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Aus der Dplomarbeit von Andreas Zeitlhöfler 2002: Die obstbauliche Nutzung von Wildobstgehölzen
3.2 Mespilus germanica - Mispel3.2.1 ALLGEMEINES
3.2.2 GESCHICHTE DES MISPELANBAUS UND AKTUELLE ENTWICKLUNGEN Die Mispel wird nachweislich schon seit beinahe 3000 Jahren im Orient als Obstart angebaut (Albrecht 1996). Erst die Römer brachten diese Art nach West- und Mitteleuropa (Mischke 1997 b), was vor etwa 2000 Jahren geschah (Anonymus 2000 a). Schon Karl der Große gab Ratschläge für den Mispelanbau (Friedrich, Schuricht 1985), und im Mittelalter war die Mispel eine geschätzte Obstart (Mischke 1997 b). Noch bis vor 100 Jahren war dieses "Wildobstgehölz" oft in Bauerngärten anzutreffen (Albrecht 1996). In der folgenden Zeit geriet diese Obstart jedoch fast in Vergessenheit, erst in letzter Zeit ist sie wieder im Kommen. Allerdings wird sie heute mehr als Zierpflanze in der naturnahen Gartengestaltung eingesetzt (Anonymus 2000 a). Es wäre jedoch durchaus möglich, daß die Mispel auch als Obstart wieder eine größere Bedeutung erhält, zumal sie ja bis vor kurzem noch in Weinbergen häufig anzutreffen war. Sie bringt dafür auch gute Voraussetzungen mit wie einen frühen Ertragsbeginn bei gleichzeitig regelmäßigen Erträgen und einen niedrigen Wuchs, welcher sich durch spezielle Schnittmaßnahmen auf ca. 2 - 3 m reduzieren ließe. Dagegen stellt die hohe Feuerbrandanfälligkeit für den Anbau ein Problem dar (Bartels et. al. 1998 a). In Österreich wurde erst 1992 wieder bzw. zum ersten Mal eine reine Mispelanlage angelegt vom Betrieb Muthenthaler in Schwallenbach bei Spitz an der Donau. Franz Muthenthaler stellte den Betrieb ganz auf die Sparte Obst- und Weinbau um und nutzte dabei die bei der Auflösung der Rinderhaltung frei gewordene Fläche von einem halben ha Grünland in Südlage zur Pflanzung einer "Asperlanlage". Bisher hat der Betriebsleiter den Einstieg in den Mispelanbau nicht bereut. Es muß sich jedoch erst noch zeigen, ob sich die Früchte am Markt auch in den erzeugten Mengen und zu vernünftigen Preisen absetzen lassen. Im letzten Jahr rechnete Herr Muthenthaler mit einem Preis von 20.-S/kg Steinäpfel (= ca. 3DM/kg) bei Absatz und Vermarktung der Früchte für den Frischmarkt und für Feinkostläden, wozu allerdings die Erträge noch nicht hoch genug waren (Schachinger 2000). Derzeit ist jedoch bereits eine steigende Nachfrage nach diesem Obst erkennbar (Albrecht 1996). Außerhalb von Mitteleuropa ist die Mispel v.a. in ost- und südosteuropäischen Ländern wie Bulgarien, Jugoslawien, Rumänien und Ungarn noch häufiger in Obstanlagen zu finden. Eine wichtige Rolle als Obstart spielt sie noch in verschiedenen Regionen Rußlands und des Kaukasus, so auf der Krim, in Dagestan, im Kaukasus selbst, in Asserbeidschan und in der Talych-Niederung (Friedrich, Schuricht 1985). Auch in England, Italien und in den Niederlanden wird sie noch hier und da angebaut. In Nordamerika ist sie in Kalifornien bereits verwildert, ebenso in Japan (Bundessortenamt 1999). 3.2.3 ERSCHEINUNGSBILD Die Mispel tritt entweder als Strauch mit oft mehreren Stämmen oder als kleiner Baum in Erscheinung und erreicht eine Höhe von 2 - 6 m. Sie wächst sparrig und breit ausladend. Während bei der Wildform die Kurztriebe teilweise bedornt sind, fehlen die Dornen bei den Kultursorten weitgehend. Die wechselständigen Blätter sind länglich-schmal-elliptisch, ganzrandig und auf der Oberseite matt dunkelgrün, wohingegen die Unterseite eher hellgrün erscheint und an den Blattnerven eine filzige Behaarung aufweist. Die Blätter sind 10 - 12 cm lang und 3 - 5 cm breit. Die meist selbstfruchtbaren, weißen Einzelblüten sind am Ende von Haupt- und Seitentrieben zu finden und ohne Geruch. Die Blütezeit dauert fünf bis acht Tage von Mai bis Juni. Daraus entstehen kurz gestielte Scheinfrüchte, die als Sammelsteinfrüchte zu bezeichnen sind, mitunter werden sie auch "Steinäpfel" genannt. Diese ähneln mehr oder weniger Äpfeln oder Birnen, z.T. sind sie auch mehr kreisel- oder verkehrt kegelförmig. Der obere Pol ist typisch abgeflacht und weist in der Mitte eine tiefe, schüsselförmige Kelchgrube auf, welche von verlaubten und verlängerten Kelchblättern umgeben ist. Diese können entweder aufrecht stehen oder sich zueinander neigen. Diese Früchte können bei Kultursorten 50 - 60 mm groß werden. Manchmal erreichen sie auch nur eine Größe von 20 - 30 mm und wiegen dann 15 - 20 g. Im reifen Zustand sind die Früchte nicht nur außen, sondern auch innen typisch braun. Der Fruchtfleischanteil liegt bei ca. 80 %. Diese Steinäpfel bleiben auch noch nach dem Laubfall am Gehölz haften. Erst nach den ersten Frösten oder nach Lagerung werden sie genießbar (Friedrich, Schuricht 1985). Der Geschmack ist dann herb, frisch und angenehm säuerlich (Anonymus 2000 a).
3.2.4 INHALTSSTOFFE Die Früchte enthalten v.a. viel Zucker mit einem Anteil von 6 - 9 %, bei den Früchte aus dem Kaukasus soll er sogar bis zu 17 % ausmachen. Auch der Stärke- und der Pektinanteil sind recht hoch (Friedrich, Schuricht 1985), Gerbstoffe sind ebenfalls reichlich enthalten (Albrecht 1996). Weitere nennenswerte Bestandteile der Mispelfrüchte sind Eiweiße und Fette (Mischke 1997 b). Von den Fruchtsäuren ist v.a. die Apfelsäure stark vertreten (Bundessortenamt 1999).Weitere Angaben sind aus folgender Tabelle zu entnehmen: Tab. 14: Gehalte und Anteile der wichtigsten Inhaltsstoffe der Mispelfrüchte
Quellen: 1 Bundessortenamt 1999; 2 Friedrich, Schuricht 1985 3.2.5 ANLEITUNGEN ZUR KULTUR Standortansprüche: Die Mispel bevorzugt nährstoffreiche, lehmige, warme und etwas kalkhaltige Böden, die nicht allzu trocken sind. Auch auf kiesigen und flachgründigen Standorten gedeiht sie noch ganz gut. Sogar auf steinigen und mageren Substraten kommt sie noch gut zurecht, solange der Boden genügend feucht ist (Friedrich, Schuricht 1985). Die Mispel verträgt auch große Hitze ganz gut. Auch im Halbschatten kann der Mispelstrauch noch gut gedeihen, doch sind ihm warme, nicht allzu trockene Hanglagen am liebsten (Bartels et. al. 1998 a). Nasse und sehr leichte, trockene Böden sind dagegen zu vermeiden, denn bei zu großer Bodenfeuchtigkeit hören die Pflanzen erst spät zu wachsen auf, was die Anfälligkeit für Holzfrostschäden erhöht; auf sehr trockenen Substraten wachsen sie dagegen nur sehr langsam (Friedrich, Schuricht 1985). Der Standort sollte im allgemeinen sonnig und mäßig trocken sein (Mischke 1997 b). Ein großes Problem stellt die Frostempfindlichkeit der Mispel dar, denn schon bei -15 °C können erste Holzfrostschäden auftreten (Anonymus 2000 a). Im allgemeinen gleichen ihre Wärmeansprüche denjenigen der Tafelbirne. Dagegen sind Spätfrostschäden kaum zu erwarten, weil die Blüten erst in der zweiten Maihälfte erscheinen (Albrecht 1996). Dafür vertragen diese keine Nässe oder Nebel (Friedrich, Schuricht 1985). Anzucht: Die Mispel läßt sich zwar durch Aussaat vermehren, doch sind solche Sämlingspflanzen mehr als Zierbäume für den Garten oder für Vogelschutzhecken geeignet, da sie nicht sortenecht ausfallen (Anonymus 2000 a). Für die Vermehrung von Kultursorten ist die Veredlung die gebräuchliche Vermehrungsmethode, wofür sich nicht nur Weißdorn, sondern auch Birne, Quitte, die Mispel selbst (Buchter-Weisbrodt 1997) und sogar die Eberesche als Unterlage eignen (Bundessortenamt 1999) Am häufigsten wird die Veredlung auf wilde Mispel oder Weißdorn durchgeführt (Anonymus 2000 a). Von den Quittenunterlagen wird v.a. ´Quitte A´ eingesetzt, welche sich nach den ersten Erkenntnissen gut mit der Mispel kombinieren läßt, auch beginnen solche Pflanzen schon etwa ab dem zweiten oder dritten Standjahr zu blühen und zu fruchten, doch dafür sind sie ziemlich standschwach. Es kann sogar passieren, daß solche Veredlungen unter der Last der Früchte umknicken, wenn sie nicht an einen Pfahl oder einen Draht gebunden werden. Dagegen bringt eine Veredlung auf Birnensämlinge größere Halbstämme, die kräftiger wachsen und eine längere Lebensdauer aufweisen. Sie sind auch deutlich standfester (Bartels et. al. 1998 a). Die Mispel kann auch auf vegetative Weise durch bleistiftstarke Wurzelschnittlinge oder fingerlange Fuß- oder Kopfstecklinge erfolgreich vermehrt werden (Friedrich, Schuricht 1985). Pflanzung: Wenn Mispel in Gruppen gepflanzt wird, reicht ein Pflanzabstand von 3 m zwischen den Pflanzen aus, denn erst nach sieben bis acht Jahren wird der Standraum von den Bäumen ausgefüllt (Buchter-Weisbrodt 1997). Bei Pflanzung von schwachwachsenden, auf Quitte veredelten Pflanzen wird ein Reihenabstand von 3,5 - 4 m und ein solcher in der Reihe von 2,5 - 3 m empfohlen. Diese eignen sich jedoch nur für intensiv bewirtschaftete Anlagen, wo sie ein Leben lang an Stützvorrichtungen befestigt werden müssen. Diese können Pfähle oder Drahtrahmen sein (Bartels et. al. 1998 a). Auch in der Mispel-Anlage des österreichischen Betriebs Muthenthaler wurden Mispelbäume in einem ähnlichen Pflanzabstand von 3,8 x 3,5 m gepflanzt, wobei Herr Muthenthaler derzeit auch einen Abstand von 3,0 x 3,0 m als ausreichend angibt (Schachinger 2000). Wenn dagegen kräftigere, auf Birne veredelte Halbstämme verwendet werden, so sollte der Pflanzabstand 6 x 5 m betragen (Bartels et. al. 1998 a). Erziehung und Schnitt: Die Mispel braucht nicht viel Schnitt, sie ist sogar für eine strenge Erziehungsform völlig ungeeignet. Lediglich bei den erwachsenen Bäumen sollte von Zeit zu Zeit die Krone ausgelichtet werden, damit sich verstärkt neue Triebe bilden. Ein regelmäßiger Schnitt ist dagegen schon deshalb nicht anzuraten, da sich bei der Mispel die Blüten am Ende der Kurztriebe entwickeln (Buchter-Weisbrodt 1997). Es ist jedoch möglich, diese Wildobstart als Halbstamm von 3 - 6 m Höhe zu erziehen. Als Solcher kann sie ein Alter von 40 - 50 Jahren erreichen, solange keine großen Holzfrostschäden auftreten. Solche Halbstämme erleichtern auch bei maschineller Ernte das Auffangen der Früchte. In Baden-Württemberg werden seit einigen Jahren auch auf Quitte veredelte Mispelbüsche gepflanzt (Bartels et. al. 1998 a). Besonders in Österreich wird bei Mispelbäumen auch die Hohlkrone oder die sogenannte "Öschbergkrone" als Kronenform angewendet. Dort bemüht sich der Mispel-Anbauer Franz Muthentaler auch darum, die Wuchshöhe solcher Bäume in Zukunft von 4 - 5 m durch Schnitt auf 2 - 3 m zu reduzieren (Schachinger 2000). Pflanzenschutz: Die Mispel wird kaum von Schädlingen oder Krankheitserregern heimgesucht. In der österreichischen Mispelanlage von Herrn Muthenthaler verursachten nur die Blattläuse nennenswerte Schäden, welche aber von Nützlingen wie z.B. Marienkäfern ausreichend bekämpft wurden. Selbst die Vögel fielen kaum über die Früchte her (Schachinger 2000). Weil die Mispel aber wie Apfel und Birne zur Unterfamilie der Maloideae gehört, ist auch sie für den Feuerbrand anfällig. Es ist jedoch noch unklar, wie hoch die Anfälligkeit von Mespilus germanica dafür wirklich ist. Nach den neuesten Erkenntnissen scheint sie allerdings eher gering zu sein. Dennoch sollten Mispeln möglichst nicht in die Nähe von Apfel- und Birnenanlagen gepflanzt werden, zur Vorsorge wäre zumindest eine regelmäßige Kontrolle der Bestände angebracht (Mischke 1997 b). Sonstige Kulturarbeiten: Zur Anregung des von Natur aus langsamen Wachstums wird empfohlen, die Baumscheiben von Beikräutern frei zu halten und eine leichte Düngung durchzuführen (Buchter-Weisbrodt 1997). Zum Schutz vor Wildverbiß und Fegeschäden ist die Einzäunung der Anlagen in gefährdeten Gebieten dringend anzuraten. In der ersten und bisher einzigen bekannten Mispelanlage von Österreich wurde eine Begrünung durchgeführt. Zusätzlich wird der Boden dort zwischen den Reihen mehrere Male gemulcht, während das Gras in den Reihen durch den Einsatz einer Motorsense kurz gehalten wird (Schachinger 2000). Ernte: Die Früchte bleiben auch nach dem Laubfall noch ziemlich fest hängen, wodurch die Ernte über einen langen Zeitraum erfolgen kann. Sie sollte Ende Oktober beginnen, sobald die Fruchtfarbe von braungrün nach rostbraun umschlägt (Buchter-Weisbrodt 1997). Die Mispelfrüchte machen eine gleichmäßige Reife durch. Sie brauchen zwar keinen Frost, um genießbar gemacht zu werden, doch wird durch ihn die Reife beschleunigt (Schachinger 2000). Um diese Zeit geerntete Früchte müssen deshalb noch einige Zeit lagern, denn erst dann wird das harte Fruchtfleisch teigig und somit kann anschließend durch Fermentation das typische Aroma der Früchte entstehen (Buchter-Weisbrodt 1997). Es bietet sich die Ernte durch Pflücken von Hand an, welche sich als einigermaßen effizient erwiesen hat (Bartels et. al. 1998 a). Nach den Erfahrungen des österreichischen Mispelanbaubetriebs Muthenthaler kann diese in zwei Erntedurchgängen in einer Woche erledigt werden. Dort werden die Früchte bei der Ernte im vollreifen Zustand für den Frischmarkt in flache Steigen abgelegt, da sie sehr weich sind. Der Arbeitszeitaufwand für die manuelle Pflückernte beträgt bei ihm ca. 100 Stunden je ha (Schachinger 2000). Auch der Einsatz von Schüttelgeräten wäre denkbar, oder es wird gleich auf den natürlichen Fruchtfall nach den ersten Frösten gewartet. Hierfür wäre der Halbstamm als Erziehungsform anzuraten, weil so die herabfallenden Früchte auf Tüchern oder in Auffangschirmen gesammelt werden können (Bartels et. al. 1998 a). Das Abschütteln der Früchte bietet sich v.a. bei der Gewinnung von Destillaten an. Die Lagerfähigkeit der Mispelfrüchte ist sehr begrenzt. Wenn die Früchte im pflückreifen Zustand geerntet werden, sind sie auch bei niedrigen Temperaturen nur eine Woche lang gut lagerbar, bei Lagerung ohne Kühlung gar nur zwei bis drei Tage (Schachinger 2000). Es ist zwar möglich, daß sich die Früchte sogar drei Wochen lang halten (Buchter-Weisbrodt 1997), doch gehen dann wohl viele Inhaltsstoffe verloren. Für die Verwendung der Früchte zur Herstellung von alkoholischen Getränken wird empfohlen, die Steinäpfel zur Reifelagerung in Beerenkisten zu maximal zwei bis drei Lagen zu stapeln. Für diesen Zweck können sie auch zehn Tage und mehr gelagert werden, bis das Fruchtfleisch teigig wird (Bartels et. al. 1998 a). Es ist auch ein Abdecken der Früchte mit Spreu oder Stroh oder ein Aufhängen der Steinäpfel in Reihen möglich. Generell sollten die Mispelfrüchte sich nicht berühren, und die Nachreife sollte sich geregelt vollziehen, wobei sie durch Wärmezufuhr beschleunigt werden kann. Die Mispel bringt regelmäßige Erträge, welche bei günstigen Bedingungen bis zu 30 kg und mehr pro Pflanze und Jahr betragen können. In günstigen Jahren kann ein Flächenertrag von 100 dt/ha erreicht werden (Friedrich, Schuricht 1985). Erste Erträge sind dabei nach vier Jahren zu erwarten. Der Vollertrag stellt sich jedoch erst nach zehn Jahren ein, allerdings können auch die Kultursorten ein Alter von 100 Jahren erreichen (Schachinger 2000), und im Durchschnitt sind 12 - 18 Ertragsjahre durchaus realistisch (Friedrich, Schuricht 1985). 3.2.6 VERARBEITUNG Im rohen Zustand sind die Früchte erst nach Frosteinwirkung oder Lagerung zum Frischverzehr geeignet. Sie lassen sich dann auch zu Marmelade, Konfitüre, Mus (Albrecht 1996), Gelee, Säften, Kompott, Likör und Wein verarbeiten. Bei der Herstellung von Kompott und Marmelade werden die Früchte oft mit Birnen, Äpfeln und anderen Wildfrüchten gemischt. Vor allem in gezuckertem Essig eingelegte Mispelfrüchte gelten als wahre Delikatesse (Mischke 1997 b). Im Altertum wurden sie auch in Honig eingelegt, und Christ empfahl 1797 mit Butter, Zucker und Wein gedämpfte Mispelfrüchte. In wärmeren Gebieten lassen sie sich durch ihren hohen Stärkeanteil auch leicht trocknen, woraus ein aromatisches Mehl gewonnen wird. Dieses wird in der Konditorei vielfach verwendet (Friedrich, Schuricht 1985). In früheren Zeiten wurden sie auch gerne als Saft Wein oder Most zugesetzt, wobei die enthaltenen Gerbstoffe als natürliche Konservierungsstoffe dienten (Anonymus 2000 a). Bis vor wenigen Jahren war in Südbaden noch Mispelbrand in kleinen Mengen erhältlich, welcher von Spezialisten als Spezialität produziert wurde. Weil aber die Mispel im privaten und öffentlichen Grün, aber auch in der freien Natur immer seltener zu finden ist, wird diese Verwendungsmöglichkeit wohl noch mehr an Bedeutung verlieren (Bartels et. al. 1998 a). Auch sind solche Brände recht teuer, da die Alkoholausbeute mit 1,5 % recht gering ist (Schachinger 2000). 3.2.7 SORTEN Schon von Natur aus existieren zwei verschiedene Formen, deren Früchte sich voneinander unterscheiden. So sind bei der f. fructu allongata die Steinäpfel eher länglich-eirund, relativ klein und mit einem fast geschlossenen Kelch versehen, währen sie bei der f. fructu turbinata größer und breitrundlich-kreiselförmig sind und einen eher offenen Kelch aufweisen. Die heute bekannten Sorten sind v.a. Relikte aus früheren Zeiten, in denen die Mispel noch eine bedeutungsvolle Obstart war, denn in der jüngsten Vergangenheit wurden kaum noch neue Sorten gezüchtet (Friedrich, Schuricht 1985). Aktuell sind v.a. folgende Sorten im Umlauf:
Weiterhin existieren auch Sorten, bei denen mehr der Zierwert im Vordergrund steht (Mischke 1997 b). Daneben sind aus Asserbeidschan Lokalsorten bekannt, welche Erträge von 60 - 80 kg/Strauch und Jahr bringen. Vom russischen Züchter Michurin wurde die Mispel auch mit der Eberesche gekreuzt, woraus die Sorte ´Michurina Desertnaja´ hervorging (Friedrich, Schuricht 1985). Weitere Angaben zu dieser Kreuzung finden sich in der Abhandlung über die Eberesche auf S. 132. Zurück zum Seitenanfang |
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