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Aus der Dplomarbeit von Andreas Zeitlhöfler 2002: Die obstbauliche Nutzung von Wildobstgehölzen
3.3 Rosa sp. (Fruchtrosen) 3.3.1 ALLGEMEINES Es sind mehr als 150 verschiedene Wildrosenarten bekannt, die alle in der nördlichen gemäßigten und subtropischen Klimazone vorkommen. Diese werden heute in verschiedene Sektionen unterteilt. Insbesondere die polyploiden Arten sind für die obstbauliche Nutzung besonders interessant, da sie meist größere Früchte aufweisen (Graf, Kreß 1996 c). Die Liste der zu den Fruchtrosen zählenden Arten ist lang, die wichtigsten von ihnen werden im Kapitel "Arten und Sorten" beschrieben. 3.3.2 GESCHICHTE DES FRUCHTROSENANBAUS UND AKTUELLE ENTWICKLUNGEN Die Rose scheint schon sehr früh angebaut worden zu sein, allerdings mehr wegen des Blütenschmucks und nicht so sehr als Obst. So sind von den alten Persern erwerbsmäßig bewirtschaftete Rosengärten bekannt, und schon bald darauf war die Rose als Kulturflanze fast im ganzen indogermanischen Sprachraum vom Atlantik bis zum Ganges bekannt. In Griechenland ist die Rose als Zierpflanze seit 1200 v.Chr. bekannt. Im Ägyptischen und Römischen Reich stieg sie auf zur wichtigsten Blume, wobei sie bei großen Festen sehr üppig verwendet wurde. Auch die Kelten und Germanen schmückten Gräber und Opferstätten mit Rosen, allerdings mit wilden Arten. Diese große Bedeutung der Rose als Zierpflanze hält bis in die heutige Zeit an, wobei derzeit eine große Anzahl von Sorten auf dem Markt erhältlich sind. In der Zeit vom 13 - 18. Jahrhundert kam erstmals die Verwendung der Hagebutten als Wildobst im größeren Umfang auf, wobei sie damals bereits in der Küche oft verwendet wurden (Friedrich, Schuricht 1985). In Deutschland war lange Zeit nur die Verwendung von Hagebutten für Tee von Bedeutung, während sie in skandinavischen Ländern schon lange Zeit auch zu Säften und Mus verarbeitet werden (Albrecht 1996). Heute werden die im Anbau zur Verwertung produzierten Früchte nur noch zu einem kleinen Teil für die Gewinnung von Tee-Drogen verwendet. Schon Ende des 18. Jahrhundert war die gute Verwendbarkeit der Apfelrose als Wildobstgehölz bekannt, 100 Jahre später wurde sie auch in der Konditorei schon oft verwendet. Ab etwa 1850 wurden von Obstanbauern bis zu 350 - 400 kg Hagebutten jährlich auf dem Markt in Berlin abgesetzt (Albrecht et. al. 1993). 1989 wurden allein im Osten Deutschlands 700 - 1000 t an frischen Hagebutten gesammelt, aber nicht von Rosensträuchern in Kultur, sondern von wild wachsenden Rosen, v.a. von der Hunds-Rose (Graf, Kreß 1996 c), was v.a. in Thüringen betrieben wurde. In den 60er Jahren begann in Dresden-Pillnitz auch die Züchtung von Sorten, die im Obstbau besonders gut verwendbar sein sollten. So wurde Rosa dumalis mit Rosa pendulina var. salaevensis vom Züchter v. Rathlef gekreuzt, woraus die Sorte ´Pi Ro 3´ entstand. Diese wurde schon bald darauf auf vier Standorten in den thüringischen Städten Ranis bei Pößneck, Nöbdenitz bei Gera und Kölleda und im sächsischen Polkenberg bei Leisnig angebaut, wobei die Größe dieser vier Anlagen zwischen drei und fünf Hektar lag. Allein in den Jahren 1975 - 1988 wurden von dieser Sorte bereits 150 000 Exemplare aufgepflanzt, jedoch v.a. von der Forstwirtschaft, aber auch von Apotheken und Schulen wurde ´Pi Ro 3´ gepflanzt (Albrecht et. al. 1993). Diese Sorte wurde ebenso in den 80er Jahren in der ehemaligen Tschechoslowakei in den Karpaten versuchsmäßig angebaut. Auch in der damaligen UdSSR begann zu dieser Zeit die Einbindung von Fruchtrosen in halb forstwirtschaftliche Anbausysteme, dort besonders in Litauen (Friedrich, Schuricht 1985). Derzeit steht jedoch die Rentabilität des erwerbsmäßigen Anbaus noch in Frage, da sich die Ernte als ziemlich schwierig gestaltet, nicht zuletzt wegen der Stacheln an den Zweigen (Bartels et. al. 1998 a). Größere Erwerbsanlagen mit Fruchtrosen befinden sich derzeit v.a. in Polen und Rußland, wo insbesondere die Kartoffel-Rose verwendet wird (Friedrich, Schuricht 1985). In Rußland werden auch Sorten aus dem Formenkreis von Rosa majalis angebaut, und zwar auf mehreren Hektar großen Flächen. Auch eine besondere Varietät der Alpen-Rose, R. pendulina var. oxyodon, wird dort obstbaulich genutzt. Diese Variante wird auch im niederländischen Wildobstanbau verwendet, ebenso wie die Sorte ´Pi Ro 3´, welche dort schon 1993 auf einer ca. 30 ha großen Fläche angebaut wurde (Albrecht et. al. 1993). Im Moment wird diese jedoch von der Apfel-Rose (Rosa villosa) in ihrem anbaulichen Wert bereits übertroffen, weil diese niedriger ist als andere Fruchtrosen und jene auch hinsichtlich der Fruchtgröße und es Fruchtgewichts übertrifft. Hierbei wurden erste Versuche zu einer maschinellen Ernte mit Fruchtastschnitt und Ernte durch Abrütteln bereits unternommen (Graf, Kreß 1996 c). Die Entwicklung neuer Erntetechniken könnte auch dieser Wildobstart wie dem Sanddorn zum Durchbruch verhelfen (Friedrich, Schuricht 1985). Derzeit wird die Apfel-Rose noch eher als Nebenfrucht angebaut wie z.B. im Betrieb Triquart in Brandenburg. Dieser hat sich zwar auf den Anbau von Sanddorn spezialisiert, doch wurde in der Sanddornanlage jeweils nach sieben Reihen der Sanddornsorte ´Hergo´ auch eine ganze Reihe von dieser Fruchtrose angepflanzt, jedoch v.a. aus ökologischen Gründen. Vom Ertrag her hat sich die Apfel-Rose auf diesem sandigen Standort mit Erträgen von ca. 1200 kg/ha laut Meinung des Betriebsleiters nicht bewährt (Römmler 1997 a). In Deutschland werden von der verarbeitenden Industrie die meisten Hagebutten immer noch aus anderen Ländern importiert, v.a. aus den südamerikanischen Anden, z.B. aus Chile. Früher waren auch Polen, Ungarn, Rumänien, China, Rußland, Jugoslawien und Bulgarien weitere wichtige Exportländer für diese Frucht, z.T. sind sie es auch heute noch. In Nordeuropa wird heute noch aus frischen Hagebutten in Spezialbetrieben Mus hergestellt, die Früchte werden v.a. aus der Slowakei, aus Polen und Jugoslawien in Kühlbehältern dorthin geliefert. In Norwegen sind v.a. die Früchte der Schottischen Zaun-Rose (R. rubiginosa) auf dem Markt vertreten. Auch im fernen Osten werden Fruchtrosen obstbaulich genutzt, dort v.a. die Kartoffel-Rose (Albrecht et. al. 1993). 3.3.3 ERSCHEINUNGSBILD Die meisten Wildrosen treten als niedrige Sträucher in Erscheinung, manche Arten erreichen ein fast baumartiges Wuchsbild, andere klettern mit der Hilfe von Achsen. Die Triebe sind zwar bei allen Rosen mit Stacheln besetzt, doch können diese je nach Art sehr unterschiedlich in Aussehen und Anzahl sein, so daß sie oft eines der wichtigsten Erkennungsmerkmale der einzelnen Vertreter darstellen. Diese können jedoch auch an ein und der selben Pflanze sehr variabel sein, je nachdem, ob sie sich an Langtrieben oder Kurztrieben bzw. an der Strauchbasis oder in den oberen Zweigpartien befinden. Auch die gefiederten Blätter weisen nicht immer dieselbe Anzahl an Fiederblättern auf, was auch ein Erkennungsmerkmal sein kann (Friedrich, Schuricht 1985). Hierbei treten neben sommergrünen auch immergrüne Rosenarten auf. Die meisten Rosenarten sind selbstfruchtbar (Albrecht et. al. 1993). Je nach Art können die Blüten einzeln stehen oder in mehr oder minder vielblütigen Blütenständen zusammengefaßt sein. Diese können Trauben, Rispen und z.T. auch verkürzte Dolden darstellen (Friedrich, Schuricht 1985). Die Hagebutten stellen botanisch gesehen Scheinfrüchte dar. Sie sind meist leuchtend rot und enthalten viele Samen, welche sich im Kelchbecher befinden. Dieser ist sehr fleischig und auf der Innenseite i.d.R. mit Haaren versehen (Graf, Kreß 1996 c). 3.3.4 INHALTSSTOFFE DER HAGEBUTTEN IM ALLGEMEINEN Eine Zusammenstellung der wichtigsten Fruchtrosenarten und ihrer Inhaltsstoffe lautet wie folgt: Tab. 15: Inhaltsstoffe der Früchte von Fruchtrosen nach Graf und Kreß (1996 c)
Wie aus dieser Tabelle ersichtlich ist, weisen die Hagebutten v.a. einen hohen Gehalt an Vitamin C auf, weshalb sie ja auch schon lange als Zusatz für Erkältungstees bekannt sind. Dieser Gehalt bleibt bestehen, wenn die Früchte zu Mus, Rohkost oder Preßsaft verarbeitet werden. Selbst wenn sie erhitzt werden, bleibt immer noch ein recht hoher Anteil übrig (Graf, Kreß 1996 c). Andere Quellen geben sogar noch höhere Vitamin-C-Gehalte an. Auch die Apfel-Rose (Rosa villosa) enthält viel Vitamin C mit 900 - 2000 mg/100 g Frucht, ebenso die Alpen-Rose (R. pendulina; 1000 - 3000 mg Vitamin C/100 g), die Filz-Rose (R. tomentosa; 1500 - 2000 mg Vitamin C/100 g) und R. majalis (1700 mg/100 g). Dabei muß darauf hingewiesen werden, daß der Vitamin-C-Gehalt stark schwanken kann und von vielen Faktoren abhängig ist wie z.B. dem Klima, der Frische der Früchte, dem Stadium der Fruchtreife und dem weiteren Vorgehen bei der Verarbeitung. So wird der höchste Vitamin-C-Gehalt zu Beginn der Vollreife erreicht. Es sind jedoch auch andere Vitamine in größeren Mengen enthalten wie Vitamin B1, Vitamin B2, Vitamin E und Karotin, aber auch die Vitamine P, H und K. Darüber hinaus sind auch verschiedene Mineralstoffe in ihnen vorhanden wie Phosphor, Kalium, Magnesium, Calcium, Natrium und Eisen. Daneben enthalten Hagebutten doppelt soviel Pektin wie Schwarze Johannisbeeren, nämlich 3,5 g Pektin/100 g Frischsubstanz (Albrecht et. al. 1993). Weitere Angaben zu den Inhaltsstoffen können aus den Tabellen auf S. 25 ff. entnommen werden. 3.3.5 ANLEITUNGEN ZUR KULTUR Standortansprüche: Fruchtrosen brauchen generell einen sonnigen Standort. Im Gegensatz zu anderen Arten gedeiht die Kartoffel-Rose auch auf leichten Böden ganz gut. Die Apfel-Rose (Rosa villosa) bevorzugt mehr kalkarme Böden, während Hunds-Rose und Pillnitzer Vitamin-Rose auf kalkhaltigen Böden am besten gedeihen. Auf recht sauren Böden mit pH-Werten von 4,5 - 5,5 ist die Kartoffel-Rose für den Anbau am besten geeignet (Graf, Kreß 1996 c). Anzucht: Bei Hunds- und Apfel-Rose stellt die Aussaat die übliche Vermehrungsmethode dar. Diese Arten werden von Wildobstanbauern meist als zweijährige, verpflanzte Sämlinge bezogen (Graf, Kreß 1996 c). Auch die Apfel-Rose kann auf diese Weise einfach vermehrt werden (Albrecht et. al. 1993). Bei der slowakischen Fruchtsorte ´Karpatica´ dagegen wird die vegetative Vermehrung durch Stecklinge angewendet. Bei der Pillnitzer Vitamin-Rose ist die Veredlung auf Rosa multiflora üblich (Graf, Kreß 1996 c), welche bei Rosen i.d.R. in Form einer Okulation im Juli oder August durchgeführt wird. Noch im selben Jahr können die veredelten Pflanzen gerodet und verkauft werden. Hierbei sollten die Pflanzen sorgsam gerodet und dann schon bald gepflanzt werden (Friedrich, Schuricht 1985). Pflanzung: Der richtige Pflanzabstand muß je nach Art und Sorte gewählt werden. So ist bei der Kartoffel-Rose ein Pflanzabstand von 0,8 m in der Reihe als günstig anzusehen, bei der Apfel-Rose (Rosa villosa) sollte jedoch wegen der Neigung zur Ausläuferbildung ein solcher von 1 m gewählt werden. Bei Pillnitzer Vitamin- und Hunds-Rose sind aufgrund des kräftigen Wuchses Pflanzabstände von 1,5 - 2 m zu empfehlen (Graf, Kreß 1996 c). Generell wird für die Anpflanzung von Kartoffel- und Hunds-Rose eine Rechteckpflanzung mit Abständen von 3,50 m x 1,50 m empfohlen, was auch für die Wein-Rose (Rosa rubiginosa) günstig sein soll (Bartels et. al. 1998 a). Generell wird für alle Fruchtrosen ein Reihenabstand von 3,5 - 4 m empfohlen (Albrecht et. al. 1993). Bei veredelten Pflanzen ist v.a. darauf zu achten, daß die Veredlungsstelle gut verwachsen ist und daß die Pflanzen ein kräftiges Wachstum aufweisen, besonders das Wurzelsystem soll gut entwickelt sein (Friedrich, Schuricht 1985). Fruchtrosen sollten am besten im Herbst gepflanzt werden (Graf, Kreß 1996 c), doch auch im Frühling können sie noch gut verpflanzt werden. Insbesondere bei der Pflanzung von Hecken oder in geschlossenen Pflanzungen sollte der Boden vorher tiefgründig mit einem Untergrundlockerer aufgerissen werden und anschließend mit Kompost, Mineraldünger und Stalldung angereichert werden. Beim Pflanzen kann dann der Erdaushub mit Kompost gemischt werden, gleichzeitig wird eine Düngung von ca. 50 g NPK-Dünger pro Pflanze verabreicht. Nach dem Pflanzen sollten die Sträucher leicht angehäufelt werden, was nach dem Austrieb erneut geschehen sollte. Eine Abdeckung der Pflanzscheibe mit Stalldung, Kompost oder evtl. auch Folie wird empfohlen. Insbesondere bei trockener Witterung müssen die Pflanzen angegossen werden. Je nach Verdichtungszustand des Bodens kann auch eine wiederholte Lockerung des Bodens erforderlich sein. Weiterhin ist beim Pflanzen ein Pflanzschnitt durchzuführen, bei welchem die Triebe bis auf ein paar Knospen zurückgeschnitten werden. Hierbei sollen an starken Trieben vier bis fünf, an schwachen nur zwei bis drei Knospen belassen werden. Wichtig ist dabei, daß die obersten Knospen nach dem Schnitt nach außen stehen, damit gleichzeitig eine lockere Verzweigung erreicht wird (Friedrich, Schuricht 1985).
Erziehung und Schnitt: Bei den einzelnen Fruchtrosenarten sind die jeweils durchzuführenden Schnittmaßnahmen ziemlich unterschiedlich. Sie lauten wie folgt:
Daneben kann bei allen genannten Arten ein Rückschnitt gut durchgeführt werden, weil sie sich danach wieder gut regenerieren (Graf, Kreß 1996 c). Deshalb kann auch statt eines teilweisen alle acht bis zehn Jahre ein radikaler Rückschnitt angewendet werden, bei dem alle Zweige über dem Erdboden entfernt werden. Diese Arbeit kann auch maschinell durchgeführt werden, was für größere Erwerbsanlagen interessant sein dürfte. Zwar werden dann im Jahr nach dem Rückschnitt keine oder nur wenig Früchte erscheinen, doch können die Sträucher in den nächsten Jahren wieder besser abgeerntet werden (Bartels et. al. 1998 a). Pflanzenschutz: Wie andere Rosen auch, so treten gerade bei den Vitamin-Rosen aus Pillnitz zahlreiche Schädlinge und Krankheitserreger auf. Von den Krankheitserregern sind dies v.a. Pilze wie der Echte Mehltau, der Sternrußtau oder der Rost (Graf, Kreß 1996 c). Hiervon ist v.a. der Echte Rosenmehltau (Sphaerotheca pannosa var. rosae) besonders schädlich, wenn auch in scheinbar geringerem Ausmaß als bei den edleren Gartenrosen. Dieser Pilz kann durch Spritzen oder Stäuben von schwefelhaltigen Mitteln, soweit zugelassen, leicht bekämpft werden, indem diese Behandlung alle 10 - 14 Tage mehrmals durchgeführt wird. Der Falsche Mehltau (Peronospora sparsa) tritt dagegen an ´Pi Ro 3´ deutlich seltener auf als an Zierrosen. Dagegen stellt der Rosenrost (Phragmidium subcorticum) eine große Bedrohung dar. Er tritt v.a. im Frühling an Blattrippen, -stielen und anderen frischen Pflanzenteilen auf und zeigt sich zunächst durch Schwielen, im Sommer aber durch zahlreiche rote Pusteln an der Blattunterseite, die einen gelben Rand aufweisen. Hier können Kupferoxid-Mittel zum Zeitpunkt des Blattfalls wirksam helfen, zusätzlich wird während der Vegetationszeit eine wiederholte Ausbringung von Schwefel und organischen Fungiziden empfohlen. Die zuletzt genannte pilzliche Erkrankung, der Sternrußtau (Marssonina rosae) ist an Vitamin-Rosen selten zu finden. Er kann auf die gleiche Weise wie der Rosenrost bekämpft werden. Als weiterer pilzicher Schaderreger wird die Knospenfäule, ausgelöst von Botrytis cinerea, genannt. Dieser kann insbesondere bei kühlfeuchtem Wetter die Entfaltung und Befruchtung der Blüten stark behindern, so daß die Blüte verkümmert. Als hierbei wirksame Mittel werden Thiram und Captan genannt, doch muß deren Zulassung beachtet werden (Friedrich, Schuricht 1985). Als Schädlinge sind besonders die Blattläuse erwähnenswert, daneben auch Zikaden, Spinnmilben und einige verschiedene Blattwespen. Mitunter können auch Rosengallwespen größere Schäden verursachen (Graf, Kreß 1996 c). Diese gehören zu den Cynipiden (Rhodites rosae) und verursachen an den Trieben oft zahlreiche Gallen durch das Einspritzen von giftigen Stoffen beim Einstechen in das Blattgewebe. Um diese Erscheinungen zu verhindern, sollten die befallenen Triebe entfernt werden. Auch die Bürstenhornwespe (Arge rosae) kann durch das Ausfressen von Gipfeltrieben deutliche Schäden hervorrufen. An jungen Trieben kann auch der Rosentriebbohrer (Ardis brunniventris) Schäden verursachen. Mitunter treten auch gekräuselte Blätter auf, welche durch Parenchymgallen von Blennocampa pusilla ausgelöst werden. Hin und wieder schneiden Rosenschneider (Megachile centuncularis) kreisrunde Löcher in die Blätter. Rosenblattläuse (Siphonphera rosarum) erzeugen gelegentlich Saugschäden. Ein ständiger Begleiter der Rosen ist ebenso die Kleine Rosenzikade (Typhlocyba rosae). Daneben verursachen verschiedene Laufkäfer immer wieder Fraßschäden an den Blättern, die Blüten werden dagegen gerne vom Rosenkäfer (Cetonia aurata) angefressen (Friedrich, Schuricht 1985). Hinzu kommt bei der Kartoffel-Rose und der Pillnitzer Vitamin-Rose auch die Hagebuttenfliege, welche öfter deren Früchte stark schädigt, indem sie ihre Eier in die noch unreifen Hagebutten legt. Die von den Larven angefressenen Hagebutten weisen oft Flecken auf, typisch ist auch eine Deformierung der Früchte (Graf, Kreß 1996 c). Wenn die Rosenfruchtfliege (Rhagoletis alternata) auftritt, so kann sie gut mit biologischen Mitteln bekämpft werden (Friedrich, Schuricht 1985). Dagegen gelten Apfel-Rose (Rosa villosa) und Hunds-Rose als weniger anfällig für irgendwelche Schaderreger (Bartels et. al. 1998 a). Eine Spezialität an veredelten Rosen stellt die Okuliermade der Gallmücke Thomasiniana oculiperda dar, welche in der Nähe der Veredlungsstellen manchmal ihre Fraßspuren hinterlassen und so bei solchen Pflanzen immer wieder für große Ausfälle sorgen. Um diese 2 mm langen, zinnoberroten und fußlosen Maden fernzuhalten, sollte die Veredlungsstelle immer mit Baumwachs verstrichen oder auf andere Weise verschlossen werden (Friedrich, Schuricht 1985). Bodenpflege und Düngung: Der Pflanzstreifen muß nur in den ersten beiden Standjahren von Beikräutern freigehalten werden, gleichzeitig ist in dieser Zeit auch eine Bodenlockerung des Strauchstreifens sinnvoll. Später können die Beikräuter durch die immer breiteren Pflanzen kaum noch mechanisch bekämpft werden, bis zu einem gewissen Maße kann das Unkraut auch belassen werden (Graf, Kreß 1996 c). Beim Einsatz von Herbiziden ist zu bedenken, daß die Rosen auf einige dieser Mittel wie z.B. Simazin recht empfindlich reagieren (Friedrich, Schuricht 1985). Im erwerbsmäßigen Anbau ist eine Düngung empfehlenswert, wobei aber noch keine großen Erfahrungen vorliegen. Es wird derzeit eine Gabe von 30 g organisch-mineralischem NPK-Dünger je m² (= 300 kg/ha) angeraten, diese soll zu einem guten Zuwachs der neuen Triebe führen. Zusätzlich muß der Kalkgehalt des Bodens evtl. auf sauren Böden durch Kalkung angehoben werden, wobei auf die jeweiligen Bedürfnisse von Art und Sorte eingegangen werden muß (Graf, Kreß 1996 c). Hierbei wird generell eine Gabe von doppelt soviel Kalk wie NPK-Dünger empfohlen, die von der restlichen Düngung zeitlich getrennt erfolgen sollte (Friedrich, Schuricht 1985). Ernte und Erträge: Bei der Ernte müssen die Früchte zwar vollreif, aber gleichzeitig noch fest sein, weil der Vitamin-C-Gehalt unreifer und überreifer Früchte deutlich niedriger ist als zum optimalen Zeitpunkt. Ein großer Vorteil von Hunds-Rose, Pillnitzer Vitamin-Rose und Apfel-Rose (Rosa villosa) zeigt sich hierbei darin, daß bei ihnen die Früchte zur gleichen Zeit reif werden und somit nicht so viele Erntedurchgänge erforderlich sind wie bei der Kartoffel-Rose. Die Erntetermine sind
Bei der Verwendung der Früchte zur Herstellung von alkoholischen Getränken sind dagegen überreife Früchte noch gut verwendbar. Gerade sie sollen ein hervorragendes Aroma ergeben (Bartels et. al. 1998 a). Die Ernte sollte generell nicht bei feuchter Witterung stattfinden (Friedrich, Schuricht 1985). Die Früchte werden derzeit noch ausschließlich von Hand geerntet durch Pflücken. Hierbei kann eine Arbeitsleistung von 5 - 6 kg je Stunde und Pflücker erreicht werden. Die Arbeit wird hier durch die Stacheln der Zweige erschwert. Diese schwierige Durchführung der Ernte wird derzeit für die Rentabilität von Fruchtrosenanlagen noch ziemlich problematisch gesehen (Bartels et. al. 1998 a). Versuche zu einer Mechanisierung der Ernte bei der Apfel-Rose liefen bereits, allerdings wurden noch keine Resultate veröffentlicht (Graf, Kreß 1996 c). Bislang ist die Ernte mit Vollerntemaschinen nur aus den GUS bekannt, sie wird dort bereits erfolgreich durchgeführt (Albrecht et. al. 1993). Die Früchte sollten möglichst bald nach der Ernte verwertet und bis dahin luftig gelagert werden. Für die Herstellung von Tee oder anderen Produkten wie z.B. Wein können die Früchte auch getrocknet werden, was aber nicht in praller Sonne, sondern an einem gut belüfteten Platz geschehen sollte (Friedrich, Schuricht 1985). Wenn die Früchte halbiert, von den Kernen befreit und anschließend bei 90°C in einem Umluftschrank schnell getrocknet werden, verringert sich der Vitamin-C-Gehalt nur um höchstens 25 % (Albrecht et. al. 1993). Die Trocknung kann hierbei durch das große Fruchtvolumen recht lange dauern. Diese Früchte können auch in größeren Gebinden aufbewahrt werden, wozu sich weitmaschige Säcke recht gut eignen sollen. Die frischen Früchte können dagegen nur in sehr dünnen Lagen gut gelagert werden, weil sie sonst leicht schimmelig werden (Friedrich, Schuricht 1985). Für die Verwendung als Tee können i.d.R. nur die fleischigen Fruchtschalen in Reinform vermarktet werden, wozu sie getrocknet, geöffnet und frei von Haaren und Nußfrüchten sein müssen, mehr als 3 % Fruchtanteil werden von den Verarbeitungsbetrieben i.d.R. nicht akzeptiert. Haare und Nüßchen sind auch für die Verwertung der Scheinfrüchte für Säfte, Marmeladen und Weine eher hinderlich. Hierbei sind die Nüßchen keineswegs bei jeder Art in der gleichen Anzahl vorhanden, wie aus dem Fruchtfleischanteil der Früchte aus der Übersicht auf S. 199 ersichtlich ist, denn je größer dieser Anteil ist, umso kleiner sind auch die Kerne. Die Nüßchen lassen sich z.B. bei der Hunds-Rose auch viel leichter entfernen als bei der Apfel-Rose, weil sie bei jener Rose hauptsächlich am Blütenboden sitzen. Für die Gewinnung von Tee-Drogen aus den Hagebutten dürfen diese auch nicht mehr als 1 % unschädliche Fremdbestandteile enthalten, weshalb hierfür v.a. Rosenarten in Frage kommen, welche die Kelchblätter früh abwerfen wie Rosa arvensis (Feldkriech-Rose) und die Hunds-Rose; bei der Apfel-Rose bleiben die Kelchblätter noch bis zur Verrottung an den Früchten haften. Die Hagebutten sollten auch möglichst einheitlich reif sein. Auch bei der Sorte ´Pi Ro 3´ bleiben die Kelchblätter haften, sie können aber von den Früchten nach einer Trocknung gut maschinell beseitigt werden. Von der Pharmaindustrie wird auch ein Vitamin-C-Gehalt von 300 mg/100 g trockene Hagebuttenschalen gefordert, welcher nur bei vorsichtiger Trocknung erreicht werden kann (Albrecht et. al. 1993). Die ersten Erträge sind bereits im ersten oder zweiten Jahr nach der Pflanzung zu erwarten (Bartels et. al. 1998 a). Bei ´Pi Ro 3´ z.B. wurden Erträge von bis zu 8 kg/Strauch gemessen, auch bei der Kartoffel- und der Alpen-Rose sollen solche Erträge möglich sein, wenn sie gut gepflegt werden. Bei der Hunds-Rose sollen die Erträge deutlich niedriger sein. Im Baltikum wurden in sogenannten halbnatürlichen Anbausystemen jährliche Erntemengen von durchschnittlich 57,96 dt/ha bis hin zu maximal 95,82 dt/ha erreicht (Friedrich, Schuricht 1985). Bei der Apfel-Rose schwanken die Erträge je nach Klima, Standort, Pflege, Alter und Pflanzabstand zwischen 5,2 und 6,5 t/ha bzw. zwischen 0,3 und 5,9 kg/Strauch (Albrecht et. al. 1993). 3.3.6 VERARBEITUNG Traditionell werden Hagebutten zu Tee verarbeitet, der aufgrund des hohen Vitamin-C-Gehalts v.a. gegen Erkältungen helfen soll (Graf, Kreß 1996 c). Für den häuslichen Gebrauch dient er auch als Früchte- und Erfrischungstee. Die Hagebuttenschalen werden oft auch für Teemischungen verwendet z.B. mit Äpfeln (Albrecht et. al. 1993). Auch Hagebuttenmus, -preßsaft und rohe Hagebutten enthalten reichlich von diesem Stoff. Im entkernten Zustand sind die Früchte v.a. für die Herstellung von Konfitüren, Marmeladen, Gelees, Sirup, Säfte, Gebäckfüllungen und Soßen zu empfehlen, aber auch als Beilage zu Wildbret oder für die Verarbeitung zu Bonbons sind sie geeignet. Darüber hinaus können aus Hagebutten auch Spirituosen wie Branntwein, Likör, Hagebuttenwein (Graf, Kreß 1996 c) und sogar Süßmost produziert werden (Friedrich, Schuricht 1985). Weil Hagebuttenbrand nur mit großem Aufwand gewonnen werden kann, ist er als Luxusartikel anzusehen. Aus den Schalen der Hagebutten kann auch Hagebuttengeist hergestellt werden (Bartels et. al. 1998 a). Insbesondere der Hagebuttenwein soll ein typisches Aroma aufweisen und ist deshalb eine von Kennern sehr geschätzte Rarität (Friedrich, Schuricht 1985). Wegen der vielen wertvollen Inhaltsstoffe sind sie auch als Diätkost verwendbar (Graf, Kreß 1996 c). 3.3.7 ARTEN UND SORTEN Einleitung: Es liegt folgende Übersicht zu den wichtigsten Fruchtrosen hinsichtlich der Eigenschaften der Früchte vor: Tab. 16: Größe, Einzelfruchtmasse und Fruchtfleischanteil von Hagebutten verschiedener Wildarten bzw. Sorten nach Albrecht et. al. (1993):
* Zu dieser Sorte ist sonst nichts bekannt. Rosa aucicularis - Nadelstachel-Rose: Die Nadelstachel-Rose ist in Nordosteuropa, Sibirien und Nordamerika beheimatet und gilt als sehr frosthart. Bekannter ist die aus Ostasien stammende Varietät R. aucicularis var. nipponensis, die Japanische Rose. Sie wird bis zu 1 m hoch und weist aufrechte, mit weichen Borsten versehene Triebe auf, die z.T. auch unbewehrt sind. Von Mai bis Juni zeigen sich duftende, dunkelrosa Blüten. Aus diesen entstehen 1,5 - 2 m dicke, birnenförmige und hellrote Hagebutten, welche im September reif werden und v.a. besonders viel Vitamin C enthalten (Bundessortenamt 1999). Rosa blanda - Eschen-Rose: Diese nordamerikanische Art wird bis zu 2 m hoch und weist schlanke, unbewehrte Zweige auf. Die hellrosa Blüten erscheinen von Mai bis Juni. Daraus bilden sich dunkelrote, eiförmig-längliche Hagebutten von 1,5 cm Durchmesser, sie werden ab August reif. Die Ernte lohnt sich nur bei größeren Beständen (Bundessortenamt 1999). Rosa canina - Hunds-Rose: Diese kräftig wachsende Art wird 1 - 3 m hoch und weist steil aufgerichtete oder bogenförmig überhängende Zweige und Äste auf. Im Vergleich zu anderen Arten ist die Hunds-Rose eher mittelmäßig mit Stacheln bewehrt. Diese sind alle ziemlich gleich groß, eher kräftig ausgebildet und meist mehr oder minder stark gekrümmt bis z.T. auch gerade. Die Blätter bestehen hier nur aus fünf bis sieben Fiederblättern, nicht mehr. Selbst die Blattstiele sind etwas mit Stacheln versehen. Die einzeln oder in Doldenrispen auftretenden Blüten sind meist rosa, selten auch weiß, und erscheinen von Mai bis Juni. Die Kelchblätter werden bei der Fruchtentwicklung schon früh abgeworfen (Friedrich, Schuricht 1985). Die Früchte werden meist von Anfang bis Mitte Oktober reif (Graf, Kreß 1996 c), z.T. auch schon Ende Juli, mitunter auch noch Ende Oktober. Insgesamt vollzieht sich die Reife eher folgernd (Bartels et. al. 1998 a). Die Früchte sind mehr eiförmig bis kugelig (Friedrich, Schuricht 1985), i.d.R. ca. 1 - 2 cm lang (Bartels et. al. 1998 a) und 1 - 1,5 cm dick. Die Schale ist glatt, fleischig und scharlachrot, sie enthält viele einsamige Nußfrüchte, die behaart sind. Diese Art kommt fast in ganz Europa vor. Sie bevorzugt sonnige Plätze und schwere bis z.T. sogar steinige Böden, auf sandigen Böden ist sie seltener zu finden (Friedrich, Schuricht 1985). Sie eignet sich v.a. für den Anbau auf kalkhaltigen Böden, aber auch auf schwach sauren Böden kommt sie noch gut zurecht. Verdichtete oder nasse Böden verträgt sie jedoch nicht (Bartels et. al. 1998 a). Die Früchte werden zwar als Wildobst immer wieder gesammelt, doch ist die Hunds-Rose aufgrund der kleinen Früchte für den Anbau im größeren Stil nicht so sehr geeignet (Friedrich, Schuricht 1985).
Abb. 34: Rosa canina mit dichtem Fruchtbehang Anfang Dezember Rosa x damascena: Diese Kreuzung wird bis zu 2 m hoch, die Zweige sind mit vielen Stacheln versehen. Die rosa bis roten Blüten sind gefüllt. Daraus entwickeln sich bis 2,5 cm lange, mit Borsten versehene Früchte. Diese Art wird v.a. zur Gewinnung von Rosenöl kultiviert, doch die Früchte können auch gut als Obst genutzt werden (Bundessortenamt 1999). Rosa dumalis - Die Graugrüne Rose: Die Graugrüne Rose wächst aufrecht, gedrungen und wird 1 - 2 m hoch. Die Stacheln sind hakenförmig gekrümmt und an den Zweigen zahlreich vorhanden. Die rosa Blüten sind bis 2 cm breit, sie erscheinen von Juni bis Juli. Diese verwandeln sich in kräftig rote Hagebutten, welche ab September reif werden und vielseitig verwendet werden können. Die Graugrüne Rose bevorzugt trockene bis frische, durchlässige Lehmböden mit relativ hohem Kalkgehalt und hohem Nährstoffgehalt. Sie ist eine der wenigen Arten, welche auch noch im lichten Schatten zurecht kommen, die Frosthärte ist hoch (Bundessortenamt 1999).
Abb. 35: Rosa dumalis mit reifen Früchten (aus Albrecht et. al. 1993)
Rosa gallica - Essig-Rose: Diese Art kommt von Mittel- und Südeuropa bis nach Westasien vor, in Nordamerika ist sie verwildert. Sie zeigt sich als Kleinstrauch von nur 0,2 - 1 m Höhe mit vielen, dicht mit Stacheln und Borsten versehenen Trieben, welcher Dickichte bilden kann. Von Juni bis Juli erscheinen rosa bis rot gefärbte Blüten. Diese entwickeln sich zu ziegelroten, rundlichen bis leicht birnenförmigen Hagebutten von 1 - 1,5 cm Durchmesser. Die Früchte werden ab September reif und sind auch für den erwerbsmäßigen Anbau interessant. In Südfrankreich und Bulgarien wird aus den Blütenblättern Konfitüre zubereitet. Von dieser Art stammt die Sorte ´Conditorum´ ab, welche zur Erzeugung von Rosenwasser angebaut wird und deren Früchte früher in der Konditorei verwendet wurden. Die Essig-Rose verträgt auch noch lichten Schatten und viel Frost, aber keinen Wind (Bundessortenamt 1999). Rosa glauca - Rotblättrige Rose: Diese Art ist sowohl in Mittel-, als auch in Südeuropa beheimatet und erreicht als locker verzweigter, aufrechter Strauch eine Höhe von 1,5 - 3 m. Die schlanken Zweige weisen nur kurze Jahrestriebe auf und sind mit nur wenigen Stacheln versehen. Die karminrosa Blüten zeigen sich im Juni. Diese wandeln sich um in kugelige, bis 1,5 cm breite Früchte von scharlachroter Farbe, welche ab August reif werden. Die Früchte eignen sich gut zum Einkochen mit Zucker, sie werden bislang aber nur als Wildfrüchte gesammelt. Die Rotblättrige Rose gedeiht nur auf kalkhaltigen Böden gut. Dafür verträgt sie auch noch lichten Schatten (Bundessortenamt 1999).
Abb. 36: Rosa glauca – Fruchtstände (aus Bundessortenamt 1999)
Rosa majalis - Zimt-Rose: Hierbei handelt es sich um eine europäische Rosenart, welche straff aufrecht wächst und 0,5 - 2 m hoch wird. Die dünnen Zweige sind nur sporadisch mit stacheligen Borsten und leicht gekrümmten Stacheln besetzt. Von Ende Mai bis Juli erscheinen intensiv karminrot gefärbte Blüten. Daraus entwickeln sich flachkugelige, ca. 1,5 cm dicke und orangerot bis dunkelrot gefärbte Früchte, welche von Juli bis Oktober stark folgernd reifen. Diese Art ist für trockene und feuchte Böden geeignet. Die Zimt-Rose wird bislang nicht obstbaulich genutzt, sondern nur von Sammlern gesammelt (Bundessortenamt 1999).
Abb. 37: Rosa majalis – Fruchtstand (aus Bundessortenamt 1999) Rosa moyesii - Blutrote Rose: Die Blutrote Rose stammt aus China und ist seit 1903 auch in Europa bekannt. Sie wird bis zu 3 m hoch und ist nur leicht mit kurzen, geraden Stacheln bewehrt. Die dunkelblutroten Blüten erscheinen v.a. im Juni mit Nachblüten bis November. Daraus entstehen flaschenförmige, bis 7 cm lange Früchte mit tief orangeroter Fruchtfarbe, die Fruchtreife setzt ab Oktober ein. Die Blutrote Rose braucht für ein gutes Wachstum einen frischen und kalkhaltigen Boden, dafür verträgt sie auch lichten Schatten noch ganz gut (Bundessortenamt 1999). Abb. 38: Rosa moyesii mit reifen Hagebutten Rosa multibracteata - Kragen-Rose: Diese Art kam um 1910 aus China auch Europa und stellt einen bis 2 m hohen Strauch mit dünnen und lang überhängenden Zweigen dar. Im Juli treten rosa gefärbte, 3 cm breite Blüten in Erscheinung, aus denen sich eiförmige, orangerote und 1,5 cm lange Hagebutten bilden, welche im Oktober reif werden. Eine Ernte lohnt sich nur in ausreichend großen Beständen (Bundessortenamt 1999). Rosa pendulina (syn. R. rupestris) - Alpen-Rose, Gebirgs-Rose: Diese Vertreterin aus den Bergen erscheint als gedrungener bis recht schlaffer Strauch von nur 0,25 bis auch z.T. 3 m Höhe. Die Zweige tragen nur an der Basis schwach ausgebildete Stacheln. Die Blätter sind aus sieben bis manchmal gar elf (!) Fiederblättern zusammengesetzt, wodurch sie sich deutlich von denen anderer Arten abgrenzen. Die Blüten erscheinen i.d.R. in Einzelstellung und sind rosarot bis dunkelkarminrot. Daraus entstehen kugelige bis flaschenförmige Hagebutten, die ca. 2 - 3 cm lang sind und von den aufgerichteten Kelchblättern gekrönt werden, welche sich oft zueinander neigen. Die Früchte sind oft nickend abstehend und kahl. Sie enthalten nur wenige, behaarte Nüßchen (Friedrich, Schuricht 1985). Die Alpen-Rose braucht mäßig trockene und schwach saure bis neutrale Böden. Sie verträgt verhältnismäßig viel Schatten und eignet sich auch zur Pflanzung in Industriegebieten (Bundessortenamt 1999). Diese Art kommt in Europa hauptsächlich in der montanen und subalpinen Stufe vor. Darüber hinaus ist sie auch z.T. auch im Flachland und in Mittelgebirgen anzutreffen, dort allerdings recht selten. Ein weiteres Verbreitungsgebiet befindet sich in Südeuropa. Durch das stark zerklüftete Herkunftsgebiet entstanden einige voneinander abweichende Formen, welche vom Botaniker Heigi in sechs Gruppen eingeteilt werden. Die reine Art wird kaum angebaut, sondern eher als Wildfrucht gesammelt. Für den Anbau ist sie v.a. aufgrund ihrer z.T. doch recht beachtlichen Erträge interessant (Friedrich, Schuricht 1985). Derzeit wird v.a. die Varietät var. oxyodon bereits obstbaulich genutzt, und zwar in den Niederlanden und in Rußland. Sie stammt aus dem Kaukasus und blüht kräftig rosa. Die Früchte enthalten besonders viel Vitamin C (Bundessortenamt 1999).
Abb. 39: Rosa pendulina mit reifen Hagebutten (aus Bundessortenamt 1999)
´Pi Ro 3´ - Pillnitzer Vitamin-Rose: Die Sorte ´Pi Ro 3´ entstand durch Kreuzung von Rosa dumalis mit Rosa pendulina var. salaevensis, welche in den 60er Jahren in Dresden-Pillnitz durchgeführt wurde (Graf, Kreß 1996 c). Die Pillnitzer Vitamin-Rose zeigt sich als breiter, locker aufgebauter Strauch, welcher 1 - 2 m hoch wird. Sie trägt zwar nur wenige Stacheln, diese sind dafür umso stärker. Sie sind besonders an den bodennahen Abschnitten der Äste zu finden, wo auch z.T. borstenartige Stacheln auftreten. Die Blätter bestehen aus bis zu neun Fiederblättern. Die Blüten sind einzeln stehend und rosa gefärbt (Friedrich, Schuricht 1985). Die Hauptblütezeit ist im Juni (Graf, Kreß 1996 c). Die Hagebutten sind flaschen- bis walzenförmig, ziegelrot gefärbt und ca. 3 cm lang und 1,5 cm dick. Der Vitamin-C-Gehalt ist bei ihnen besonders hoch mit ca. 1150 mg/100 g Frucht (Friedrich, Schuricht 1985), das Aroma ist nur mittelmäßig ausgeprägt (Bundessortenamt 1999). Wie bei den meisten Fruchtrosen, so werden auch hier die Früchte in etwa zur selben Zeit reif, und zwar bereits von Ende August bis Mitte September (Graf, Kreß 1996 c). Diese Sorte wurde speziell für die Nutzung als Wildobst gezüchtet, wofür sie sich v.a. aufgrund des recht hohen Vitamin-C-Gehalts und der gerade in den oberen Zweigpartien geringen Bewehrung mit Stacheln eignet, welche die Ernte erleichtert. Sie erreicht bisweilen auch beachtliche Erträge, wobei auch schon bis zu 8 kg Hagebutten je Strauch geerntet wurden (Friedrich, Schuricht 1985). Allein in den Niederlanden wurde diese Sorte 1993 auf ca. 30 ha angebaut (Albrecht et. al. 1993).
Abb. 40: Fruchtrosensorte ´Pi Ro 3´ mit Fruchtstand (aus Albrecht et. al. 1993) Rosa pimpinellifolia - Bibernell-Rose, Dünen-Rose: Die Bibernell-Rose kommt von Europa bis nach Nordostasien vor. Hierbei handelt es sich um einen 0,5 - 1 m hohen Strauch mit sehr dichter Verzweigung, welcher stark zur Ausläuferbildung neigt. Die Triebe weisen dicht stehende Stachelborsten auf. Im Mai, z.T. auch erst im Juni, zeigen sich cremeweiße bis zartrosa gefärbte Blüten. Die flachkugeligen Früchte sind schwarzpurpur, von 1,5 cm Durchmesser und werden ab September reif. Sie schmecken süß und sind zum Frischverzehr geeignet. Diese Art verträgt große Trockenheit und pralle Sonne, aber keinen Schatten. Von ihr sind mehrere Sorten und Varietäten bekannt, am bekanntesten ist die Varietät R. pimpinellifolia var. altaica. Diese wächst stärker, ist weniger bewehrt und trägt braunrote, größere Früchte (Bundessortenamt 1999).
Abb. 41: Rosa pimpinellifolia mit reifen Hagebutten (aus Bundessortenamt 1999) Rosa rubiginosa - Wein-Rose bzw. Schottische Zaun-Rose: Diese Art kommt in Europa und Westasien vor (Bundessortenamt 1999) und erreicht eine ähnliche Höhe wie die Hunds-Rose mit 2 - 3 m (Albrecht et. al. 1993). Sie ist stark mit Stacheln versehen und weist eine dichte Verzweigung auf. Die im Juni oder z.T. auch im Juli erscheinenden Blüten sind hell- bis dunkelrosa gefärbt. Die orangen bis roten Früchte (Bundessortenamt 1999) sind eiförmig und erreichen eine Größe von nur 1 - 1,5 cm, sie werden von August bis September reif. Diese Art eignet sich v.a. für den Anbau auf kalkhaltigen, durchlässigen und gleichzeitig schweren Ton- oder Lehmböden (Bartels et. al. 1998 a). Auch Hitze, Luftbelastung mit Industrieabgasen und lichter Schatten werden gut vertragen (Bundessortenamt 1999). In der Natur kommt die Wein-Rose in den Gebirgen Süd- und Mitteleuropas noch bis in eine Höhe von 1800 m vor (Bartels et. al. 1998 a). Die Früchte sind v.a. in Norwegen im größeren Umfang auch auf dem Markt erhältlich (Albrecht et. al. 1993) und können zu vielen Zwecken verwendet werden (Bundessortenamt 1999).
Abb. 42: Rosa rubiginosa – Fruchtstand (aus Bundessortenamt 1999) Rosa rugosa - Kartoffel-Rose, Runzel-Rose, Kamtschatka-Rose: Diese Rosenart ist sehr dicht mit Stacheln besetzt, die eine unterschiedliche Länge aufweisen (Graf, Kreß 1996 c), z.T. auch mit Borsten. Sie wird mit einer Höhe von 1 - 2 m eher mittelhoch (Friedrich, Schuricht 1985), meist erreicht sie nur eine Höhe von 1,5 m. In Gärten kann sie durch die starke Ausläuferbildung lästig werden (Bartels et. al. 1998 a). Die Blätter sind hier aus fünf bis neun Fiederblättern zusammengesetzt. Die Blüten sind immer zu mehreren in Blütenständen vereint, die Einzelblüte ist rosarot gefärbt, z.T. auch weiß. Die Blütezeit dauert generell von Juni bis September (Friedrich, Schuricht 1985), hauptsächlich jedoch von Juli bis August (Graf, Kreß 1996 c). Die Kartoffel-Rose trägt große Hagebutten, die kugelig, flachgedrückt, weich und fleischig sind, die Farbe ist mehr scharlachrot. Sie sind bis zu 2,5 cm breit (Friedrich, Schuricht 1985), z.T. auch bis 3 cm (Bartels et. al. 1998 a), und werden von aufrechten Kelchblättern gekrönt (Friedrich, Schuricht 1985). Im Gegensatz zu anderen Fruchtrosen dauert die Fruchtreife bei der Kartoffel-Rose recht lange von Ende Juli bis z.T. noch Oktober (Bartels et. al. 1998 a), wobei die meisten Früchte von Mitte August bis Ende September reif werden. Daraus ergeben sich zwei Haupternten. Hiervon liegt eine im August, die andere im September (Graf, Kreß 1996 c). Die Ernte wird bei diesen Früchten als relativ leicht angesehen, sie sollen einen erfrischenden Geschmack aufweisen (Albrecht 1996). Diese Art braucht einen neutralen bis eher sauren (Bartels et. al. 1998 a), feuchten Boden und gilt als eine der frosthärtesten Arten. Schließlich kommt sie im asiatischen Raum von Ostasien über China bis nach Japan und Kamtschatka vor. Von ihr sind einige Sorten mit größeren, vitaminreichen Hagebutten bekannt. Für die Nutzung als Wildobst eignet sich die Kartoffel-Rose v.a. aufgrund der großen Früchte. Wenn sie gut gepflegt wird, kann sie reiche Erträge bringen, wobei in etwa bis zu 8 kg Früchte je Pflanze möglich sein sollen (Friedrich, Schuricht 1985). Die obstbauliche Nutzung erfolgt v.a. in ihrer ostasiatischen Heimat (Albrecht et. al. 1993).
Rosa tomentosa - Filz-Rose: Diese Art ist von Europa bis nach Kleinasien anzutreffen. Sie weist steife, zickzackartig verzweigte Äste auf und gerade bis gebogene Stacheln. Die Blüten sind blaßrosa bis weißlich. Die Früchte müssen noch vor der Vollreife gesammelt werden, weil sie dann abfallen (Bundessortenamt 1999). Rosa villosa - Apfel-Rose: Die Apfel-Rose wird nur 0,8 - 2 m hoch, selten auch bis 2,5 m (Bundessortenamt 1999), trägt eher kurze Triebe und weist eine mehr oder minder starke Verzweigung auf. Der Wuchs ist buschig-aufrecht. Ausläufer werden nur dann gebildet, wenn der Standraum genügend groß ist. Die Triebe sind mit Stacheln besetzt, welche sich in Form und Größe stark unterscheiden (Albrecht et. al. 1993). Diese Rose ist insgesamt eher mittelstark bewehrt (Graf, Kreß 1996 c). Die Blätter sind aus nur fünf bis sieben, grünen bis graublauen Fiederblättern zusammengesetzt. Die Blüten zeigen sich von Juni bis Juli, sie sind rosa gefärbt und i.d.R. einzeln an Kurztrieben, mitunter sitzen auch zwei bis drei Blüten zusammen (Albrecht et. al. 1993). Die Hagebutten werden von Mitte bis Ende August reif (Graf, Kreß 1996 c). Sie sind dunkelrot gefärbt, rundlich und erreichen eine Größe von bis zu 3 cm. Das untere Drittel der Früchte ist fein borstig behaart (Albrecht et. al. 1993). Diese Art gilt momentan als die für den Anbau am besten geeignetste Fruchtrose, denn sie bleibt eher niedrig und trägt auch relativ große und schwere Hagebutten (Graf, Kreß 1996 c) bei einem Einzelfruchtgewicht von 4,6 g. Der Fruchtfleischanteil beträgt 76 %. Bei optimalen Standortverhältnissen sind sogar noch bessere Werte möglich (Albrecht et. al. 1993). Es wird zur Zeit untersucht, ob sich diese Art auch für eine mechanisierte Ernte eignen würde (Graf, Kreß 1996 c). Sie läßt sich auch schon von Hand relativ gut abernten. Auch der mengenmäßige Ertrag wird als hoch angesehen (Albrecht 1996). So wurde im Sanddornanbaubetrieb Triquart ein Ertrag von ca. 1200 kg/ha erreicht, wobei dieser derzeit mit Sanddorn allerdings noch deutlich größere Gewinne macht (Römmler 1997 a). In der freien Natur ist diese Art von Osteuropa über Kleinasien bis nach Westeuropa verbreitet, in anderen Teilen Europas ist sie v.a. in den Mittelgebirgen häufig aus Gärten verwildert (Albrecht et. al. 1993). Der Boden sollte trocken und nicht sauer sein, lichter Schatten wird noch gut vertragen (Bundessortenamt 1999).
Abb. 45: Rosa villosa mit Fruchtstand (aus Albrecht et. al. 1993) Weitere Fruchtrosensorten: Neben ´Pi Ro 3´ gibt es noch weitere Sorten, die sich für die Nutzung der Früchte recht gut eignen. Von diesen entstanden auch einige in den GUS wie z.B. ´Vitaminnyjj´ (= R. majalis x R. webbiana) und ´Besshipnyjj´ (= R. webbiana x R. rugosa). Letztere Sorte soll auch teilweise selbstfruchtbar sein. Von R. webbiana stammen weitere Sorten ab wie ´Voroncovskijj´ und ´Pozdnespelyjj´ (Friedrich, Schuricht 1985). Die Früchte dieser Sorten werden schon von Juli bis August reif und ziemlich schnell weich, für den mitteleuropäischen Anbau sind diese Sorten bislang ohne größere Bedeutung. Lediglich in Rußland werden sie im größeren Umfang kultiviert. In Polen wurden mit der Hunds-Rose ähnliche Züchtungsarbeiten unternommen, wodurch die Sorten ´Sylwia´ und ´Sylwana´ veröffentlicht wurden (Albrecht et. al. 1993). In der ehemaligen Tschechoslowakei wurde v.a. die Art R. villosa zur Züchtung von Fruchtrosensorten verwendet, wodurch 1974 im slowakischen Bojnice die Sorte ´Karpatica´ veröffentlicht wurde (Friedrich, Schuricht 1985). Diese Sorte soll Erträge von ca. 25 dt/ha an frischen Hagebutten bringen. Weiterhin existieren auch aus Bulgarien Fruchtsorten wie z.B. Rosa canina ´Plovdiv 1´ und R. rugosa ´Nektar´ (Albrecht et. al. 1993). Von letzterer Art sind auch Ziersorten bekannt, welche sich als Wildobst eignen würden, z.B. ´Moje Hamarberg´, ´Max Graf´ und ´White Hedge´. In diesem Zusammenhang ist auch die von der Hunds-Rose (Rosa canina) abstammende Sorte ´Kiese´ zu erwähnen (Friedrich, Schuricht 1985). Zurück zum Seitenanfang |
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