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Aus der Dplomarbeit von Andreas Zeitlhöfler 2002: Die obstbauliche Nutzung von Wildobstgehölzen

2.5 SAMBUCUS NIGRA

(SCHWARZER HOLUNDER)

2.5.1 ALLGEMEINES

2.5.1.1 Botanische Einordnung

Die Gattung Holunder (bot. Sambucus) gehört zur Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae) und umfaßt 25 verschiedene Arten. Darunter befinden sich nicht nur Gehölze, sondern auch Stauden. Diese Arten sind v.a. in Europa, Amerika und Asien weit verbreitet. Manche Arten kommen sogar in Afrika oder Australien vor (Rücker 1997). Der Name "Holunder" hat sich erst in jüngerer Zeit durchgesetzt (Friedrich, Schuricht 1985). In Deutschland wurde der Holunder früher üblicherweise "Flieder" genannt. Dieser Name wurde später auf die Gattung Syringa übertragen, welche erst im 18. Jahrhundert nach Deutschland kam (Mühl 1998).

Im Anschluß wird vorrangig die Kultur des Schwarzen Holunder (Sambucus nigra) beschrieben, da dieser der obstbaulich bedeutungsvollste Vertreter ist. Angaben zu den Arten Sambucus racemosa, S. caerulea und S. canadensis finden sich unter der Überschrift "Andere obstbaulich relevante Holunderarten".

2.5.1.2 Vorkommen

Der Schwarze Holunder selbst ist als alte Kulturpflanze anzusehen und wurde schon früh in der Nähe

menschlicher Behausungen angepflanzt, was später noch ausführlich dargelegt wird. So wurde er auch in andere Länder eingeführt, wo er inzwischen als einheimische Pflanze angesehen wird (Rücker 1997). Durch die zunehmende Anpflanzung als Obstgehölz auch außerhalb der angestammten Gebiete ist zu erwarten, daß sich sein Verbreitungsgebiet noch mehr ausweitet.

Ursprünglich kam der Schwarze Holunder nur an Flußufern und in den Auwäldern Mitteleuropas vor. Heute ist er in fast ganz Europa zu finden, von der Donaumündung bis nach Skandinavien, wobei der 63. Nördliche Breitengrad in etwa die Grenze seines Verbreitungsgebiets darstellt. Außerhalb Europas kommt die Art auch im Kaukasus, in Kleinasien und sogar in Westsibirien und Nordafrika vor (Friedrich, Schuricht 1985).

Die Art wird als frosthartes Pioniergehölz angesehen, das keine besonderen Ansprüche an den Boden stellt (Bartels et. al. 1998 b). Selbst in Gegenden mit erhöhter Frostgefahr und auf Müllhalden gedeiht sie somit noch recht gut. Wie eingangs erwähnt, kommt sie v.a. auf sehr nährstoffreichen Böden vor. Auf feuchten Substraten, die auch noch reich an Stickstoff sind, kann sie schon fast zum lästigen Unkraut werden. Weitere Plätze, wo er gefunden werden kann, sind Dorfanger und Zäune, Feldraine, lichte, krautreiche Wälder und verwilderte Gebüsche. In den Alpen kommt der Schwarze Holunder bis zu einer Höhe von 1200 m vor (Friedrich, Schuricht 1985).

 

2.5.1.3 Bedeutung für die Medizin

Der Schwarze Holunder enthält viele bioaktive Substanzen wie Ballast-, Gerb- und Farbstoffe; wobei gerade der Farbstoff Sambucyanin, der zu den Flavonoiden zählt, medizinisch wertvoll ist: Er soll Herz- und Kreislauferkrankungen vorbeugen (Buchter-Weisbrodt 2001). Allerdings haben die Produkte des Holunders auch eine abführende Wirkung, wenn sie in größerer Menge zu sich genommen werden (Knobloch 1998).

2.5.2 Geschichte des Holunderanbaus und aktuelle Entwicklungen

Die Züchtung von Holundersorten begann in den USA in Ohio, wo 1920 der Züchter D. Adams die ersten zwei Holundersorten schuf (Friedrich, Schuricht 1985). Bei diesen Sorten handelt es sich wohl um Abkömmlinge der amerikanischen Holunderart Sambucus canadensis, wie später noch erläutert wird. In Europa begannen Strauss und Novak erst um 1960 in Klosterneuburg mit der Züchtung von Sorten (Keppel et. al. 1991), wobei ähnliche Untersuchungen im dänischen Hornum auf Jütland schon 1954 anliefen. Die dänischen Züchter fanden schnell heraus, daß es typisch sauer bzw. süß schmeckende Sorten gibt (Friedrich, Schuricht 1985). Dort entstanden durch Selektion aus 18 Herkünften zunächst die Sorten Hamburg, Korsor, Allesoe und Sambu (Strauss 1986). Das Ergebnis dieser Bestrebungen war die erfolgreiche Selektion von wild vorkommenden Typen, die sich durch hohe Erträge auszeichneten (König 1976). Daneben befassen sich auch kanadische Züchter mit der Züchtung solcher Sorten (Friedrich, Schuricht 1985). Nach den in Dänemark durchgeführten Untersuchungen waren jedoch bislang die bekannten amerikanischen Sorten den europäischen unterlegen (Strauss 1986). Am verbreitetsten sind die neuen Sorten aus Österreich (Keppel et. al. 1991).

Neben der Züchtung leistungsfähiger Sorten war die Ausarbeitung eines zweckmäßigen Anbaumodells und einer optimalen Kulturführung bzgl. Schnitt, Baumform und Erziehung wichtig für den Aufbau eines erwerbsmäßigen Holunderanbaus. Als positive Eigenschaften der bekannten Holundersorten für den Anbau erwiesen sich ihre geringe Anfälligkeit, die gute Frosthärte von Holz und Blüte und deren spätes Erscheinen. Daraus ergeben sich eine hohe Sicherheit des Bestandes und der Erträge. Ab dem Jahr 1971 wurden die Resultate der Selektions- und Anbauversuche von Klosterneuburg regelmäßig bekanntgegeben (Strauss 1986).

Zu Beginn des Holunderanbaus lag der Wert dieser Wildobstart v.a. in deren heilenden Kräften. Durch die Verschärfung der Lebensmittelgesetze ergaben sich erste Chancen für einen Anbau im größeren Umfang, da immer weniger chemische Farbstoffe in der Lebensmittelindustrie verwendet werden durften, so daß für sie der in den Holunderbeeren vorhandene natürliche Farbstoff Sambucyanin immer wichtiger wurde (König 1976).

Als die Bedeutung des Holundersafts als Handelsprodukt zunahm, wurden Holunderplantagen im größeren Umfang angelegt, v.a. in Österreich, der Schweiz, in Dänemark und auch in Deutschland (Albrecht 1996). So wurde der Schwarze Holunder zu Beginn der 90er Jahre allein am Mittelrhein zwischen Koblenz und Bonn auf einer Fläche von 40 - 50 ha angebaut, wobei die Kultur von Holunder dort schon um 1980 mit dem steigenden Interesse der verarbeitenden Industrie für Holundersaft aus deutschem Anbau begann.

Die erste deutsche Holunderanlage wurde jedoch bereits 1979 in Ahrbrück am Rande der Eifel bei Bonn angepflanzt, und zwar von fünf Gartenbauvereinsmitgliedern. Diese kultivierten dort zunächst die Sorten ´Haschberg´ und ´Schwarzer Diamant´ auf ökologische Weise.

Um 1988 entstanden auch in Hessen Holunderanbauflächen, v.a. als Ergänzung zum Kirschenanbau an Hängen. Die Früchte aus diesen Anbauflächen werden v.a. über die Obst-Absatzgenossenschaft Unterrieden vertrieben. Der Preis war hier 1993 mit ca. 1 DM/kg noch recht gut (Albrecht et. al. 1993).

Die Verwendung der Früchte zum Brennen spielte bislang keine große Rolle. Dennoch wird dies im Breisgau seit beinahe dreißig Jahren von Kleinbrennern praktiziert. Diese bauten Holunder ursprünglich nur für den Frischmarkt an und bereiten heute aus den überschüssigen Fruchtmengen Schnäpse zu. Mit dem Anbau von Schwarzem Holunder haben die dort ansässigen Obstbauer bislang gute Erfahrungen gemacht. Seit dem Jahr 1989 entstanden dort rund 120 ha neue Holunderanlagen. Die daraus gewonnenen Früchte werden nach Vogtsburg zum Erzeugergroßmarkt Kaiserstuhl-Breisgau geschickt. Heute können die Kleinbrenner Holunder-Maischeware auch bei diesem Erzeugergroßmarkt beziehen (Bartels et. al. 1998 b).

Auch in Thüringen konnte sich der Schwarze Holunder als Wildobst etablieren. Gründe dafür sind sein hoher Wert für die Gesundheit, der reichlich vorhandene Farbstoff Sambucyanin, welches als natürlicher Farbstoff für die Lebensmittelindustrie einen hohen Wert hat, seine zahlreichen Möglichkeiten bei der Fruchtverarbeitung, sowie der bei der Holunderkultur minimale erforderliche Einsatz an Pflanzenschutzmitteln (Möhler 2000). Der Holunderanbau wird dort zur Zeit auf einer Fläche von ca. 40 ha praktiziert. Die Anbauberaterin Birgit Künstler der dort ansässigen Absatzgenossenschaft "Fahner Obst e.G." Gierstädt prognostiziert, daß diese Anbauflächen weiter zunehmen werden. So gibt es bereits konkrete Pläne zu einer Ausweitung des Anbaus um bis zu 20 ha in der nächsten Zeit, wenn erst einmal die Verträge mit den Abnehmern der Früchte unter Dach und Fach sind. Zur Verarbeitung der Blüten in der Pharma- bzw. Kosmetikindustrie laufen bereits Versuche. In Thüringen werden auch seit 1993 an der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau Erfurt Versuche zur Anbaueignung einzelner Holundersorten durchgeführt in Kooperation mit der Fachhochschule Erfurt und den Kollegen aus Hessen. Das Ziel dieser Versuche ist, Sorten zu finden, die hohe Erträge bringen und deren Früchte gleichzeitig hohe Gehalte an Farbstoffen aufweisen. Zur anbaulichen Eignung für das Gebiet Thüringen liegen bereits bei 14 verschiedenen Sorten bzw. Klonen handfeste Ergebnisse vor, weitere Sortenversuche sind geplant. Die Ergebnisse sind in den Sortenbeschreibungen der einzelnen Holundersorten nachzulesen (siehe S. 115 ff.). Bislang ist die für den Anbau wichtigste Sorte immer noch ´Haschberg´ . Auch in Thüringen wird sie als robuste Sorte geschätzt (Möhler, Künstler 2000).

In Österreich existieren ebenfalls größere Erwerbsanlagen von Schwarzem Holunder. Auch dort werden daraus mit Erfolg Spirituosen hergestellt (Bartels et. al. 1998 b). Der Holunderanbau hat in diesem Land eine lange Tradition, und auch die oben genannten Untersuchungen von Strauss und Novak liefen dort ab. Dank der in Klosterneuburg geführten Untersuchungen wurde Österreich zum führenden Land im Holunderanbau. Das Hauptzentrum ist dabei die Steiermark. So existierten 1979 in Österreich schon 224 Holunderanbaubetriebe mit 143 ha Anbauflächen, von denen sich allein 133 ha in der Steiermark befanden. Durch die Gründung der Steirischen Beerenobstgenossenschaft konnte sich der Anbau von Schwarzem Holunder am Markt gut etablieren. Von der Ernte wird dabei ein großer Teil exportiert. Die Preise lagen in der letzten Zeit bei 6 - 7 S/kg (=ca. 1 DM/kg), was die Anbauer positiv stimmte (Strauss 1986). Wegen der auch dort gestiegenen obstbaulichen Bedeutung des Schwarzen Holunders wurde in den Jahren 1999 und 2000 am Institut für Phytomedizin in Wien ein Versuch zur Untersuchung der Ursachen der Doldenwelkekrankheit durchgeführt (Steffek, Altenburger 2001). Die Ergebnisse wurden im Kapitel "Pflanzenschutz" eingebunden.

Auch in Dänemark wird der Schwarze Holunder schon seit längerer Zeit kultiviert. Dort wurden, wie bereits erwähnt, in Europa die ersten Bestrebungen zur Züchtung von Holundersorten unternommen. In Dänemark wird der Holunder v.a. als Busch erzogen.

Derzeit ist die Kultivierung von Schwarzem Holunder v.a. für kleinere Voll- und Nebenerwerbslandwirte von Bedeutung, weniger für Kernobstberiebe, weil diese zur Erntezeit des Holunders schon mit der Ernte von wichtigen Apfelsorten wie z.B. ´Cox Orange´ genügend beschäftigt sind (Albrecht et. al. 1993).

2.5.3 Erscheinungsbild

Vom Wuchs her ist der Schwarze Holunder ein ca. 5 - 6 m hoher Strauch (Friedrich, Schuricht 1985) oder bis zu 7 m hoher Kleinbaum (Graf, Kreß 1997) mit mehr oder minder deutlichem Stamm. Die Verzweigung wirkt oft sehr wirr, weil es nicht selten vorkommt, daß Zweige abbrechen oder daß infolge teilweiser Beschattung der Krone sich die Zweige eher einseitig ausbilden. Weil der Schwarze Holunder recht stark wächst, können sich die Neutriebe kräftig entwickeln.

Die gegenständigen, unpaarig gefiederten Blätter setzen sich aus meist fünf Fiederblättern zusammen. Diese haben eine elliptische Form, sind zugespitzt, dünn, ohne Glanz, grob und scharf gesägt und oberseits dunkelgrün, unterseits etwas heller (Friedrich, Schuricht 1985) bzw. blaugrün.

Anfang Juni erscheinen die gelblichen bis weißen, süßlich duftenden Blüten. Diese sind zu großen, flachen (Graf, Kreß 1997), fünfstrahligen, endständigen Schirmrispen zusammengefaßt, welche anfangs aufrecht stehen und später herabhängen (Friedrich, Schuricht 1985). Der Durchmesser der Rispen beträgt ca. 35 cm (Graf, Kreß 1997).

Die kleinen, kugeligen Beeren sind in Wirklichkeit kleine Steinfrüchte, deren Durchmesser nur 5 - 6 mm beträgt (Friedrich, Schuricht 1985), mitunter auch bis 7 mm (Graf, Kreß 1997). Sie sind dunkelrot, gestielt und reif glänzend schwarz. Im Inneren enthalten sie einen blutroten Saft und drei Samen. Der Anteil des Fruchtfleisches an der Frucht beträgt ca. 95 %. (Friedrich, Schuricht 1985)

2.5.4 INHALTSSTOFFE

Der Säuregehalt der oben beschriebenen Früchte liegt bei 1,0 - 1,1 mg/100 g; das ist für die Verarbeitung recht wenig (Strauss 1986). Wein- und Apfelsäure kommen nur in geringer Menge vor, Zitronensäure ist überhaupt nicht enthalten. Weiterhin sind auch Essig- und Baldriansäure in den Holunderbeeren vorhanden (Friedrich, Schuricht 1985). Wegen dieses geringen Säuregehalts sind die Produkte des Schwarzen Holunders aber für Säureempfindliche gut verträglich.

Es sind auch zahlreiche Vitamine enthalten, welche durch die vorhandenen Gerbstoffe stabilisiert werden (Buchter-Weisbrodt 2001). Bei den Vitaminen ist v.a. der relativ hohe Vitamin-C-Gehalt zu erwähnen (Friedrich, Schuricht 1985). Weiterhin sind auch reichlich freie Aminosäuren mit 5 - 8 g/l im gepreßten Saft enthalten (Friedrich, Schuricht 1985). Weitere Angaben zu den Inhaltsstoffen enthält folgende Tabelle:

Tab. 9: Gehalte und Anteile der wichtigsten Inhaltsstoffe der Holunderbeeren

Inhaltsstoffe

Gehalte [mg/100 g]

Anteile [%]

Bemerkungen

Pro-Vitamin A (Carotin)

0,20 - 0,51 1

-

-

Vitamin B1

0,065 1

-

-

Vitamin B2

0,078 1

-

-

Vitamin B6

0,25 1

-

-

Vitamin C

18,0 1

-

-

Nikotinsäureamid

1,48 1

-

-

Pantothensäure

0,18 1

-

-

essentielle Aminosäuren

-

40 - 50 1

-

Fruchtsäuren insgesamt

1,0 - 1,1 3

   

Phosphor (P)

57,0 2

-

-

Calcium (Ca)

35,0 2

-

-

Kalium (K)

305,0 2

-

Besonders hoher K-Gehalt

Natrium (Na)

0,5 1

-

-

Quellen: 1 Friedrich, Schuricht 1985; 2 Graf, Kreß 1997; 3 Strauss 1986

Die typische Farbe des Holundersaftes kommt durch den Farbstoff Sambucyanin zustande, welcher für die Gesundheit sehr förderlich ist: U.a. soll er gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs vorbeugen (Buchter-Weisbrodt 2001). Bis zu 60 % dieses Stoffes befinden sich allein in den Schalen der Beeren (Möhler 2000).

Dieser Farbstoff hat jedoch mit dem ähnlich klingenden Sambunigrin nichts zu tun, welches in großer Menge in allen grünen Teilen der Pflanze vorhanden und giftig ist, denn aus diesem Stoff kann sich Blausäure abspalten. Da es auch in Kernen, Stielen und unreifen Beeren vorkommt, sollten Holunderbeeren oder -saft nicht im rohen Zustand eingenommen werden. Sambunigrin kann jedoch leicht unschädlich gemacht werden, da es beim Erhitzen der Früchte zerstört wird (Buchter-Weisbrodt 2001). Neben dem Sambunigrin kommen v.a. in Blättern, unreifen Früchten und frischer Rinde noch weitere Glykoside vor, welche auch beim Verzehr größerer Mengen an reifen Früchten zu Durchfall und Erbrechen führen können. Doch auch sie zerfallen beim Erhitzen (Rücker 1997). Auch durch Vergären werden diese Substanzen unschädlich gemacht (Mühl 1998).

2.5.5 Standortansprüche

Der Schwarze Holunder stellt keine hohen Ansprüche an die klimatischen Gegebenheiten: Er verträgt sowohl starke Winterfröste, als auch Früh- und Spätfröste. Lediglich in jungen Anlagen konnten nach Pflanzungen von Heistern im Herbst zurückgefrorene Triebspitzen infolge mangelhafter Holzausreife beobachtet werden. Der Schwarze Holunder eignet sich deshalb gut für Standorte, an denen starke Fröste auftreten können. Allerdings kann es auf Standorten über 600 m (Friedrich, Schuricht 1985) bzw. über 700 m in kühlen Jahren dazu kommen, daß die Früchte nicht mehr voll ausreifen (Graf, Kreß 1997). Höhen von mehr als 700 m sind auch deshalb für die Kultur nicht mehr so gut geeignet, weil ab dieser Höhe die Fruchtruten mit zunehmender geographischer Höhe immer kürzer werden (Keppel et. al. 1991). Ebenso kann es bei kühlfeuchter Witterung während der Blütezeit zu einem Verrieseln der Blüten kommen.

Dagegen gelingt es nicht, Plantagen mit Holunder auf Böden zu errichten, die nährstoffarm sind, da diese Pflanze einen hohen Nährstoffgehalt des Bodens und eine gute Wasserversorgung benötigt (Strauss 1986). Letzteres ist v.a. im Sommer wichtig (Graf, Kreß 1997). Sie braucht v.a. viel Stickstoff und somit ist ihr generatives und vegetatives Wachstum auf trockenen oder nährstoffarmen Substraten nur bescheiden (Strauss 1986). Daneben soll der Boden auch tiefgründig, gut durchlüftet und durchlässig sein (Graf, Kreß 1997). Optimal sind mittelschwere bis sandige Lehmböden mit einem pH-Wert von 5,5 bis 6,5. Die jährliche Niederschlagsmenge sollte bei 700 mm liegen. Auch sind für den Anbau windgeschützte Lagen günstig (Keppel et. al. 1991).

2.5.6 ANZUCHT UND PFLANZUNG

2.5.6.1 Anzucht

Die Vermehrung erfolgt in den Baumschulen i.d.R. durch Steckhölzer, die in der Zeit zwischen dem Laubfall und den ersten stärkeren Frösten von gut verholzten, einjährigen Trieben geschnitten werden (Graf, Kreß 1997) Im Herbst nach dem Stecken wird der stärkste Trieb ganz kurz zurückgeschnitten, die restlichen Triebe werden entfernt (Keppel et. al. 1991). Somit entwickelt sich dieser übriggebliebene Trieb bis zum nächsten Sommer zu einem kräftigen Stamm. Im nächsten Jahr wird dieser Trieb ab einer Höhe von 1,30 m auf 80 cm Höhe plus zwei Knoten angeschnitten, damit sich die Krone durch die Bildung von vorzeitigen Jahrestrieben schon in diesem Jahr entwickeln kann (Graf, Kreß 1997). In anderen Quellen erfolgt dieser Anschnitt 20 cm höher (Keppel et. al. 1991). Weit verbreitet ist inzwischen im Erwerbsanbau die Anzucht durch Grünstecklinge unter Glas (Mühl 1998). Daneben existieren auch schon hoch gezüchtete Sorten, die sich nur noch durch Abrisse vermehren lassen (Friedrich, Schuricht 1985). Bei der Sorte ´Donau´ ist die Veredlung als gängige Vermehrungsmethode bekannt. Siehe dazu S. 117 ff.

2.5.6.2 Pflanzung

Jungpflanzen, welche für die Neuanlegung von Erwerbsanlagen benötigt werden, müssen sehr sorgfältig transportiert werden, da sie - wie Himbeere und Brombeere - ggb. Austrocknung sehr empfindlich sind (Keppel et. al. 1991). Die oben beschriebenen zweijährig erzogenen Viertelstämme sind bestens geeignet für die Neuanlegung von Holunderplantagen. Allerdings wären einjährige Heister kostengünstiger zu beziehen; die Baumschulen können sie auch leichter roden und transportieren. Jedoch ist eine Neuanpflanzung mit ihnen mit größeren Risiken behaftet, weil dann in den ersten Standjahren Windschäden viel leichter auftreten können. Weiterhin kann es dann auch öfter zu Bruchschäden kommen, da sich bei einjährigen Jungpflanzen die Krone zu schnell bildet und sie nur einen schwachen Stamm von geringer Stabilität ausbilden (Strauss 1986). Aus diesen Gründen müssen Holunderbäume in den ersten zwei bis drei Jahren nach der Pflanzung an einen Pfahl angebunden sein (Graf, Kreß 1997). Dies ist v.a. in windigen Lagen erforderlich (Strauss 1986). Auch Containerpflanzen eignen sich sehr schlecht zur Aufpflanzung solcher Anlagen, weil sie oft nur schlecht Wurzeln bilden und somit schlecht wachsen (Albrecht et. al. 1993).

Nach der gängigen Rechteckpflanzung sind Pflanzweiten von 5-6 x 3,5-4 m für Anlagen von Schwarzem Holunder günstig. Für eine solche Pflanzung werden 417 - 570 Bäume/ha benötigt. Wenn der Zweiphasenschnitt zur Regulierung der Kronenentwicklung eingesetzt wird, ist ein Pflanzabstand von 5,5 x 4 m günstig (Strauss 1986). Je nach Bodenqualität und Maschineneinsatz kommt auch ein Pflanzabstand von 4-5 x 5-6 m in Frage (Graf, Kreß 1997). Bei den steirischen Holunderanbauern wird ein Pflanzabstand von 6 x 4 m bevorzugt. Dieser breite Reihenabstand ist dadurch begründet, daß die fruchttragenden Äste zur Reifezeit durch das große Gewicht der Früchte weit in die Fahrgassen hineinhängen, wodurch die Durchfahrt stark behindert wird (Keppel et. al. 1991). Der in Dänemark übliche Pflanzabstand ist 5 x 4 m und in der Schweiz wird ein solcher von 5 - 5,5 x 2,5 - 3,5 m empfohlen (Friedrich, Schuricht 1985).

Es ist ratsam, die Pflanzung im Frühling durchzuführen, weil bei einer Pflanzung im Herbst die Gefahr größer ist, daß die Pflanzen austrocknen (König 1976). Es ist auch deshalb günstig, im Frühjahr zu pflanzen, weil die Wurzeln des Schwarzen Holunders gerne von Mäusen angenagt werden. Auf diese Weise können an Standorten, an denen diese Tiere häufig anzutreffen sind, größere Schäden vermieden werden. Vor dem Pflanzen sollte - wie üblich - der Boden zuerst umgepflügt und gefräst werden. Bei der Pflanzung ist darauf zu achten, daß die Pflanzen nicht höher oder tiefer gesetzt werden, als sie vorher standen. Weiterhin werden schon bei der Pflanzung die vorhandenen Triebe auf zwei Augen eingekürzt (Strauss 1986). Die Lebenserwartung einer Holunderanlage beträgt ca. 20 bis 25 Jahre (Bartels et. al. 1998 b). Für den Hausgarten ist die Pflanzung von zweijährigen Jungbäumen mit kräftigem Stamm und starken Kronentrieben empfehlenswert (Keppel et. al. 1991).

2.5.7 Kulturarbeiten

2.5.7.1 Erziehung und Schnitt

Um gute Erträge zu erzielen, muß der Schwarze Holunder regelmäßig geschnitten werden (Rücker 1997). Positiv ist dabei, daß dieses robuste Gehölz alle Arten von Schnitt und selbst einen radikalen Verjüngungsschnitt verträgt (Mühl 1998). Da der Schwarze Holunder von Natur aus mehr strauchartig wächst, wird er im erwerbsmäßigen Anbau oft als Strauchform erzogen, v.a. in den USA und in Dänemark. In Klosterneuburg dagegen wurde schon immer die Baumform mit einem durchgehenden Stamm von 1 m Höhe favorisiert. Als Strauch wird die Pflanze im Freistand bis zu 5 m hoch, wobei die Neubildung von Trieben in der Basisregion mit zunehmenden Alter abnimmt. Die Triebe sind bogenförmig geneigt und besitzen eine klare Scheitelpunktförderung. Dies und die Tatsache, daß sich unzählige Ständertriebe bilden, führen dazu, daß meist eine Überbauung eintritt. Hier zeigt sich ein deutlicher Vorteil der Baumform: Sie verhindert, daß in frisch angelegten Plantagen die fruchttragenden Äste mit dem Boden in Berührung kommen. Somit sind die Früchte vor Verschmutzung geschützt. Diese Erziehungsform erleichtert auch die Durchführung verschiedener Pflegearbeiten (Strauss 1986), v.a. die Pflege der Pflanzstreifen und die Ernte werden erleichtert. In Versuchen brachten baumförmig erzogene Holunder auch bessere Erträge als die Buschform (Graf, Kreß 1997). Dies gleicht den zusätzlichen Aufwand an Arbeitszeit wieder aus, der für das Entfernen von Stamm- und Bodentrieben und bei der Stamm- und Baumerziehung in den ersten Jahren der Anlage aufgebracht werden muß (Strauss 1986). Hinzu kommt, daß nahezu alle bekannten Sorten des Schwarzen Holunders sich für diese Erziehungsform eignen. Dagegen sind die Sorten ´Sambu´, ´Sampo´ und ´Samdal´ nur schlecht für die Strauchform geeignet, v.a. bei ´Samyl´ ist diese wegen des stark hängenden Wuchses kaum anwendbar (Möhler 2000). Ein weiterer Nachteil der Buschform ist, daß bei ihr die bodennahen Triebe besonders anfällig für Pilzerkrankungen sind. (Keppel et. al. 1991). Die Höhe der Baumform ist in den Erwerbsanlagen meist niedrig bei 2 - 3 m Höhe (Buchter-Weisbrodt 2001).

Abb. 16: Blühende Holunder-Hochstämme in einer Erwerbsanlage (aus Keppel et. al. 1991)

Im Einzelnen gliedert sich die Erziehung der Krone nach der Pflanzung bei der Stammform in eine Aufbau- und eine Instandhaltungsphase:

- Aufbauschnitt: Werden Bäume mit nur vier Kronentrieben gepflanzt, so werden diese noch vor dem Beginn des Austriebes gleich nach der Pflanzung auf zwei Knospen eingekürzt (Graf, Kreß 1997). Es ist jedoch auch möglich, die Krone schon beim Pflanzen aus bis zu sechs Trieben aufzubauen (Albrecht et. al. 1993). Nach der Pflanzung müssen noch im selben Jahr die Triebe aus dem Stamm- und Bodenbereich mehrere Male entfernt werden. Nach diesem Jahr wird in der Wachstumsruhe die Krone ausgelichtet. Dabei bleiben ca. sieben einjährige Triebe stehen, die möglichst aufrecht stehend und kräftig sein sollen (Strauss 1986). Um zu verhindern, daß sich die Triebe in den ersten Jahren zu schwach entwickeln, sollten am Anfang gar nur vier bis sechs einjährige Triebe belassen werden. Dies fördert auch die Fruchtbildung (Graf, Kreß 1997). Im zweiten Standjahr werden die neu entstehenden Triebe aus dem Stamm- und Bodenbereich ein weiteres Mal abgeschnitten. Die Kronentriebe neigen sich nun infolge der schon jetzt beginnenden Ausbildung von Blüten und Früchten nach außen. Jetzt kommt auch die sehr ausgeprägte Scheitelpunktförderung zum Tragen, so daß zur gleichen Zeit kräftige Ständertriebe gebildet werden. Deshalb ist nach diesem Jahr der abgetragenen Teil der Äste bis zum Ansatz der Ständertriebe abzutrennen, wodurch die Fruchtäste auf diese abgeleitet werden. Später stellen dann die Astabschnitte bis zu den Ständertrieben das tragende Gerüst dar (Strauss 1986). Dieses soll eine möglichst waagrechte Form ergeben (Keppel et. al. 1991).

Abb. 17: links: Pflanzschnitt am Holunder, rechts: Aufbauschnitt nach der Pflanzung, vorher – nachher (aus Strauss 1986)

- Instandhaltungsschnitt: An kräftig wachsenden Holunderbäumen entstehen jedes Jahr viele aufrechte Triebe, die 1,5 - 2 m lang sind. Im nächsten Jahr bilden sich an ihnen kurze Seitentriebe mit endständigen Fruchtständen. Das große Gewicht der Blüten- und Fruchtstände bringt die Äste dazu, sich bogenförmig nach außen zu neigen. Dies begünstigt die Entstehung von einjährigen Trieben im Kroneninneren. Beim Schnitt müssen lediglich nach der Ernte die abgetragenen zweijährigen Äste weggeschitten und dabei ca. 20 bis 25 möglichst starke, basisnahe ansetzende einjährige Triebe belassen werden. Somit ergibt sich ein Zweiphasensystem aus fruchttragenden Ästen und neu heranwachsenden Trieben, welche später die Funktion der Fruchtäste übernehmen werden. Auch soll darauf geachtet werden, daß die Krone sich gut verzweigt und nahe am Boden bleibt, wozu das Gerüst regelmäßig eingekürzt wird.

Bei der Durchführung des Instandhaltungsschnittes ist folgende Vorgehensweise zu beachten: Zuerst werden die benötigten einjährigen Triebe ausgewählt, deren Anzahl je nach Alter 7 bis 25 sein soll. Sie sollen möglichst basisnahe ansetzen und ausreichend kräftig entwickelt sein. Im zweiten Schritt wird das alte Holz knapp oberhalb der Stelle abgeleitet, wo die gewünschten zurückbleibenden Triebe ansetzen. Sind nun zu wenig einjährige Triebe vorhanden, können auch vereinzelt zweijährige Triebe belassen werden, deren Seitentriebe dann auf ein bis zwei gut ausgebildete Augen eingekürzt werden. Weiterhin werden die älteren, zweijährigen und abgestorbenen Äste und Zweige entfernt. Zum Schluß sind auch alle Triebe abzuschneiden, die zu schwach entwickelt bzw. zu viel sind (Strauss 1986). Im Rahmen eines Sommerschnittes sollte die Krone ausgelichtet und Jungtriebe, die zu kräftig entwickelt sind, entfernt oder verringert werden, so daß die restlichen, fruchttragenden Ruten gefördert werden (Keppel et. al. 1991). Die belassenen kräftigen und einjährigen Triebe sind um 20 % zurückzuschneiden (Graf, Kreß 1997).

Abb. 18: Zwei-Phasen-Schnitt beim Holunder, vorher – nachher (aus Strauss 1986)

Außerdem ist es auch möglich, den Schwarzen Holunder als Hecke zu erziehen, wobei das Prinzip von Aufbau- und Instandhaltungsschnitt unverändert bleibt. Eine solche Hecke kann an einem oder mehreren Drähten befestigt werden. Die in die Fahrgassen stehenden Zweige werden dabei entfernt. Auch der Aufbau von freitragenden Hecken ist möglich. Dabei sollen die Gerüstäste wie bei der freitragenden Apfelhecke am Baumstreifen entlang verlaufen. Hierbei sind als Kronenform sowohl die Freie Spindel, als auch die Gerüstspindel anwendbar. Dagegen sind kompliziertere Heckensysteme im Holunderanbau recht ungünstig (Friedrich, Schuricht 1985).

Bei jeder Schnittmaßnahme sollten die größeren Wunden mit Wundstreichmittel behandelt werden, um deren Verheilen zu fördern (Albrecht et. al. 1993). Schnittholz, das im Winter anfällt, sollte nicht in der Anlage liegenbleiben über den Winter hinaus, weil es dann sehr leicht sein kann, daß sich an den Trieben Wurzeln bilden (Keppel et. al. 1991).

2.5.7.2 Pflanzenschutz

Der Schwarze Holunder zeichnet sich durch eine geringe Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheitserreger aus. Lediglich in windarmen Senken können verstärkt Schädigungen durch die Schwarze Holunderblattlaus (Aphis sambuci) auftreten (Strauss 1986). Wenn dies der Fall ist, so sind aber i.d.R. nur einzelne Pflanzen befallen. Für eine wirksame Bekämpfung sind Insektizidspritzungen im Frühsommer empfehlenswert, soweit dafür Mittel zugelassen sind (Graf, Kreß 1997). Meist reichen ein bis zwei Insektizidspritzungen aus (Bartels et. al. 1998 b). In Jahren mit wenig Niederschlägen können auch Gallmilben größere Schäden durch ein Verkrüppeln der Triebe hervorrufen (Keppel et. al. 1991). Insbesondere die Spinnmilbenart Tetranychus urticae ist hierbei zu erwähnen. Diese Schädlinge können durch eine Behandlung mit Schwefelpräparaten von März bis April erfolgreich bekämpft werden (Albrecht et. al. 1993). Vereinzelt tritt auch Stiellähme auf, welche vermutlich durch den Pilz Gloeosporium verursacht wird (Graf, Kreß 1997). Die genaue Ursache für diese Erkrankung ist aber noch nicht geklärt. Als weitere mögliche Ursachen gelten ein Überschuß an Nährstoffen, ein ungünstiges Verhältnis an vorhandenen Nährstoffen, zu lange andauernde Nässe oder zu hohe bzw. zu niedrige Erträge. Zu diesem Thema sollen entsprechende Versuche durchgeführt werden (Keppel et. al. 1991). Eines ist jedoch klar: Diese Erkrankung zeigt sich v.a. dann, wenn zuviel mineralischer Stickstoff den Pflanzen zugeführt wird, wie bereits im Kapitel Düngung dargelegt wurde. Eine weitere Pilzerkrankung, die immer wieder Schäden verursacht, ist die Doldenwelke. Diese äußert sich in einem Welken der Haupt- bzw. Seitenachsen der Blütenstände. Infolge dessen werden die Früchte nicht richtig reif, so daß ganze Dolden nicht mehr verwertbar sind. Nebenbei treten oft gleichzeitig Blattflecken auf, welche sich vom Blattrand aus oft auf das halbe Fiederblatt ausweiten. Es scheint deshalb offensichtlich zu sein, daß es sich hierbei um eine von Pilzen verursachte Erkrankung handelt und nicht um eine durch eine Störung des Stoffwechsels hervorgerufene Erkrankung. Diese These ist in der Praxis weit verbreitet, konnte aber durch einen Versuch des Instituts für Phytomedizin aus den Jahren 1999 und 2000 widerlegt werden. So wurden im befallenen Gewebe einige verschiedene Pilze gefunden, darunter v.a. Pilze der Gattungen Fusarium und Phoma. An einigen Standorten konnte im kranken Gewebe auch Cladosporium sp. nachgewiesen werden. Welche Art letztendlich die Erkrankung auslöst oder ob mehrere miteinander dafür verantwortlich sind, ist noch nicht geklärt. Nach den neuesten Erfahrungen scheint aber v.a. Phoma sambuci-nigrae hierbei maßgeblich beteiligt zu sein. Zur Bekämpfung der Doldenwelke gibt es schon einige systemisch wirksame Fungizide, die eine gute Wirkung zeigen. Ihre Registrierung steht nach neueren Angaben kurz bevor (Steffek, Altenburger 2001). Bei einigen Sorten verrieseln infolge feuchter Witterung zur Blütezeit die Blüten, was aber bei den Sorten aus Klosterneuburg bislang nicht vorkam (Strauss 1986). Als Ursachen dafür werden mangelhafte Bestäubung oder ein Befall von Blütenbotrytis aufgeführt (Keppel et. al. 1991).

In manchen Gebieten können auch durch Vogelfraß große Schäden entstehen. Die Verluste, welche dadurch entstehen, fallen aber in größeren Erwerbsanlagen kaum ins Gewicht; in kleineren Anlagen und Hausgärten können aber so deutliche Ernteverluste zustande kommen (Strauss 1986). Die größten Schäden werden jedoch i.d.R. von Mäusen verursacht (König 1976). In Holunderanlagen können ihre Gänge mehr als 40 m lang sein. Gegen sie wird konventionell mit Fallen oder dem Einleiten von CO oder Auspuffabgasen vorgegangen (Keppel et. al. 1991). Die Wühlmäuse können auch gut durch das Aufstellen von Sitzstangen für Greifvögel und offene Baumstreifen ferngehalten werden (Albrecht et. al. 1993). Weitere Bekämpfungsmaßnahmen hierzu wurden bereits im Kapitel Bodenbearbeitung behandelt. In Gegenden, wo Wildtiere häufig sind, sind in Neuanpflanzungen auch Verbißschäden durch Rehwild nicht auszuschließen (König 1976).

Außerdem sollten bei der Neuanlage von Holunderplantagen nur virusgetestete Sorten verwendet werden, denn wilder Schwarzer Holunder ist meist stark virusverseucht (Friedrich, Schuricht 1985).

2.5.7.3 Bodenpflege und Düngung

  • Bodenpflege: Als System zur Bodenpflege eignen sich je nach Menge und Verteilung der Niederschläge Teil- oder Grasmulch am besten (Strauss 1986). Beim Grasmulchsystem sollte die Einsaat von Klee-Gras-Gemisch frühestens im zweiten Standjahr erfolgen, vorher wird der Boden offen gelassen (Albrecht et. al. 1993). Es wird sechsmal im Jahr gemulcht. Das Gras kann liegen bleiben zur Zufuhr von organischer Substanz oder zum Abdecken des Baumstreifens. Auch die Schnittabfälle können in der Anlage belassen werden, wenn sie vorher mit einem Mulchhäcksler zerkleinert wurden. Nur auf sandigen Böden (Friedrich, Schuricht 1985) bzw. in den ersten Standjahren sollte der Boden offengelassen werden, denn wenn die Durchwurzelung fortschreitet, kann es zu einer Störung der oberflächennah verlaufenden Wurzeln kommen. Um Beikräuter fernzuhalten, sollte ab dem dritten Standjahr der Pflanzstreifen mit zugelassenen Herbiziden behandelt werden. Dadurch kann auch der Wühlmausbefall besser kontrolliert werden (Strauss 1986), welcher bei einer Abdeckung des Bodens v.a. auf lehmigen Böden eine Gefahr für die Pflanzen darstellt (Graf, Kreß 1997). Allerdings können manche Herbizide auch die Rinde schädigen, weshalb hier die Unkrautbekämpfungsmittel sorgfältig ausgewählt werden müssen. Eine mechanische Bodenbearbeitung wird jedoch durch die flach verlaufenden Wurzeln ebenfalls erschwert; diese sollten möglichst nicht verletzt werden. Bei Trockenheit ist v.a. auf leichten Böden eine Zusatzbewässerung erforderlich, um die Erträge zu verbessern (Albrecht et. al. 1993)
  • Düngung: Wie schon erwähnt, so braucht der Schwarze Holunder für ein gutes Wachstum viel Stickstoff. Dazu sollten nach Strauss (1986) zusätzlich zu einer Gabe von 600 - 800 kg üblichen NPK-Dünger 400 kg Nitromoncal gegeben werden. Nach den neuesten Erkenntnissen kann jedoch auch eine jährliche Versorgung der Pflanzen mit mindestens 50 - 80 kg N/ha ausreichen. Die Aufnahme von Stickstoff wird durch Feuchtigkeit und offene Pflanzstreifen gefördert. Es wird heute empfohlen, die Düngung auf zwei Gaben aufzuteilen, von denen die letzte gleich nach der Blüte gegeben werden sollte. Spätere Stickstoffdüngung kann den Triebabschluß verzögern, wodurch das Holz im Winter geschädigt werden kann. Schon bei der Pflanzung sollten 80 g Plantacote 8 M je Pflanze verabreicht werden als Startdüngung (Albrecht et. al. 1993). Beim Anbau mit Grasmulchsystem sollen nach den Angaben von Friedrich und Schuricht (1985) in den ersten Jahren 300 kg N/ha gedüngt werden, nach fünf Jahren sollen 200 kg N/ha, bei gut ausgebildeter Grasdecke sogar nur 100 kg N/ha schon reichen. Auch organische Dünger sind für Schwarzen Holunder zu einer ausreichenden Stickstoffversorgung gut geeignet. An mineralischen Stickstoffdüngern sollten dagegen nicht mehr als 100 kg N/ha gegeben werden, da sonst leicht Stiellähme auftreten kann. Diese kann v.a. auf Mulchrasen leicht vorkommen, wenn zusätzlich zur natürlichen Stickstofffreisetzung durch die Mineralisierung des Bodens viel Mineralstickstoff gedüngt wird (Keppel et. al. 1991). Bei Trockenheit ist auch Kaliummangel leicht möglich, wenn es im Boden in nicht pflanzenverfügbarer Form gebunden wird. Auch Phosphormangel wurde an Holunder bereits beobachtet. Für lehmige Böden sind für eine gute Nährstoffversorgung deshalb 20 - 25 mg K2O /100 g Boden und 15 - 20 mg P2O5/100 g Boden, sowie weiterhin 12 mg MgO/100 g Boden als optimal anzusehen. In Dänemark erfolgt die Düngung anhand den Ergebnissen einer zuvor durchgeführten Blattanalyse. Dort wurden in der Trockensubstanz der Blätter 4,0 - 4,3 % Stickstoffanteil, 2,5 - 3,0 % Kaliumanteil, 0,3 - 0,8 % Phosphoranteil und 0,25 - 0,3 % Magnesiumanteil festgestellt (Albrecht et. al. 1993).

2.5.7.4 Ernte und Erträge

Die Fruchtreife erstreckt sich über die Monate August und September. Durch die je nach Sorte evtl. lange Blütezeit können mehrere Erntedurchgänge erforderlich sein, da sich nur Früchte mit guter Ausfärbung verwerten lassen (Rücker 1997). Dies ist auch dann zu beachten, wenn die Früchte zum Schnapsbrennen verwendet werden sollen: Hier sollen die Dolden keine grünen oder rötlichen Früchte enthalten, da sie dem Destillat einen unerwünschten grasigen Beigeschmack verleihen können. Ebenso werden Beeren bevorzugt, die schon etwas überreif sind, weil deren Extraktgehalt in diesem Zustand zwischen 50 und 60° Oechsle bzw. um 13 - 15 % liegt (Bartels et. al. 1998 b). Neben dem Extraktgehalt hängt auch der Farbstoffgehalt vom Erntetermin ab: Hier gibt es einen optimalen Zeitpunkt für die Ernte, der nicht überschritten werden sollte, weil sowohl unreife als auch überreife Früchte eine geringere Farbstoffausbeute ergeben (Augustin 2000 a). Auch für die Saftherstellung sind überreife Früchte schlecht, weil nach dem Eintreten der Vollreife der natürliche Gehalt an Fruchtsäuren abfällt (OP, S. 339). Hierbei sollten die Dolden nicht mehr als drei noch rote Beeren aufweisen. Für die Vermarktung an die verarbeitende Industrie sollte der Säuregehalt der Früchte zwischen 10 und 15 % liegen (Albrecht et. al. 1993).

Da die Fruchtäste zur Reifezeit nach unten hängen, kann die Ernte von Hand zum großen Teil vom Boden aus vorgenommen werden kann. Wenn einzelne fruchttragende Äste nicht mehr zu erreichen sind, so werden sie mittels einer kurzen Treppenleiter abgeerntet. Weil auch die Stiele das leicht giftige Sambunigrin enthalten, wird geraten, die Beeren bei der Ernte von diesen mittels einer Gabel zu lösen; dabei können gleichzeitig die helleren Beeren aussortiert werden (Mühl 1998). Da dies aber für den erwerbsmäßigen Anbau sehr zeitaufwendig ist, wird lediglich darauf geachtet, daß bei der Handernte die Fruchtstände von den Stielen möglichst sauber abgetrennt werden. Bei dieser Arbeit sollten leichte Scheren verwendet werden, wie sie beim Kernobst zum Ausdünnen gebraucht werden (König 1976). Auch Baumscheren lassen sich dabei gut einsetzen. Bei diesem Verfahren liegt die Erntearbeitsleistung bei 45 kg/Akh. Bei einer anderen Methode werden die Fruchtstände am Doldenstiel vom Geäst abgetrennt. Erst kurz vor dem Ablegen der Fruchtstände in die Transportkisten werden die Früchte knapp unter der Verzweigung der Dolden vom Rest des Stieles abgetrennt (Keppel et. al. 1991). Hier ist jedoch mit einer Arbeitsleistung von nur 30 - 40 kg/Akh zu rechnen. Ohne diesen zweiten Schnitt wäre eine Leistung von bis zu 70 kg/Akh möglich (Albrecht et. al. 1993). Diese Ernte in Teilfruchtständen ist jedoch für die Verarbeitung recht günstig. Zum Durchtrennen der Dolden sind dabei auch Messer geeignet. Eine Ernte in ganzen Dolden wäre dann günstig, wenn der Betrieb eine Rebelmaschine besitzt (Strauss 1986). Diese wird jedoch kaum eingesetzt, weil die Saftausbeute beim anschließenden Pressen von maschinell entstielten Früchten eher gering ist (Albrecht et. al. 1993). Neben Transportkisten eignen sich auch Butten und leicht zu reinigende Plastikeimer für das Sammeln der Früchte (Strauss 1986).

Es sollte dann mit der Verwertung der Früchte nicht zu lange gewartet werden, da bei ihnen die Gärung recht rasch einsetzt (Mühl 1998).

Abb. 19: Handernte der Holunderbeeren – Doldenschnitt (aus Keppel et. al. 1991)

Der Ertrag ist nicht so sehr von der Witterung, als vielmehr vom Schnitt abhängig So treten bei den Erträgen zwar je nach der Witterungslage in den einzelnen Jahren kleine Schwankungen auf, doch sind diese deutlich geringer als beim Apfel (Friedrich, Schuricht 1985). Erste Erträge sind in jungen Anlagen spätestens ab dem dritten Jahr der Anlage zu erwarten. Der Vollertrag setzt etwa ab dem fünften Standjahr ein. Er beträgt bei der Strauchkultur ca. 120 dt/ha (Bartels et. al. 1998 b), in Dänemark wurden bei geringeren Pflanzabständen sogar 160 - 180 dt/ha erreicht (Albrecht et. al. 1993). Im einzelnen liegt der Ertrag im zweiten Standjahr bei 3 kg/Strauch, im dritten Jahr bei ca. 11 kg/Strauch, im vierten Jahr bei 18 kg/Strauch und schließlich im fünften Standjahr bei 20 kg/Strauch (Keppel et. al. 1991). Wenn der Holunder dagegen baumförmig erzogen wird, so sind deutlich höhere Einzelerträge zu erwarten: Im zweiten Standjahr liegt er dann bei 1 kg/Baum, aber schon im dritten Jahr bei 17,5 kg/Baum. Die Vollertragsleistung beträgt dann im fünften Standjahr 35 kg/Baum; dies entspricht auf die Nettofläche umgelegt einem Ertrag von 14600 bis 20000 kg/ha (Strauss 1986).

2.5.8 VERARBEITUNG

Die Beeren eignen sich zur Herstellung von trinkfertig gemachtem Saft, Nektar, Fruchtwein, Marmelade, Kuchenfüllung (Keppel et. al. 1991), Likören, Schnäpsen und Gelees (Buchter-Weisbrodt 2001). Weiterhin dienen sie wie schon erwähnt als Farbstofflieferant für die Lebensmittelindustrie. So wird der aus den Früchten gewonnene Farbstoff Sambucyanin eingesetzt zum Färben von Säften, Marmeladen, Quark, Joghurt, Konserven und Süßigkeiten. Seine besondere Farbe ist selbst durch aus Aroniabeeren gewonnene Farbstoffe nicht ersetzbar (Möhler, Künstler 2000). Weil es sehr intensiv färbt und recht stabil ist, eignet sich Sambucyanin auch zum Färben von Textilien (Albrecht 1996). Hierbei ist zu beachten, daß die Früchte des wilden Schwarzen Holunders in manchen Jahren deutlich geringere Farbstoffgehalte aufweisen als diejenigen der Kultursorten. So wurden bei einem Holundersorten-Versuch der LVG Erfurt beim wilden Schwarzen Holunder 1998 646 Farbeinheiten gemessen, was relativ hoch ist; doch in anderen Jahren wurden nur 300 Farbeinheiten erreicht. Der Farbstoffgehalt kann gesteigert werden, indem auf eine kontinuierliche Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen und Wasser geachtet wird und die Anlagen gut gepflegt werden (Möhler, Künstler 2000).

Zur Zubereitung von Spirituosen wird v.a. der wilde Schwarze Holunder verwendet, da er mehr Aroma enthält als z.B. die Kultursorten ´Haschberg´ oder ´Sampo´. Vollreife, noch nicht vertrocknete Beeren werden zu diesem Zweck bevorzugt. Sie müssen spätestens am Tag nach der Ernte von den Stielen gelöst werden (Gassner 1999). Das beim Brennen entstandene Destillat ist oft am Anfang ein wenig gelblich. Der typische, starke Holundergeruch und -geschmack verleihen solchen Bränden und Geisten ein hervorragendes Aroma (Bartels et. al. 1998 b). Ein klarer Vorteil der Holunderbeerenbrände ist, daß sie im Gegensatz zu anderen Beerenbränden recht lange lagerbar sind. Sie gewinnen während der Lagerung sogar an Qualität (Gassner 1999).

Neben der Herstellung von reinen Holunderbränden hat sich auch die eines "Apfel-Holunder-Brands" bewährt. Daneben ist auch die Herstellung von Holunderbeerengeist bekannt (Bartels et. al. 1998 b). Zur Weinherstellung sind die Früchte dagegen wegen ihres geringen Säuregehalts nur bedingt geeignet (Mühl 1998).

Bei der Verwertung sollten die Kerne generell wegen ihres hohen Glykosidgehalts möglichst vom Fruchtfleisch getrennt und entfernt werden (Rücker 1997).

Neben den Früchten können auch aus den frischen und getrockneten Blüten Getränke hergestellt werden wie die sogenannte "Blütenmilch", Holundersekt oder -bowle. Diese Erzeugnisse werden auch für heilende Tees oder zur Zubereitung von nahrhaften Speisen wie Holunderküchle eingesetzt (Buchter-Weisbrodt 2001).

2.5.9 SORTEN

 

Dank der großen Bestrebungen zur Züchtung von Holundersorten existiert heute bereits eine Fülle an verschiedenen Sorten, welche sich z.T. erheblich voneinander unterscheiden in wichtigen Eigenschaften. Nach den Ergebnissen des an der LVG Erfurt in den Jahren 1999 und 2000 durchgeführten Sortenversuchs ergibt sich folgende Sortenübersicht der wichtigsten Holundersorten:

Tab. 10: Übersicht von Merkmalen der an der LVG Erfurt untersuchten Holundersorten nach Möhler (2000)

Sorte

Reife- termin

Ertrag

Dolden- gewicht

Farbstoff- gehalt

Wuchs

Anfällig- keiten

´Weihenstephan´

A – M 9

Hoch

Mittel

Hoch

sehr stark

Blattlaus

´Haschberg´

A - M 9

Hoch

Mittel

Sehr hoch

Stark

Blattlaus

´Sambu´

A - M 8

Mittel

Mittel

Sehr hoch

Schwach – mittelstark

 

´Sampo´

M 8 – A 9

Hoch

Sehr hoch

Mittel bis hoch

Mittelstark

Etwas Rieseln

´Samdal´

M 8 – A 9

Hoch

Sehr hoch

Gering bis mittel

Sehr stark

Etwas Rieseln

´Samyl´

M 8 – A 9

Hoch

Mittel

Sehr hoch

Mittelstark, Überhängen

Vorzeitiger Blattfall

´Mammut´

M 8 – A 9

Gering bis mittel

Mittel

Hoch

Schwach – mittelstark

 

´Korsör´

E 8 - A 9

Hoch

Mittel

Gering

Mittelstark bis stark

 

´Pregarten´

A 9

Mittel

Gering bis mittel

Mittel

Stark aufrecht

 

´Bergmann´

A - M 9

Gering

Gering

Mittel bis hoch

Mittelstark

Starkes Rieseln

´Haidegg Klon 13´

A 9

Mittel

Sehr hoch

Mittel bis hoch

Mittelstark bis stark

 

´Haidegg Klon 14´

M 9

Mittel

Sehr hoch

Gering

Schwach

 

´Haidegg Klon 17´

M 9

Hoch

Hoch

Gering bis mittel

Mittel

 

´Haidegg Klon 25´

A 9

Hoch

Mittel

Gering bis mittel

Stark und aufrecht

 

2.5.9.1 ´Alesøe´

Diese Sorte wächst mittelstark und trägt locker aufgebaute Dolden, welche aus kleinen bis mittelgroßen Einzelfrüchten zusammengesetzt sind. Die Dolden werden einheitlich reif, das Aroma ist stark ausgeprägt, säuerlich und wohlschmeckend (Bundessortenamt 1999).

2.5.9.2 ´Alv´

Hierbei handelt es sich um eine Sorte aus Norwegen, welche eine Höhe von 3 - 4 m erreicht und im Juli blüht. Die Früchte werden in der Zeit von September bis Oktober reif (Bundessortenamt 1999).

2.5.9.3 ´Bergmann´

Die mittelstark wachsende Sorte ´Bergmann´ ist in ihren Eigenschaften nicht gerade überragend: Der Farbstoffgehalt in den Früchten ist zwar noch als mittel bis hoch anzusehen, doch Ertrag und Doldengewicht sind nur gering. Außerdem tritt immer wieder ein starkes Rieseln der Blüten auf. Die Fruchtreife dauert von Anfang bis Mitte September. Damit gehört ´Bergmann´ zu den spät reifenden Sorten. In den Ergebnissen des Holundersortenversuchs der LVG Erfurt aus den Jahren 1999 - 2000 konnte die Sorte nach Möhler (2000) insgesamt durch ihre geringen Erträge nicht überzeugen: Im siebten Standjahr, in dem eigentlich schon der Vollertrag eingetreten sein sollte, lag der Baumertrag bei nur 7 kg/Baum. Damit erreichte sie von allen verglichenen Sorten den geringsten Ertrag. Somit wird sie als nicht anbauwürdig angesehen (Augustin 2000 a).

2.5.9.4 ´Donau´

Diese Sorte ist eine Selektion aus den Wiener Donauauen und wurde 1965 als Sorte veröffentlicht (Strauss 1986). Sie wächst etwas schwächer als die am meisten angebaute Sorte ´Haschberg´ (Keppel et. al. 1991), aber dennoch kräftig. Die Jahrestriebe sind zwar lang und aufrecht, jedoch nicht sehr zahlreich. Die Krone ist sperrig und etwas überhängend. ´Donau´ ist empfindlich gegen starken Wind, da es dann leicht zum Abbrechen der Äste kommt. Da sich diese Sorte durch Stecklinge kaum vermehren läßt, wird sie meist veredelt. Dabei eignet sich die Sorte ´Pregarten´ sowohl als Unterlage, als auch als Stammbildner.

Anfang Juni setzt die Blüte ein mit weißlichgelben Einzelblüten in großen Trugdolden. Durch die späte Blüte sind Spätfrostschäden kaum zu erwarten. Sie sind auch vor Ausrieseln sicher. ´Donau´ ist selbstfruchtbar.

Die Früchte reifen kaum folgernd ab Ende August. 10 Dolden ergeben ein Gewicht von 1,15 kg. Anfang bis Mitte September werden alle Früchte blauschwarz und glänzend, der Stempelpunkt ist weiß. Sie lösen sich nur schwer von den Fruchtästen. Die Erträge setzen schon recht früh ein. Sie sind zwar hoch und regelmäßig, doch werden sie oft durch Vogelfraß oder das Ausbrechen von Ästen verringert. Ansonsten gilt die Sorte als wenig anfällig für Schädlinge oder Krankheitserreger. Lediglich beim Anbau in eingeschlossenen Lagen können Blattläuse Schäden verursachen (Strauss 1986). Die Sorte ist derzeit im erwerbsmäßigen Anbau eine der gängigsten Sorten (Bartels et. al. 1998 b). Ob dies so bleibt, wird sich noch herausstellen, wenn die Sortenversuche in Klosterneuburg und Erfurt abgeschlossen sind. Immerhin bringt sie durch die um 10 - 14 Tage früher reifenden Früchte als bei ´Haschberg´ in Kombination mit jener Sorte den Vorteil, daß die notwendige Zeit für die Erntearbeit auf beide Sorten gleichmäßig verteilt wird, ohne daß es zu großen Arbeitsspitzen kommt (Friedrich, Schuricht 1985).

2.5.9.5 Haidegger Klone

Diese vier Sorten sind recht unterschiedlich. Im Allgemeinen teilen sie lediglich die Eigenart, daß die Farbstoffgehalte im Trester deutlich höher sind als diejenigen im Saft und daß sie recht robust sind. Im Sortenversuch der LVG Erfurt wurden bei den Klonen 13, 14 und 17 besonders hohe Doldengewichte gemessen bei Werten zwischen 297 und 383 g/Dolde. Gleichzeitig erreichte Klon 17 einen Baumertrag von 26 kg/Baum und Klon 25 einen solchen von 28 kg/Baum, was auch nicht gerade schlecht ist (Möhler 2000). Insgesamt wurde bei allen vier Sorten ein Doldengewicht von 20g und mehr ermittelt (Augustin 2000 a). Da bei ihnen 1999 weitaus höhere Farbstoffgehalte gemessen wurden als in den Vorjahren, sind weitere Untersuchungen bei diesen Sorten im Gespräch (Möhler, Künstler 2000). Im Allgemeinen gelten sie unter dem Gesichtspunkt als wertvoll, daß sie z.T. recht spät blühen, wodurch die Befruchtung anderer Sorten verbessert wird (Augustin 2000 a).

  • ´Haidegg Klon 13´: Diese Sorte zeichnet sich v.a. durch ein sehr hohes Doldengewicht aus. Der Farbstoffgehalt in den Früchten ist mittel bis hoch, die Sorte erreicht nur mittlere Erträge. Sie ist auch recht gesund. Die Fruchtreife setzt Anfang September ein. Der Wuchs ist mittelstark bis stark.
  • ´Haidegg Klon 14´: Diese schwach wachsende Variante weist ebenfalls ein sehr hohes Doldengewicht auf und auch der Ertrag ist noch im mitleren Bereich, doch weisen die Früchte einen geringen Farbstoffgehalt auf. Die Früchte werden Mitte September reif, was sie als späte Sorte kennzeichnet. Auch dieser Klon ist als robust anzusehen.
  • ´Haidegg Klon 17´: Diese späte Sorte bringt hohe Erträge bei gleichzeitig hohen Doldengewichten. Dafür ist der Farbstoffgehalt nur gering bis mittel. Die Reifezeit ist dieselbe wie bei ´Haidegg Klon 14´. Die Wuchsstärke ist mittel. Wie alle Haidegger Klone, so ist auch ´Haidegg Klon 17´ nicht besonders anfällig.
  • ´Haidegg Klon 25´: Auch diese Variante bringt hohe Erträge, aber das Doldengewicht ist bei ihr nur mittelmäßig und der Farbstoffgehalt gering bis mittel. Die Früchte reifen Anfang September. Der Wuchs ist stark und aufrecht. Bei der Sorte sind weder Blattlausschäden noch Rieseln noch vorzeitiger Blattfall zu erwarten (Möhler 2000).

2.5.9.6 ´Hamburg´ (syn. ´Schwarzer Diamant´)

Diese wohlklingende Sorte stammt aus dem südlichen Jütland (Dänemark), sie wächst sehr kräftig mit bis zu 2 m langen Neutrieben und aufrecht. Dadurch kann sie auch gut als Baum erzogen werden (Engel et. al. 1999). Sie zeichnet sich aus durch große, locker aufgebaute Dolden, deren Einzelfrüchte in etwa zur selben Zeit Ende September reif werden. Diese sind auch oval (Bundessortenamt 1999), recht groß, glänzend blauschwarz, schmecken bitter und sauer (Engel et. al. 1999) und sind mit roten Stielen versehen. Der Fruchtsaft dagegen ist hell und schmeckt mild und süßlich (Bundessortenamt 1999). Die Erträge werden heute als mittel bis hoch angesehen. Die Fruchtreife beginnt Ende September und ist recht folgernd, wodurch mehrere Erntedurchgänge erforderlich sind. ´Hamburg´ wird zwar v.a. in Dänemark angebaut (Friedrich, Schuricht 1985), doch auch in Deutschland wird sie für den erwerbsmäßigen Anbau empfohlen. Die Sorte bringt aber keine so hohen Erträge wie ´Haschberg´. Dafür sind die Früchte nicht nur zur Zubereitung von Marmelade, Gelee und Saft, sondern auch zur Weinerzeugung bestens geeignet (Engel et. al. 1999).

 

Abb. 20: Holundersorte ´Hamburg´ mit reifen Fruchtdolden (aus Engel et. al. 1999)

2.5.9.7 ´Haschberg´

Diese Sorte stellt eine Selektion aus Wildformen dar, welche in den Klosterneuburger Donauauen vorkommen. Sie wurde 1965 als Sorte ´Haschberg´ veröffentlicht (Strauss 1986).

Die Sorte besitzt einen kräftigen Wuchs und kann sehr gut als Hochstamm erzogen werden. Sie bildet bis zu 2 m lange Jahrestriebe (Bundessortenamt 1999); diese wachsen schräg aufrecht. Die mittelgroße Krone ist von hochkugeliger, hängender Form.

Anfang Juni erscheinen die Blüten in großen Trugdolden, die aus weißlichgelben Einzelblüten zusammengesetzt sind. Sie stehen meist aufrecht auf den Jahrestrieben und sind nicht spätfrostgefährdet. Dadurch bringt die Sorte auch in spätfrostgefährdeten Lagen sichere Erträge. Hinzu kommt, daß auch bei schlechtem Wetter zur Blütezeit keine Rieselschäden auftreten. Die Erträge sind nicht nur regelmäßig, sondern auch reich und früh einsetzend (Strauss 1986). Bei einem Holunder-Sortenversuch der LVG Erfurt aus dem Jahr 1999 lagen die Erträge von ´Haschberg´ zwischen 28 kg/Baum und 40 kg/Baum. Bei einer Pflanzdichte von 500 Bäumen/ha ergibt sich somit ein Gesamtertrag von 200 dt/ha (Augustin 2000 a).

Die ovalen bis rundlichen Früchte (Engel et. al. 1999) sind eher klein und verfärben sich Anfang bis Mitte September blauschwarz (Bundessortenamt 1999), die Reife ist etwas folgernd. Die Sorte trägt große, hängende Dolden, die aus fünf Einzeldolden zusammengesetzt sind. 10 Dolden haben ein Gewicht von etwa 1,10 kg. Die Einzelfrüchte glänzen matt und besitzen einen weißen Stempelpunkt. Sie hängen fest an den Zweigen und rieseln selbst im vollreifen Zustand nicht aus (Strauss 1986). Hinzu kommt, daß die Früchte sehr reich an Farbstoffen sind. In Einzelnen enthalten sie 21 % Trockensubstanz, 14 % Zucker, 2,8 % Säure und 100 mg Vitamin C (Graf, Kreß 1997).

Daneben ist ´Haschberg´ gering anfällig für Schädlinge oder Krankheitserreger; lediglich in windarmen Gebieten ist stärkerer Blattlausbefall möglich (Strauss 1986).

Die Sorte läßt sich auch maschinell beernten (Mühl 1998).

All diese positiven Eigenschaften haben dazu beigetragen, daß ´Haschberg´ bislang im erwerbsmäßigen Anbau die gängigste Sorte ist, ihr Anteil am gesamten Holunderanbau betrug 1993 95 % (Albrecht et. al. 1993). Im Holunder-Sortenversuch der LVG Erfurt aus dem Jahr 1999 wurde die Sorte hinsichtlich Ertrag und Farbstoffgehalt als für den Anbau "besonders geeignet" bezeichnet (Möhler 2000). Die Sorte gilt als hervorragend geeignet für den Anbau im Bergland und Gebirgslagen (Albrecht 1996). Auch beim Anbau am Mittelrhein (Albrecht et. al. 1993) und in Thüringen wird sie als robuste Sorte geschätzt (Möhler, Künstler 2000).

Abb. 21: Holundersorte ´Haschberg´ - Fruchtstände (aus Engel et. al. 1999)

 

2.5.9.8 ´Korsör´ ( syn. ´Korsor´, ´Kørsør´)

Diese dänische Sorte bringt zwar mit durchschnittlich 25 kg/Baum hohe Erträge, aber die Farbstoffausbeute ist gering. Das Doldengewicht liegt im mittleren Bereich. Die Früchte reifen von Ende August bis Anfang September, der Wuchs ist mittelstark bis stark (Möhler 2000) und aufrecht. Durch den geringen Farbstoffgehalt ist der aus den Früchten hergestellte Saft recht hell, dafür weist er ein intensives, mildes und süßes Aroma auf. Die Dolden sind locker aufgebaut, mittelgroß bis groß und bestehen aus ovalen Einzelfrüchten. Diese werden alle gleichmäßig reif (Bundessortenamt 1999). Die Beeren sollen gut, süß und mild schmecken (Friedrich, Schuricht 1985). Zu einem Befall mit Schädlingen oder Krankheitserregern finden sich keine Eintragungen (Möhler, Künstler 2000).

2.5.9.9 ´Mammut´

Bei dieser Sorte reifen die Früchte sehr gleichmäßig (Rücker 1997) von Mitte Oktober bis Anfang November. Somit gehört sie zu den frühesten Sorten. So trat 1999 die Fruchtreife schon am 18. August ein (Möhler 2000). ´Mammut´ wächst stark und aufrecht. Die Beeren sind kugelig, reifen gleichmäßig und rieseln nicht. Sie besitzen rote Stiele und einen hohen Gehalt an Farbstoffen, wodurch der Fruchtsaft intensiv dunkelviolettrot gefärbt ist (Bundessortenamt 1999). Das Doldengewicht liegt bei ´Mammut´ in der mittleren Größenkathegorie, die Erträge werden als nur gering bis mittel eingestuft. Wegen ihrer niedrigen Ertragsleistung ist die Sorte für den erwerbsmäßigen Anbau generell nicht gerade empfehlenswert (Möhler 2000). Dies zeigte sich auch im Sortenversuch der LVG Erfurt im Jahr 1999, wo bei dieser Sorte gerade mal 11 kg/Baum erreicht wurden. Speziell für den thüringischen Holunderanbau wird ´Mammut´ als entbehrlich eingestuft (Augustin 2000 a). Für die Kultur auf leichteren, sandigen Böden ist die Sorte jedoch noch am besten geeignet. Sie wächst auch aufrecht und kräftig (Albrecht 1996). Die Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheitserreger wird mit schwach bis mittelstark angegeben (Möhler, Künstler 2000).

Abb. 22: Holundersorte ´Mammut´ mit Fruchtdolden (aus Bundessortenamt 1999)

2.5.9.10 ´Pregarten´ (syn. ´Prägarten´)

Diese österreichische Sorte hat keine besonders guten Eigenschaften: Sie bringt nur mittelmäßige Erträge und Farbstoffgehalte, das Doldengewicht ist gar nur gering bis mittel. Das einzig Positive an ihr ist die geringe Anfälligkeit: Weder Blattlausschäden noch Rieseln noch vorzeitiger Blattfall machen sich bemerkbar. Die Früchte reifen Anfang September. ´Pregarten´ wächst straff aufrecht. Durch die niedrige Ertragsleistung wird diese Sorte im Sortenversuch der LVG Erfurt als nicht befriedigend eingestuft (Möhler 2000) und gilt für den Anbau in Thüringen als entbehrlich (Augustin 2000 a). Durch den starken und straff aufrechten Wuchs ist ´Pregarten´ aber recht gut als Unterlage und Stammbildner für die Sorte ´Donau´ geeignet (Strauss 1986).

2.5.9.11 ´Riese aus Voßloch´

Diese stark wachsende und locker verzweigte Sorte (Bundessortenamt 1999) zeichnet sich durch extrem große Blüten mit einem Durchmesser der Dolden von 30 cm und ein sehr hohes Fruchtgewicht der Dolden von bis zu 500 g aus. Trotzdem hat sie eher als Ziersorte Bedeutung, weniger als Sorte für den Erwerbsanbau, da der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen in den Früchten und deren Farbintensität nur gering sind. Negativ für den Anbau ist auch der überhängende Wuchs der Sorte (Graf, Kreß 1997), außerdem bringt sie nur geringe Erträge (Bundessortenamt 1999). Lediglich von Bartels et. al. (1998 b) wurde der ´Riese aus Voßloch´ in der Ausgabe vom Juli 1998 als "gängige Sorte(n) für den Erwerbsanbau" bezeichnet.

2.5.9.12 ´Sambu´

Diese Sorte kann zwar sehr hohe Farbstoffgehalte in den Früchten als positive Eigenschaft verbuchen, doch erreicht sie nur mittlere Erträge und Doldengewichte. Dafür ist sie recht robust. Im Holundersortenversuch der LVG Erfurt wurden bei ihr neben den Sorten ´Samyl´ und ´Haschberg´ im Jahr 1998 die dritt höchsten Farbstoffgehalte gemessen mit 1010 Einheiten. Die Früchte werden im Zeitraum von Anfang bis Mitte August reif, womit ´Sambu´ eine der frühesten Sorten ist (Möhler 2000). ´Sambu´ wird nur mittelhoch und wächst eher mittelstark, wobei die Triebe zahlreich vorhanden sind und aufrecht stehen. Die Fruchtstände weisen gänzlich grüne Stiele auf, die Früchte reifen gleichmäßig (Friedrich, Schuricht 1985). Insgesamt wurde ´Sambu´ im Holundersortenversuch der LVG Erfurt mit nicht befriedigend bewertet, v.a. wegen der geringen Ertragsleistung (Möhler 2000): Es wurde ein Ertrag von nur 8 kg/Baum gemessen, was der zweit niedrigste Wert war, nur ´Bergmann´ erreichte noch weniger. Deshalb wird diese Sorte in Thüringen auch nicht zum Anbau empfohlen. Das Doldengewicht liegt immerhin noch in der Kategorie 20 g/Dolde und darüber (Augustin 2000 a).

2.5.9.13 ´Samdal´

Nach den neuesten Erfahrungen zeichnet sich diese Sorte durch hohe Erträge und besonders hohe Doldengewichte aus, was für den Anbau durchaus positive Eigenschaften sind. So wurde im Holundersortenversuch der LVG Erfurt in der Vollertragsphase im siebten Standjahr ein Ertrag von 32 kg/Baum erreicht und gleichzeitig lag das Doldengewicht mit 248 g/Dolde um ca. ein Drittel über dem der Sorten ´Samyl´ und ´Haschberg´. Die Früchte sollen auch einen guten Geschmack aufweisen. Ein großes Problem ist aber deren geringer bis mittelmäßiger Farbstoffgehalt, die Sorte neigt auch etwas zum Rieseln. Die Früchte werden im Zeitraum von Mitte Oktober bis Anfang September reif, womit ´Samdal´ zu denjenigen Sorten gerechnet werden kann, die am frühesten reifen. Die Sorte zeichnet sich auch durch einen sehr starken Wuchs aus (Möhler 2000).

2.5.9.14 ´Samidan´

Hierbei handelt es sich um einen kleinen, wenig verzweigten Strauch mit kleinen Blättern und großen Fruchtdolden. Die Einzelfrüchte sind zwar nur mittelgroß, enthalten aber einen intensiv färbenden, aromatischen Saft. Die Früchte sind v.a. für die häusliche Verwertung geeignet (Bundessortenamt 1999).

2.5.9.15 ´Sampo´

Diese Sorte zeichnet sich aus durch hohe Erträge bei 32 kg/Baum in der Vollertragsphase und ein sehr hohes Doldengewicht. Im Holundersortenversuch der LVG Erfurt aus dem Jahr 1999 war dieses mit 233 g/Dolde etwa um ein Drittel höher als bei den farbstoffreichen Sorten ´Samyl´ und ´Haschberg´. Die Früchte reifen von Mitte August bis Anfang September. Damit gehört ´Sampo´ zu den frühesten Sorten (Möhler 2000). Der Wuchs ist mittelstark und straff aufrecht (Albrecht 1996).

Auch hinsichtlich der inneren Eigenschaften steht die Sorte nicht schlecht da. So ist der Farbstoffgehalt mittel bis hoch (Möhler 2000) und das Aroma der Früchte besonders intensiv. Deshalb ist sie sowohl zur Saftherstellung für den Eigenverbrauch als auch für die industrielle Verarbeitung recht gut geeignet. Aus all diesen Gründen wäre ´Sampo´ für den Anbau empfehlenswert, v.a. für Gebiete in Niederungen (Albrecht 1996). Die einzige negative Eigenschaft dieser Sorte ist, daß sie etwas zum Rieseln neigt (Möhler 2000). Wegen des geringeren Farbstoffgehalts als bei ´Haschberg´ und ´Samyl´ sind jedoch beim Anbau für die industrielle Verwertung als Farbstoffliferant diese beiden Sorten als wertvoller anzusehen (Augustin 2000 a). Da ´Sampo´ kompakt wächst und das Laub kaum von Schädlingen oder Krankheitserregern befallen wird, eignet sich diese Sorte aber hervorragend für Haus- und Kleingärten. Dafür spricht auch, daß das Doldengewicht von ´Sampo´ zum Blütezeitpunkt recht groß ist, was für die Verarbeitung der Blüten zu Tee recht günstig ist (Möhler, Künstler 2000).

2.5.9.16 ´Samyl´

Zur Verwendung dieser Sorte im Anbau liegen noch keine langfristigen Erfahrungen vor (Rücker 1997). Nach den neuesten Erkenntnissen hat sie aber im Holunderanbau gute Chancen, da sie hohe Erträge bringt und ihre Früchte einen sehr hohen Gehalt an Farbstoffen aufweisen. Sie reifen von Mitte August bis Anfang September, was ´Samyl´ als eine der frühesten Sorten ausweist. Im Sortenversuch der LVG Erfurt wurden z.B. bei dieser Sorte 1998 die höchsten Gehalte an Farbstoffen festgestellt, wobei sie in derselben Größenordnung lag wie ´Haschberg´ und ´Sambu´ (Möhler 2000) mit 1139 gemessenen Farbeinheiten (Augustin 2000 a). Der Sorte werden auch gute geschmackliche Eigenschaften zugeschrieben.

Auch die Erträge sind als hoch anzusehen, sie lagen z.B. im oben genannten Versuch in der Vollertragsphase im siebten Standjahr bei 34 kg/Baum. Das Doldengewicht ist eher mittelmäßig. Negativ sind der mittelstarke, zum Überhängen der Fruchtäste neigende Wuchs und das beobachtete Auftreten von vorzeitigem Blattfall an dieser Sorte. Gerade für die Erziehung als Strauch ist die Sorte dadurch äußerst ungeeignet. Der beobachtete vorzeitige Blattfall wird durch die Blattfleckenkrankheit ausgelöst, wofür die Anfälligkeit der Sorte mit zunehmendem Alter der Anlage offenbar zunimmt. Dieser kann nur durch den intensiven Einsatz von Fungiziden verhindert werden (Möhler 2000).

2.5.9.17 ´Weihenstephan´

Diese Sorte zeichnet sich aus durch hohe Erträge und einen hohen Farbstoffgehalt der Früchte. So lag der Baumertrag im Sortenversuch der LVG Erfurt im siebten Standjahr bei 33 kg/Baum. Das Doldengewicht liegt in der mittleren Größenkathegorie. Die Früchte werden reif von Anfang bis Mitte September, wodurch ´Weihenstephan´ eine von den späten Sorten ist. Der Wuchs ist sehr stark. Ein deutlicher Nachteil dieser Sorte ist ihre Anfälligkeit für Blattläuse. Der besondere Wert dieser Sorte für den Anbau liegt in der späten Blütezeit, wodurch sie die Befruchtung bei anderen Sorten verbessert und so zu höheren flächenmäßigen Erträgen beiträgt (Möhler 2000).

2.5.9.18 Weitere Holundersorten und Varietäten

Die Art enthält auch ein großes Spektrum an Ziersorten, deren Aussehen sehr unterschiedlich sein kann: Sie können 30 cm bis 10 m hoch sein, überhängend oder pyramidenförmig wachsen, mit rotlaubigen oder gelbpanaschierten, rundlichen oder geschlitzten Blättern versehen sein, und sogar zartrosa Blüten und gelbe oder grünlichweiße Früchte sind möglich (Rücker 1997).

Diese zuletzt genannten, besonderen Fruchtfarben kennzeichnen die Varietät Sambucus nigra var. albitida, auch Gelber Holunder genannt, welcher langsamer und schwächer wächst als der Schwarze Holunder. Die Beeren sind grünlich-gelb und im Vergleich zu denen der reinen Art sehr groß. Sie werden Ende September reif. Der aus ihnen gewonnene Saft ist hell-grünlichgelb und schmeckt recht fruchtig. Die Beeren lassen sich v.a. gut in Mischung mit anderen Früchten verarbeiten (Bundessortenamt 1999). Die Früchte des Gelben Holunders besitzen allerdings nicht den typischen Holundergeruch, was aber ein Vorteil sein kann, da dieser nicht von allen Leuten geschätzt wird (Beco 1999).

 

2.5.10 Andere obstbaulich relevante Holunderarten

2.5.10.1 Sambucus canadensis - Kanadischer Holunder

  • Herkunft: Diese Art ist nicht nur in Kanada, sondern auch in Florida und Texas beheimatet.
  • Erscheinungsbild: Hierbei handelt es sich um einen 3 - 4 m hohen Großstrauch, welcher stark zur Ausläuferbildung neigt und hellgrünes Laub trägt. Die Blüten sind hier cremeweiß und zeigen sich von Juli bis August. Sie sind zu halbkugelförmigen, gewölbten Blütenständen vereint, welche einen Durchmesser von etwa 20 - 25 cm aufweisen. Daraus bilden sich dunkerote bis schwarz gefärbte und glänzende Beeren, welche je vier Steinsamen beinhalten.

Abb. 23: Sambucus canadensis – Fruchtstand (aus Bundessortenamt 1999)

  • Standortansprüche: Der Kanadische Holunder braucht einen frischen bis feuchten und tiefgründigen Boden (Bundessortenamt 1999).
  • Sorten und Varietäten: Schon bevor mit den Klosterneuburger Sorten ´Donau´ und ´Haschberg´ erste Anbauversuche durchgeführt wurden, wurden in Amerika 25 Kultursorten von S. canadensis im erwerbsmäßigen Anbau verwendet. Diese sind entweder Klone oder Nachkommen von Sämlingen. Als wichtigste Sorten gelten ´Adams Nr. 1´, ´Adams Nr. 2´, ´John´, ´Scotia´, ´Kent´, ´Nova´ und ´Victoria´ (Strauss 1986). Diese Sorten sind im Vergleich zu denjenigen aus Europa nicht sehr ertragreich, ihre Früchte sind auch nicht so reich an Fabstoffen und lassen hinsichtlich ihrer inneren Qualität zu wünschen übrig (Bundessortenamt 1999). Von den nordamerikanischen Sorten hat v.a. ´Adams´ als Kultursorte Bedeutung, denn sie bringt hohe Erträge und große Einzelfrüchte. Sie soll sich hervorragend zur Herstellung von Marmelade und zur Verwendung als Kuchenbelag eignen. Eine weitere Kultursorte ist ´York´, welche v.a. in Großbritannien verbreitet ist. Daneben gibt es noch eine rotfrüchtige Sorte ´Rubra´ und die Sorte ´Chlorocarpa´ mit blaßgelben Früchten. Weiterhin existieren von dieser Art noch einige Varietäten und Ziersorten (Rücker 1997).
  • Verwendungsmöglichkeiten: Im Gegensatz zum Schwarzen Holunder sind die Früchte des Amerikanischen Holunders auch zur Weinherstellung gut geeignet, weil sie eine größere Menge an Fruchtsäuren beinhalten (Rücker 1997).

2.5.10.2 Sambucus caerulea

Diese Art wird zu Deutsch Blauer oder Blaubeeren-Holunder genannt und wird als Kleinbaum 10 - 15 m hoch. Sie ist im Westteil Nordamerikas anzutreffen. Die Früchte sind schwarzblau bereift und ebenfalls als Obst verwertbar, doch können auch sie erst nach Erhitzen verzehrt werden. Auch beim Blauen Holunder sind die Beeren zur Weinherstellung recht gut geeignet. Die Frosthärte reicht jedoch nur bis ca. -23 °C. Vom Blauen Holunder existieren auch zwei Varietäten (var. velutina, var. neomexicana) und ein paar Ziersorten (Rücker 1997).

2.5.10.3 Roter Holunder (Sambucus racemosa)

  • Vorkommen: Der Rote Holunder, auch Hirsch- oder Trauben-Holunder genannt, ist in Europa und Westasien in Wäldern anzutreffen, auch an Waldrändern, in Gebüschen und auf Lichtungen ist er zu finden.
  • Erscheinungsbild: Dieser Strauch erreicht eine Höhe von nur 1 - 3 m (Bundessortenamt 1999), mitunter wird er auch bis 8 m hoch (Rücker 1997). Er wächst aufrecht bis breit und mittelstark. Die früh austreibenden Blätter sind i.d.R. fünfzählig gefiedert. Die Fiederblätter sind dunkler, schmaler und mit längeren Blattstielen versehen als beim Schwarzen Holunder. Schon während des Blattaustriebs erscheinen die gelblichgrünen, kegelförmigen Blütenrispen. Die daraus entstehenden Früchte sind leuchtend rot (Bundessortenamt 1999), glänzend und 4 - 5 mm dick (Rücker 1997), sie werden im Juli bzw. August reif und enthalten kein giftiges Sambunigrin.

Abb. 24: Sambucus racemosa mit reifen Früchten

  • Standortansprüche: Der Trauben-Holunder gedeiht sowohl an sonnigen, als auch an halbschattigen Plätzen ganz gut. Er toleriert große Kälte und viel Wind. Der Boden sollte jedoch frisch bis feucht, reich an Stickstoff und nicht kalkhaltig sein. Salzbelastung, Trockenheit und Hitze werden nicht vertragen.
  • Pflanzung: Diese Holunderart ist v.a. für Gärten als Solitär- oder Gruppenpflanze in Mischpflanzungen geeignet, auch in der Landschaftspflege wird sie bei der Befestigung von Böschungen und aufgeschütteten Hängen eingesetzt (Bundessortenamt 1999).
  • Bodenpflege: Wurzelverletzungen sollten vermieden werden, da sich sonst Wurzelschößlinge bilden (Rücker 1997).
  • Verwendungsmöglichkeiten: Die Früchte selbst enthalten zwar kein giftiges Sambunigrin, aber in den Samen ist es dennoch enthalten. Deshalb müssen diese bei der Verwendung der Früchte als Obst beseitigt werden. Die so behandelten Beeren sind zur Verarbeitung mit anderen Früchten zu Gelee, Marmelade, Saft und anderen Erzeugnissen geeignet, v.a. als Beimischung zu Birnen- oder Rhabarbersaft sind sie ausgezeichnet verwendbar (Bundessortenamt 1999). Auch in der Naturheilkunde findet der Rote Holunder Verwendung (Keppel et. al. 1991). Für die Nutzung als Ziergehölz gibt es spezielle Auslesen, die oft schwächer wachsen und nicht allzu hoch werden (Rücker 1997).
  • weitere europäische Arten: Der Attich oder Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus) ist eine Staude und deutlich niedriger als die anderen beiden einheimischen Arten mit nur 0,6 - 1,7 m Höhe (Rücker 1997). Die Früchte des Attich sind braunrot und nicht zum Verzehr geeignet (Buchter-Weisbrodt 2001). Die ganze Pflanze wird als giftig angesehen und soll nach Verzehr heftige Gesundheitsstörungen hervorrufen. Nach Erhitzen sind allerdings auch bei dieser Art die Früchte frei von den giftigen Glykosiden (Rücker 1997).
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