflanzungen. Die männlichen und wilden Sanddornsträucher dagegen können auch in unzugängliche Bereiche gesetzt werden. Falls Sanddorn direkt als Hecke zur Umzäunung oder Abschirmung gepflanzt wird, so sollten die Pflanzen in einer Reihe mit einem Abstand von 1 - 2 m gepflanzt werden (Friedrich, Schuricht 1985). Die Pflanzung wird zur üblichen Zeit im Frühling oder Herbst durchgeführt (Gugenhan 1998). Es kann dabei günstig sein, die Pflanzen etwas tiefer zu setzen, damit sich das wenig verzweigte Wurzelwerk mehr nach unten entwickelt und so vielleicht mehrere Wurzelebenen ausbildet (Friedrich, Schuricht 1985). Wenn nach dieser Arbeit Pflanzen ausfallen, so müssen diese recht schnell ersetzt werden durch neue Pflanzen, denn Lücken werden von den Wurzelausläufern der Nachbarpflanzen rasch ausgefüllt (Augustin 2000 c).
2.4.7 KULTURARBEITEN 2.4.7.1 Erziehung und Schnitt Schon bei der Ernte erhalten die Sträucher durch das Entfernen der fruchttragenden Zweige einen beachtlichen Rückschnitt. Darauf wird im Kapitel "Ernte und Ertrag" noch näher eingegangen werden. Dieser Ernteschnitt ist gleichzeitig als Instandhaltungsschnitt anzusehen, durch welchen es zu einem alternierenden, zweijährigen Ertragsrhythmus kommt (Römmler 1997 a). Daneben existieren auch Sorten, welche erst am dreijährigen Holz wieder tragen (Helmholz 1997). Dieser Ernteschnitt fördert auch die regelmäßige Erneuerung der Sträucher von der Basis her bei gleichzeitiger Begrenzung der Pflanzenhöhe. Er führt auch zu größeren Einzelfrüchten und einem größeren spezifischen Ertrag hinsichtlich des Kronenvolumens. Außerdem ermöglicht er eine fruchtschonende Transport- und Erntetechnologie (Friedrich, Schuricht 1985). Neben dem Ernteschnitt sind zusätzlich auch die Wurzelschößlinge mehrmals zurückzuschneiden, damit die Fahrgassen nicht zuwachsen (Heimann 2000 a).
Abb. 9: Sanddorn – Wuchsbild (aus Albrecht et. al. 1993)
2.4.7.2 Pflanzenschutz Zu diesem Thema ist beim Sanddorn nicht viel zu sagen, da er kaum von Schädlingen oder Krankheitserregern befallen wird. Lediglich Blattläuse wie der Sanddornblattsauger (Psylla hippophaes) und die Sanddornlaus (Capitorphorus hippophaes) (Friedrich, Schuricht 1985) können beim Sanddorn in manchen Jahren größere Schäden verursachen. Von den Pilzerkrankungen ist nur die Welke erwähnenswert, welche gelegentlich Probleme bereitet (Jensen 1999). Diese wird bei jungen Pflanzen von Rhizoctonia- und Fusarium-Arten verursacht, bei älteren Sträuchern dagegen eher von Verticillium dahliae. Bei sehr alten Pflanzen tritt mitunter auch eine vom Falschen Sanddorn-Baumschwamm (Phellinus robustus var. hippophaes) ausgelöste Herz- und Stammfäule auf. Bei einem Anbau von Sanddorn in großen Monokulturen ist mit weiteren Schädlingen zu rechnen. So sind 35 Insekten bekannt, welche sich von dieser Pflanze ernähren, wie Sanddorngallmilbe (Eriophyes hippophaenus), Sanddornmotte (Jelechia hippophaealla) und Sanddornfliege (Rhagoletis batava). Bei später Ernte können auch Vögel nennenswerte Schäden verursachen, wobei hier 20 Arten beteiligt sind wie Drosseln, Krähen, Fasanen, Elstern, Sturmmöwe, Ringeltaube u.a. Weil aber die Früchte i.d.R. schon recht frühzeitig geerntet werden, sind diese Probleme eher als gering anzusehen (Friedrich, Schuricht 1985). Dagegen werden die Pflanzen kaum durch Wild verbissen, weshalb Sanddornanlagen auch nicht eingezäunt werden müssen (Albrecht et. al. 1993). 2.4.7.3 Bodenpflege und Düngung
2.4.7.4 Ernte und Erträge Die Früchte reifen je nach Sorte in der Zeit von Ende August bis Anfang September. Keinesfalls sollten sie zu spät geerntet werden, weil dann rasch die Buttersäuregärung einsetzt, wodurch die Beeren nach einiger Zeit nicht mehr genießbar sind. Deshalb ist der Reifegrad der Früchte in regelmäßigen Abständen zu überprüfen, damit die Ernte zum optimalen Zeitpunkt erfolgen kann (Heimann 2000 a). Auch sollte die Ernte nur bei trockener Witterung erfolgen (Friedrich, Schuricht 1985). Die Ernte selbst ist sehr aufwendig, weil die Früchte sich selbst im reifen Zustand nur mit Mühe von den Zweigen lösen lassen, was durch Abschütteln kaum möglich ist. Auch ein Ablesen der Früchte ist dadurch sehr mühsam, die dünne Fruchthaut kann dabei auch leicht zerplatzen (Heimann 2000 a). Deshalb müssen die Früchte samt den Fruchtästen abgeschnitten werden, wobei die Sträucher im allgemeinen auf eine Höhe von 1 - 1,5 m zurechtgestutzt werden. Am gängigsten ist bei der Ernte ein Kleinschneiden der Fruchtzweige in Stücke von höchstens 8 cm Länge und 8 mm Stärke (Augustin 2000 c). Diese werden z.B. im Betrieb Berger als Reiser mit einer Länge von 40 - 60 cm geschnitten. Dieser Rückschnitt darf allerdings nicht zu radikal durchgeführt werden, denn sonst treiben die Sträucher im nächsten Jahr ziemlich schwach aus (Heimann 2000 a). Zur Durchführung dieser Schnittmaßnahme eignen sich Zweihandscheren (Jensen 1999). Noch besser wäre der Einsatz pneumatischer Scheren, wodurch der Kraftaufwand deutlich reduziert und somit die Arbeitsleistung erheblich gesteigert werden kann (Friedrich, Schuricht 1985). In der Sanddornanlage Storchennest hat sich bei der Ernte ein Verfahren durchgesetzt, bei welchem die Fruchtäste gleich nach dem Schneiden auf Wagen (Jensen 1999) in Großkisten verladen (Helmholz 1997) und auf diesen von Traktoren durch die Erntegassen zum Tiefkühllager befördert werden. Hier wird bei einer Temperatur von -40 °C (Jensen 1999) und einer Kerntemperatur von -18 °C und darunter eine Schockfrostung durchgeführt, nach welcher sich die Beeren dann ohne weiteres von den Zweigen abschlagen lassen (Helmholz 1997). Im allgemeinen dauert das Frosten bei Temperaturen von -36 °C bis -40 °C vier bis zwölf Stunden (Augustin 2000 c). Anschließend wird das Erntegut durch Ventilatoren von Blättern und kleinen Zweigen gereinigt (Helmholz 1997). Bei einem Entblättern der fruchttragenden Zweige von Hand, wie es früher üblich war, kamen für einen Hektar 1300 Arbeitsstunden zusammen, was bei den damals angenommenen Erträgen von nur 50 dt/ha nicht besonders viel war. Ebenso reduziert sich der Aufwand an Arbeitszeit bei Einsatz der Schockfrostung mit ca. 450 Stunden auf ein Drittel von demjenigen, welcher vorher aufgewendet werden mußte (Augustin 2000 c). In der ehemaligen DDR wurden die fruchttragenden Zweige zu diesem Zweck auf chemische Weise durch Salze oder Wachstumsregulatoren entblättert (Friedrich, Schuricht 1985). Auch das Unternehmen Berger führt die Ernte auf diese Weise durch. Diese Räume werden vom Betrieb Berger extra angemietet (Heimann 2000 a). Im Betrieb Triquart hat sich ein anderes Ernteverfahren bewährt, bei welchem die Fruchtzweige mit pneumatischen Scheren abgetrennt und anschließend in eine Rüttelmaschine für Wildfrüchte abgelegt werden. Die unteren Zweige bleiben stehen, damit der Austrieb im nächsten Jahr kräftiger ist (Römmler 1997 a). Bei der Ernte mit Rüttelerntemaschinen werden von je zwei Arbeitskräften die beiden an der Fahrgasse liegenden Strauchstreifen zur Hälfte abgeerntet. Anschließend wird das Erntegut durch Gebläse und Siebketten von den Verunreinigungen befreit, für diese Methode müssen bei einer Ernte von 50 dt/ha nur noch ca. 150 Akh aufgewendet werden. Die gereinigten Früchte werden während der Arbeit in einem Behälter gesammelt, welcher ein Fassungsvermögen von 500 kg aufweist. Dies entspricht einer Fahrgassenlänge von 100 m. Die Höhe einer solchen Rüttelerntemaschine beträgt 2,8 m, die Breite 2,3 m und die benötigte Drehleistung 25 kW. Diese Maschine kann in einer Stunde ca. 600 kg ernten, was einer Fläche von 0,1 ha je Stunde entspricht, die Ernteverluste liegen bei 10 %. Das beim Ernteschnitt anfallende Fruchtholz kann zum Schluß in die Fahrgasse geworfen und später eingemulcht werden. Diese Erntemethode konnte bislang jedoch nur an den Sorten ´Frugana´ und ´Hergo´ erfolgreich durchgeführt werden. Bei einer Aberntung der Anlage in zwei Jahren müßte für je 50 ha eine solche Erntemaschine angeschafft werden (Albrecht et. al. 1993).
Abb. 10: Ernte beim Sanddorn mit der Rüttelmaschine (aus Albrecht et. al. 1993) In Rußland sind ähnliche Ernteverfahren bekannt, welche den Frost des Winters zum Ablösen der Früchte gebrauchen. Beim einen werden die Früchte im gefrorenen Zustand von Hand oder mit Handvibratoren abgeschüttelt. Diese Methode ist nicht nur in kalten, schneearmen Gebieten der ehemaligen UdSSR bekannt, sondern auch in der Mongolei, wo von einer Arbeitsleistung von 100 - 150 kg/Ak und Tag ausgegangen wird. Beim anderen Verfahren werden die fruchttragenden Zweige zunächst abgeschnitten oder abgebrochen und dann zu Stapeln aufgeschichtet. Nach Frosteinwirkung werden diese mit Stöcken abgeklopft, wodurch sich die Früchte von den fragil gewordenen Stielen lösen. Diese Art der Ernte ist aus den GUS beim dortigen Wildfruchtsammeln bekannt. Daneben sollen sich die Früchte auch durch Klammern, Spezialmesser, Haken oder Drähte abstreifen oder abschütteln lassen, wobei sie anschließend auf Planen oder in Behältern aufgefangen werden. Hierbei sollen von einer Arbeitskraft am Tag 20 - 25 kg geerntet werden können (Friedrich, Schuricht 1985). Schließlich ist aus älteren Zeiten auch die Möglichkeit bekannt, die Fruchtäste wie gewohnt abzuschneiden, gleich im Anschluß von Hand zu entlauben und das Erntegut in Form 5 - 8 cm langer Zweigstücke an den Verarbeitungsbetrieb abzuliefern. Dort wurden die Früchte noch an den Zweigen ausgepreßt, was sehr viel Handarbeit erforderte. Heute gilt diese Art der Ernte als unrentabel (Albrecht et. al. 1993). Aufgrund dieser beschwerlichen Ernte ist es verständlich, daß allein in der 100 ha großen Anlage von Ludwigslust derzeit nur für die Ernte jährlich um die 20 Saisonarbeiter für die Ernte eingesetzt werden (Jensen 1999). Auch im Betrieb Triquart werden jährlich Saisonarbeitskräfte angefordert. Diese setzen sich bei der Ernte mit der Rüttelmaschine generell aus einem Traktoristen, vier Schnittkräften, einen Maschinisten und einer Person für den Transport des Ernteguts zusammen. Sie erledigen die Ernte in fünf Tagen. Beim Sanddornanbauer Triquart besteht bislang bei der Ernte mit der Rüttelmaschine noch das Problem, daß diese noch nicht ausgelastet ist, weil in seinem Betrieb noch keine früh oder spät fruchtenden Sorten vorhanden sind (Römmler 1997 a). Nach der Ernte sollten die Früchte möglichst rasch verwertet werden, damit die Inhaltsstoffe möglichst in vollem Umfang erhalten bleiben. Kurzfristig ist bei ´Leikora´ eine Lagerung bis zu zwei Wochen lang möglich bei 2 - 3°C ohne deutliche Verluste an Fruchtqualität (Friedrich, Schuricht 1985). Dazu können die Sanddornbeeren in großen Plastikbehältern zu je 300 kg als Gefriergut bis zur folgenden Verarbeitung eingelagert werden (Helmholz 1997). Im Betrieb von Herrn Triquart werden die Sanddornbeeren für den Transport in Beuteln auf Paletten zu je 480 kg gestapelt (Römmler 1997 a). Die ersten Erträge setzten in der Sanddornanlage des Unternehmens Triquart bereits im dritten Standjahr ein. Allerdings war dieser aufgrund des geringen Fruchtansatzes mit 1,2 kg/m bzw. 2 t/ha recht bescheiden. Im nächsten Jahr (d.h. 1996) erntete der Betrieb die andere Hälfte der Anlage ab, wobei ein Ertrag von bereits 5,7 t/ha zustande kam. Noch ein Jahr später konnten schon 6,2 t Früchte/ha geerntet werden (Römmler 1997 a). In der Anlage Storchennest bei Ludwigslust wurden in den letzten Jahren Erträge von bis zu 5 t/ha erreicht (Jensen 1999). Das Unternehmen Berger gibt sogar einen Flächenertrag von 8 t Rohware/ha an bei 10 - 20 % Verlusten. Weil dort die Ernte nur in jedem zweiten Jahr erfolgt, ergibt sich eine mögliche Erntemenge von 100 t Rohware pro Jahr bei der vorliegenden Fläche von 25 ha (Heimann 2000 a). Da bei den russischen Sorten 16 kg und mehr je Strauch, in Einzelfällen sogar 24 kg/Strauch möglich sind, ergibt sich bei ihnen ein theoretischer Flächenertrag von 100 - 150 dt/ha (Friedrich, Schuricht 1985). Generell können Sanddornsträucher ab dem ersten Ertragsjahr ca. 18 Jahre lang abgeerntet werden, wenn sie gut gepflegt werden (Augustin 2000 c).
2.4.8 VERARBEITUNG Schon zu DDR - Zeiten wurden in Ludwigslust aus den Früchten des Sanddorns Nektar, Saft, Müslis, Konfitüre, Likör, Wein und sogar Tee hergestellt (Jensen 1999). Auch heute noch sind diese Produkte für die Anlage Ludwigslust am bedeutendsten, doch auch Sanddorn-Fruchtschnitten und -bonbons werden dort im größeren Umfang von den Abnehmern der Früchte produziert (Helmholz 1997). Insbesondere der Fruchtsaft gilt als sehr vitaminreich, wodurch diese oft mit anderen Säften oder Honig gemischt als Multivitamin-Säfte auf den Markt gelangen. Sanddornsaft hat jedoch die negative Eigenschaft, daß er einen hohen Gehalt an Pflanzenöl aufweist, welches sich bei seiner Lagerung entmischt und als fettige Schicht am Flaschenhals absetzt. Diese läßt sich zwar kurzzeitig durch Schütteln der Flasche wieder entfernen, aber für die Vermarktung stellt dies ein Problem dar. Das mag erklären, warum die flüssigen Sanddornprodukte bis heute nicht im großen Umfang angeboten werden (Anonymus 2000 b). Durch die fein behaarten Früchte schmeckt der Saft auch etwas "kratzig" (Albrecht et. al. 1993). Auch beim Sanddornnektar treten diese Probleme auf. Dieser Nektar schmeckt im Gegensatz zu den frischen Beeren nicht sauer, sondern eher nach Mango (Jensen 1999). Sanddornbeeren lassen sich daneben auch zu Gelee verarbeiten (Gugenhan 1998). Von der Sanddornanlage von Christine Berger beispielsweise werden zwölf Sorten von Sanddorn-Fruchtaufstrichen und -gelees zum Verkauf angeboten. So gibt es dort z.B. solche Fruchtaufstriche, die mit Apfel und Zimt gewürzt sind, und welche, die mit Ingwer gewürzt unter der Marke "Exotic" verkauft werden. Dort werden Sanddornbeeren auch schon in Rum eingelegt und zu Sanddornsoße verarbeitet. Insgesamt machen diese Artikel ca. die Hälfte der gesamten produzierten Ware des Betriebes Berger aus. Zum Befüllen der Gläser wird dort ein Abfüllautomat eingesetzt. Im gleichen Betrieb wird auch viel Sanddorn-Wein hergestellt. Auch dafür wird eine vollautomatische Abfüllanlage eingesetzt, der Wein selbst wird in Edelstahltanks produziert bzw. gelagert. Daneben eignen sich die in den Kernen enthaltenen pflanzlichen Öle recht gut für die Herstellung von Kosmetika und Heilmitteln zur Linderung von Magen-Darm-Problemen (Heimann 2000 b). Diese werden in Rußland mit Sonnenblumenöl aus dem Saft extrahiert, was rationeller durch die Beimischung einer Methanol-Chloroform-Lösung im Verhältnis 2 : 1 geschehen kann (Albrecht et. al. 1993). Auch das aus den Früchten gewonnene Pflanzenöl ist für die Kosmetikindustrie von Nutzen; es läßt sich v.a. zur Regeneration der menschlichen Haut gut verwenden. Hierbei ist es bemerkenswert, daß die pflanzlichen Öle der Kerne anders wirken als diejenigen, welche aus den Früchten gewonnen werden. Die kosmetische Industrie stellt aus ihnen heute bereits die verschiedensten Produkte her wie Pflegeöle für Kinder, Massage- und Körperöle, Lippenstifte, Sanddorn-Pflegelotion, Sanddorn-Hautcreme, Dusch- und Haarshampoo und Sanddornseife. Daneben sind diese Öle auch als Zusatzstoff für Nahrungsmittel verwendbar, welche einer gesunden Ernährung dienen sollen (Anonymus 2000 b). Bei all diesen Verwendungsarten ist zu beachten, daß sich die Farb- und Aromastoffe v.a. in den Schalen der Früchte befinden. Diese sind also besonders wertvoll und sollten möglichst nicht entfernt werden. Gerade der Farbstoff des Sanddorns erweist sich als sehr stabil und könnte für die Lebensmittelindustrie als Ersatz für künstliche Farbstoffe von Bedeutung sein (Albrecht et. al. 1993).
2.4.9 SORTEN Die wichtigsten Fruchtsorten sind nach wie vor Askola, Dorana, Frugana, Hergo und Leikora. Zu diesen Sorten liegt folgende Übersicht vor:
Tab. 6: Fruchtgröße und Inhaltsstoffe verschiedener Sanddornsorten nach Bundessortenamt (1999):
2.4.9.1 ´Askola´ Diese Sorte wurde 1991 als letzte von den sechs Sorten aus dem Zuchtprogramm der ehemaligen DDR veröffentlicht (Augustin 2000 c). Der Wuchs von ´Askola´ ist kräftig und recht straff aufrecht. Die Sorte weist locker und unregelmäßig verzweigte Hauptäste auf, ohne Schnitt wird sie 4 - 5 m hoch. Sie ist nur mäßig mit Dornen besetzt und neigt nur mittelstark zur Ausläuferbildung. Nach dem Fruchtastschnitt werden kräftige, neue Triebe gebildet, welche in einem Jahr bis zu 2 m lang werden können. Für diese Sträucher ist ein Pflanzabstand in der Reihe von 1 - 1,5 m günstig. ´Askola´ zeichnet sich durch eine hohe Ertragsfähigkeit und gute innere Eigenschaften aus, die Früchte weisen eine bis in den Winter stabile Fruchtfarbe auf und enthalten besonders viel Fruchtsäure bei einem Gesamtsäureanteil von 5,3 % und einem Ascorbinsäuregehalt von 260 mg/100 g Frucht. Der Anteil an Pflanzenöl liegt bei 3,7 %, der Karotingehalt bei 12 mg/100 g, der Vitamin-E-Gehalt bei 28 mg/100 g. Diese Beeren sind mittelgroß (100 Früchte wiegen 29 g), walzenförmig bis oval, tief orange, mittel bis stark behaart und werden früh bis mittelfrüh reif in der Zeit von Ende August bis Ende September. Die Beeren sitzen an 3 - 4 mm langen Stielen und sehr dicht an den Zweigen, bis zu 100 Früchte versammeln sich auf je 10 cm Fruchtholz (Albrecht et. al. 1993). Deshalb ist ein Abschütteln der Beeren gar nicht mehr möglich, wodurch sie sich besonders schwer ernten lassen (Maethe 1995). Weil die Früchte auch im Winter noch eine leuchtende Fruchtfarbe aufweisen (Albrecht 1996), ist ´Askola´ auch für Parks und Gärten interessant (Markley 1998). Für den erwerbsmäßigen Anbau wird sie als Standardsorte angesehen (Anonymus 2000 b).
Abb. 11: Sanddornsorte ´Askola´ mit reifen Früchten (aus Albrecht et. al. 1993) ´Dorana´ Die Sorte ´Dorana´ wurde als eine der letzten ehemaligen DDR-Sorten im Jahr 1990 zugelassen (Augustin 2000 c). Sie besitzt einen straff aufrechten Wuchs mit dünnen, in regelmäßigen Abständen ansetzenden Seitenzweigen. Diese sind eher mittelstark mit Dornen besetzt. Weil ´Dorana´ schwach wächst, nur 2 - 3 m hoch wird und auch bei ihr die Leuchtkraft der Früchte bis in den Winter hinein nicht nachläßt, ist sie auch für kleine Gärten gut geeignet. Für diese ist auch die geringe Ausläuferbildung dieser Sorte interessant (Albrecht et. al. 1993). Für den erwerbsmäßigen Anbau ist ´Dorana´ allerdings nicht so gut geeignet, da sie sich nach dem erforderlichen Ernteschnitt schlecht regeneriert (Markley 1998). Deshalb ist die Pflückernte der Ernte mit Fruchtastschnitt vorzuziehen, welche allerdings bei dieser Sorte relativ gut möglich ist. Auch sind die tief orange gefärbten, ovalen bis länglich-birnenförmigen Früchte nur klein bis mittelgroß bei einem Gewicht von nur 25 g je 100 Früchte. Der Fruchtstiel ist 3 - 4 mm lang (Albrecht et. al. 1993). Sie werden in der Zeit von Ende August bis Ende September reif, also eher mittelfrüh bis spät (Bundessortenamt 1999). Aufgrund der genannten negativen Eigenschaften ist ´Dorana´ mehr für den Hausgarten zu empfehlen (Albrecht et. al. 1993). Allerdings weisen die Beeren von allen Sanddornfrüchten die höchsten Gehalte an Vitamin C auf (Augustin 2000 c) bei 340 mg/100 g Frucht (Albrecht et. al. 1993), was auch diese Sorte im Anbau zu einer gängigen Sorte macht (Anonymus 2000 b). Weiterhin enthalten die Früchte von ´Dorana´ 4 - 9 mg/100 g Beeren an Karotin und 24 mg/100 g an Vitamin E, sie bestehen zu 3,4 % aus Ölen und 4,9 % aus organischen Säuren. Weil die Sorte so schwachwüchsig ist, dauert die Anzucht auch i.d.R. ein Jahr länger als bei anderen Sorten, auch die Vermehrung ist schwierig (Albrecht et. al. 1993). 2.4.9.3 ´Frugana´ Diese Sorte wurde ebenfalls in der ehemaligen DDR als Sorte zugelassen, allerdings bereits 1986 (Augustin 2000 c). ´Frugana´ wächst relativ stark und locker, steil aufrecht und weist eine relativ geringe seitliche Verzweigung mit Fruchtästen auf, welche dicht und recht lange mit Früchten versehen sind. Ungeschnittene Sträucher werden 4 - 5 m hoch. Ausläuferbildung und die Bedornung sind bei dieser Sorte nur schwach. Sie regeneriert sich gut nach dem Fruchtschnitt und setzt schon zwei Jahre später wieder Früchte an (Albrecht et. al. 1993). Bei hohen Behangsdichten kann es zum Abknicken von Fruchtästen kommen. Die Sorte ist noch nicht lange im Anbau zu finden, doch hat ihre Bedeutung für die obstbauliche Nutzung des Sanddorns stark zugenommen. So ist ´Frugana´ neben den weit verbreiteten Hauptsorten ´Leikora´ und ´Hergo´ auch in der Anlage von Ludwigslust bereits zu finden. Dort wird sie dazu eingesetzt, um mit der Sorte ´Hergo´ die Erntezeit zu verlängern, denn ´Frugana´ beginnt mit der Fruchtreife z.T. schon Anfang August (Bundessortenamt 1999), welche dann bis Anfang September andauern kann (Augustin 2000 c). Weil auch die Blüten schon früh erscheinen, braucht die Sorte auch frühblühende Befruchter wie z.B. ´Pollmix 1´ oder ´Pollmix 2´ (Albrecht et. al. 1993). Die Beeren sind oval, glänzend orange und mittelgroß sind bei einem 100-g-Fruchtgewicht von 40 g (Augustin 2000 c). Daraus ergeben sich insgesamt beachtliche Erträge, was diese Sorte für den Anbau im größeren Umfang als geeignet erscheinen läßt (Markley 1998). Die Früchte sind auch nur schwach behaart, was für die Saftherstellung von Vorteil ist. Sie enthalten 160 mg Ascorbinsäure in je 100 g Frischsubstanz, 8 - 10 mg/100 g Karotin, 21 mg/100 g Vitamin E und bestehen zu 3,5 % aus Fruchtsäuren, der Ölanteil liegt bei 4,1 %. Der Fruchtsaft von ´Frugana´ soll ein angenehm mildes Aroma besitzen. Es ist jedoch vorrangig die Tatsache, daß sich die relativ langstieligen Früchte leicht von den abgeschnittenen Fruchtzweigen maschinell abrütteln lassen, welche ´Frugana´ für den plantagenmäßigen Sanddornanbau so interessant macht. Nur bei den dickeren, bodennahen Fruchtästen ist die Schockfrostung günstiger. Selbst die Pflückernte ist bei ihr noch relativ leicht durchführbar. Dafür werden die Früchte schon ab Mitte September blaß und schmecken dann ranzig (Albrecht et. al. 1993). Heute zählt sie zu den internationalen Standard-Sanddornsorten (Anonymus 2000 b).
Abb. 12: Sanddornsorte ´Frugana´ - Fruchtstand (aus Albrecht et. al. 1993)
2.4.9.4 ´Hergo´ Diese Sorte entstand durch Selektion von Wildarten, die an der Zuchtstation Gehölze des VEG Saatzucht Baumschulen Dresden im Betriebsteil Berlin-Baumschulenweg betrieben wurde. 1983 kam ´Hergo´ in der ehemaligen DDR auf den Markt, wobei die Sorte anfangs noch "Herzfelder Gold" hieß (Friedrich, Schuricht 1985). Der Wuchs ist stark, breit aufrecht und weist eine gute seitliche Verzweigung auf, wobei die relativ dünnen, fruchttragenden Zweige allmählich überhängen. Ungeschnitten erreicht ´Hergo´ eine Höhe von 4 m (Albrecht et. al. 1993). Die Bedornung ist gering bis mittel, auch die fruchttragenden Zweige sind nur wenig bedornt. Dafür neigt die Sorte mittelstark zur Ausläuferbildung. Es ist auch dann mit einer guten Regeneration der Sträucher zu rechnen, wenn ins zwei- oder dreijährige Holz zurückgeschnitten wird (Friedrich, Schuricht 1985). ´Hergo´ trägt mittelgroße bis große Früchte, wobei 100 Früchte ca. 37 g wiegen. Sie sind walzenförmig bis oval und sitzen an 2 - 2,5 mm langen Stielchen. Die hellorange Fruchtschale wird allerdings schon ab Oktober schnell blaß und verliert damit an Leuchtkraft. Die Früchte werden mittelfrüh reif in der Zeit von Ende August (Albrecht et. al. 1993) bis Mitte September. Im Schnitt beginnt die Fruchtreife bei ´Leikora´ erst 10 - 14 Tage danach (Friedrich, Schuricht 1985). Die Ernte ist im Raum Berlin auch noch Ende September möglich. Der Anteil an pflanzlichem Öl liegt bei 4,3 % , der Gehalt an Vitamin E bei 16 mg/100 g (Albrecht et. al. 1993). Diese Beeren beinhalten 100 - 170 mg Vitamin C/100 g Frucht und 4 - 6 mg Karotin/100 g Frucht. Die Saftausbeute wird mit 81 % angegeben, mit Einkalkulation der Fruchtzweige liegt sie bei 75 %. Die Beeren weisen einen Anteil an Gesamtsäure von 3,5 - 4,5 % auf (Friedrich, Schuricht 1985). Die Erträge werden als sehr hoch angesehen, nach den neuesten Erkenntnissen bringt ´Hergo´ von allen Sanddornsorten die höchsten Erträge (Bundessortenamt 1999). Durch ihren Wuchs und die dünnen Äste ist bei dieser Sorte das Schnitternteverfahren recht gut anwendbar, wobei sie schon im zweiten Jahr nach dem Ernteschnitt wieder reichlich Früchte trägt (Friedrich, Schuricht 1985). Weil die Früchte nicht so fest an den Zweigen haften wie bei anderen Sorten, ist bei ´Hergo´ die maschinelle Ernte leicht durchführbar (Augustin 2000 c). Es wird für diese Sorte ein Pflanzabstand in der Reihe von 1,25 - 1,75 m empfohlen (Albrecht et. al. 1993). ´Hergo´ ist sehr robust und erleidet weder Frostschäden noch durch Schädlinge oder Krankheitserreger verursachte Schäden. Zu Beginn der 80er Jahre war die Sorte noch nicht sehr verbreitet. Sie wurde damals v.a. als Ergänzungssorte zu ´Leikora´ für den erwerbsmäßigen Anbau betrachtet (Friedrich, Schuricht 1985). Insgesamt könnte die Bedeutung von ´Hergo´ noch zunehmen, v.a. da sie sich auch mit der Sanddornrüttelmaschine gut beernten läßt, zumindest für einen Zeitraum von zwei Wochen ab dem optimalen Erntezeitpunkt. Danach ist die Ernte mit Schockfrostung günstiger (Albrecht et. al. 1993).
Abb. 13: Sanddornsorte ´Hergo´ - Fruchtstand (aus Albrecht et. al. 1993)
2.4.9.5 ´Leikora´ Die Sorte ´Leikora´ stammt aus dem gleichen Zuchtprogramm wie ´Hergo´. Sie trug ursprünglich den Namen "Leitzkauer Orange" (Friedrich, Schuricht 1985). und wurde in der ehemaligen DDR schon 1979 als erste Sanddornsorte anerkannt (Augustin 2000 c). Sie bildet verhältnismäßig wenig Wurzelausläufer, wächst recht kräftig, relativ kompakt und breit aufrecht mit dicken Ästen (Albrecht et. al. 1993) und wird ohne Schnitt bis 5 m hoch. Die Zweige sind mittel bis stark, die Fruchttriebe mittelmäßig bedornt. die Ausläuferbildung ist auch eher mittelstark. Selbst nach einem Rückschnitt ins mehrjährige Holz setzt eine gute Regeneration des Holzes ein. Neue Früchte werden dann erst nach drei Jahren wieder in großer Zahl angesetzt. Im allgemeinen ist ´Leikora´ stärker bedornt als z.B. ´Hergo´. Die Sorte bringt hohe Erträge. Auch die Früchte sind recht groß mit einem Gewicht von 56 g/100 Beeren und von dick-walzenförmiger Gestalt, der Fruchtstiel ist in etwa 2,5 mm lang. Die dunkelorange Fruchtfarbe ist noch bis in den Januar bzw. Februar hinein intensiv leuchtend (Friedrich, Schuricht 1985). Die Sanddornbeeren von ´Leikora´ werden erst spät von Anfang September bis Ende Oktober reif (Bundessortenamt 1999). Die Früchte sind an den Zweigen dicht gehäuft. Sie bestehen zu 4,9 % aus Pflanzenölen. Der Gesamtsäureanteil der Früchte beträgt 3,5 - 4 %, der Karotingehalt 4 - 8 mg/100 g und der Vitamin-E-Gehalt 26 mg/100 g (Albrecht et. al. 1993). Der Vitamin-C-Gehalt ist besonders hoch mit 200 - 350 mg/100 g Frucht (Friedrich, Schuricht 1985), dieses wird bei ´Leikora´ nur langsam abgebaut (Albrecht et. al. 1993). Die Saftausbeute liegt bei 85 %, unter Einbeziehung des Fruchtholzes bei 77 %. Insgesamt lassen sich die Früchte gut und vielseitig verarbeiten (Friedrich, Schuricht 1985). Sie lassen sich bei fortgeschrittener Reife recht gut von den Zweigen lösen. Allerdings reißt dabei der Fruchtstiel mit einem Rest der Schale ab, so daß der Saft ausläuft (Maethe 1995). Durch den breiten Wuchs ist ein Pflanzabstand von 1,5 - 2,0 m in der Reihe günstig (Albrecht et. al. 1993). In den 80er Jahren wurde die Sorte schon in der ehemaligen DDR im größeren Rahmen angebaut. ´Leikora´ gilt als ertragreich und für den plantagenmäßigen Anbau gut geeignet (Friedrich, Schuricht 1985). Im erwerbsmäßigen Sanddornanbau stellt sie heute eine der wichtigsten Sorten dar (Heimann 2000 a).
Abb. 14: Sanddornsorte ´Leikora´ mit fruchttragenden Zweigen (aus Buchter et. al. 1995)
2.4.9.6 `Pollmix´ Hierbei handelt es sich um eine rein männliche Befruchtersorte, von der im Handel vier verschiedene Klone erhältlich sind. Sie wurden von der Baumschule Späth in Berlin gezüchtet (Augustin 2000 c) und blühen zu unterschiedlichen Zeiten (Augustin 2000 d). Im Anbau sind v.a. die Klone 1, 2 und 4 häufig anzutreffen (Römmler 1997 a). Es wird erwartet, daß diese Klone auch in Zukunft für den Sanddorn-Anbau in Mitteleuropa sehr bedeutend sein werden, daneben werden sie auch in Chile und den USA in Sanddorn-Anlagen zur Bestäubung eingesetzt (Anonymus 2000 b). Im einzelnen weisen die Klone folgende Eigenschaften auf:
Abb. 15: Sanddornsorte ´Pollmix´ mit männlichen Blüten (aus Buchter et. al. 1995)
2.4.9.7 Weitere Sorten Noch vor ´Leikora´ kam 1971 in der ehemaligen DDR eine Sorte Namens "Auslese Rügen" auf den Markt. Sie spielt allerdings im heutigen Sanddornanbau kaum eine Rolle. Neben diesen ostdeutschen Sorten existieren auch einige russische Sorten, deren Selektion bereits um 1950 in Barnaul begann. 1956 begann die Prüfung der ersten fünf russischen Sorten. Diese sind heute als ´Dar Katuni´, ´Novost Altaja´, ´Zolotaja pochatka´, ´Maslichnaja´ und ´Vitaminnaja´ bekannt (Friedrich, Schuricht 1985). Zu diesen Sorten liegt folgende Übersicht vor:
Tab. 7: Übersicht zu den ersten fünf russischen Sorten
Quelle: Friedrich, Schuricht 1985; * Bundessortenamt 1999 Neben diesen wurden am gleichen Ort die Sorten ´Obil´naja´, ´Prevoskhodnaja´, ´Oranzhevaja´ und ´Velikan´ zugelassen, welche z.T. unbedornt sind und große Früchte mit langen Fruchtstielen aufweisen. Daneben existieren noch Selektionen von Simakow aus Krasnodar und Eliseev aus Gorki wie ´Shherbinka´ Nr. 1, 2 und 3, sowie ´Kudyrga´ 1 und ´Bashkaus 6´ von Smirnov. Später kamen die Sorten ´Chujskaja´, ´Jantarnaja´, ´Samorodok´ und Zolotistaja´ hinzu (Friedrich, Schuricht 1985). Von diesen ist v.a. die Sorte ´Chujskaja´ interessant, sie trägt nur wenige Dornen und große, süße Früchte. Auch die dornenlose ´Syrianka´ stammt wohl dem Namen nach aus dieser Region (Bundessortenamt 1999). Sogar in der Mongolei wurden einige Sorten gezüchtet. Für den Anbau in Deutschland sind jedoch die mongolischen Sorten und diejenigen aus dem Altai nicht geeignet, weil sie stärker von Krankheitserregern befallen werden als die europäischen Sorten, v.a. von Verticillium dahliae, sowie Rhizoctonia- und Fusarium-Arten. Sie sind auch nicht an das mitteleuropäische Klima angepaßt, weshalb es in Deutschland bei ihnen leicht zu Spätfrostschäden und Rindenrissen kommt, durch die kurze Vegetationsperiode in ihrer Heimat bringen sie auch keine so hohen Erträge. Es wird jedoch darüber nachgedacht, ob diese Sorten nicht mit den europäischen gekreuzt werden sollten, um reich fruchtende, robuste Sorten mit gleichzeitig fehlender Bedornung und früheren Reifezeiten zu erreichen (Albrecht et. al. 1993). Auch im Westen Deutschlands wurden noch vor der Wende einige Sorten auf den Markt gebracht wie z.B. ´Friesdorfer Orange´. Diese Sorte ist jedoch mehr als Ziersorte anzusehen (Friedrich, Schuricht 1985). Wie im Kapitel "Geschichte des Sanddornanbaus und aktuelle Entwicklungen bereits dargelegt wurde, werden zur Zeit weitere, neue Klone in der Baumschule Späth in Berlin getestet, welche sich v.a. durch einen hohen Ölgehalt in den Früchten auszeichnen sollen. Von diesen Klonen werden zwei schon versuchsweise vermehrt. Davon trägt der eine Klon rote Früchte, welche doppelt soviel Karotin enthalten sollen wie die Gelbe Rübe. Die Früchte des anderen Klons sind gelb. Sie könnten auch für eine mögliche Staffelung der Ernte sorgen, denn beim einen Klon werden die Früchte schon Ende Juli bis Anfang August reif, beim anderen Klon dagegen ist eine späte Ernte auch im Oktober noch möglich. Daneben sollen beide Klone auch eine stabile Fruchtfarbe aufweisen (Augustin 2000 d). In Deutschland werden am Lehrstuhl für Obstbau der TU München-Weihenstephan Selektionen von Typen des Alpen-Sanddorns durchgeführt. Einige von ihnen sollen reich an Carotin und Vitamin C sein. Außerdem sollen sie spitzpyramidal wachsen, was die Ernte und den Formierungsschnitt erleichtern würde. Auch in Schweden entstanden 1997 im Institut für Gartenbauliche Pflanzenzüchtung in Balsgård zwei neue Sorten, nämlich ´Julia´ und ´Romeo´. In der Zuchtstation Berlin / Baumschulenweg wurden weitere Sorten und Klone gezüchtet und selektiert. Diese tauchten 1999 noch nicht am Markt auf, gelten aber wegen der hohen Gehalte an Vitamin C und E, sowie an Carotin, Öl und Farbstoffen z.T. als zukunftsweisend (Bundessortenamt 1999). Diese Sorten und Klone sind folgende:
Tab. 8: Neue Klone und Sorten aus Berlin - Baumschulenweg nach Bundessortenamt 1999
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