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Aus der Dplomarbeit von Andreas Zeitlhöfler 2002: Die obstbauliche Nutzung von Wildobstgehölzen
4.10 Lonicera caerulea- Die Blaue Heckenkirsche - Vorkommen: In der freien Natur ist dieses Gehölz v.a. in Süddeutschland und in Österreich anzutreffen. Weiterhin ist die Blaue Heckenkirsche von der Slowakei bis nach Bulgarien und in Nordosteuropa zu finden, außerhalb Europas zählen auch Mittel-, und Ostasien, sowie Japan zu ihrem Verbreitungsgebiet. - obstbauliche Bedeutung: In Asien wird die Blaue Heckenkirsche in manchen Regionen als Obstgehölz kultiviert. Auch im Altaigebirge werden verschiedene Lokalsorten angebaut. - Erscheinungsbild: Diese Heckenkirschenart tritt als 0,5 - 1,5 m hoher Strauch mit dichter Verzweigung in Erscheinung, die Blätter treiben schon im April aus. Die Blüten sind gelblichweiß, klein und trichterförmig. Daraus entstehen blauschwarze, eiförmige Beeren mit hellblauer Bereifung, welche paarweise verwachsen sind. Sie werden ab Ende Mai bis Anfang Juni reif und schmecken aromatisch, süßlich-bitter und saftig. Diese Beeren bestehen zu 6 - 8 % aus Zucker, zu 2 - 4 % aus Fruchtsäuren und enthalten 120 mg Vitamin C je 100 g Frischsubstanz. Auch Anthocyane, Flavonole und Rutin sind vorhanden. - Standortansprüche: Diese Wildobstart braucht einen halbschattigen bis lichtschattigen und kühlen Standort. Der Boden sollte möglichst feucht und sauer sein, wobei saure Rohhumus-, Lehm- und Sandböden für den Anbau in Frage kommen. Kalkhaltige Böden sind i.d.R. nicht geeignet, doch soll in den Alpen eine Form existieren, welche auch auf steinigen Kalkböden zurecht kommt. Diese Heckenkirsche ist zwar recht frosthart, verträgt aber keine Trockenheit. - Pflanzung: Im Garten wird die Blaue Heckenkirsche v.a. als Ziergehölz und als Hecke gepflanzt. Diese Pflanze kann auch im Schatten größerer Gehölze noch ganz gut gedeihen. - Schnitt, Pflanzenschutz, Bodenpflege, Düngung: Besondere Pflegemaßnahmen sind nicht notwendig. - Verwendungsmöglichkeiten: Die Früchte sind für den Rohverzehr geeignet und können in der Küche vielseitig verwendet werden, v.a. zur Zubereitung von Mus und Kompott. Insbesondere unter Beimischung anderer Früchte kann daraus auch eine gute Marmelade hergestellt werden. Weiterhin ist aus Rußland, Weißrußland und der Ukraine auch die Gewinnung von Warenje durch Verwertung mit Zuckersirup bekannt. Manche Quellen bezeichnen die Früchte auch als schwach giftig. - Sorten: Von dieser Wildobstart sind mehrere Lokalsorten im Umlauf, von denen v.a. die ´Altaiische Blaue Heckenkirsche´ in Europa bekannt ist. Diese kommt aus dem russischen und mongolischen Teil des Altai und wird dort als Obstgehölz kultiviert (Bundessortenamt 1999). - weitere Arten: Bei Selektionsarbeiten mit nahe verwandten Arten fielen weitere Arten auf, welche sich auch als Wildobst nutzen ließen (Bundessortenamt 1999). In Europa sind weiterhin z.B. die aus Sibirien stammenden Arten Lonicera kamtschatika, L. regeliana und L. turczaninowii bekannt, deren Beeren recht gut schmecken und in ihrer Heimat bekannte Wildfrüchte darstellen (Albrecht 1996). L. turczaninowii könnte für den Anbau in Erwerbsanlagen bzw. in Hausgärten besonders wertvoll sein, denn die Beeren werden bereits im Juni reif, wenn sonst kaum Früchte zu ernten sind. Die gleiche Reifezeit weisen auch die Beeren von L. edulis auf, welche ebenfalls zum Verzehr geeignet sind (Beco 1999). Die Art L. kamtschatika wird auch als Varietät der Blauen Heckenkirsche (L. caerulea var. kamtschatika) bezeichnet. Diese Art wird ebenso wie L. turczaninowii in Osteuropa bereits züchterisch bearbeitet. Sie wird unter dem deutschen Namen "Maibeere" als widerstandsfähige, frostharte und anspruchslose Wildobstart mit Zukunft genannt, welche das Sortiment bereichern könnte. Hierbei handelt e sich um einen straff breit-aufrecht wachsenden Kleinstrauch von ca. 0,5 - 1 m Höhe, der aufgrund seiner ostsibirischen Heimat sehr frosthart ist. Die kleinen Blüten sind gelblichweiß und duften nur schwach. Die daraus hervorgehenden Früchte sind länglich-oval, blau gefärbt und 10 - 15 mm lang, sie werden von Mai bis Juni reif. Eine Beere wiegt ca. 560 mg, der Fruchtsaft ist violett. In Rußland werden diese Früchte frisch verzehrt und zur Zubereitung von Marmeladen und Säften verwendet. Von dieser Art stammen die Sorten ´Maistar´ und ´Mailon´ ab, welche schon ab Mitte Mai reife Früchte tragen und in der Schweiz seit kurzem im Handel erhältlich sind. In den USA ist die Varietät var. kamtschatika auch unter dem Namen "Honeyberry" bekannt, dort sind schon vier Sorten im Umlauf, nämlich ´Blue Bird´, ´Berry Blue´, ´Blue Velvet´ und ´Blue Bell´. Diese sollen besonders große Früchte und ein hervorragendes Aroma aufweisen (Bundessortenamt 1999). Zurück zum Seitenanfang |
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