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Aus der Dplomarbeit von Andreas Zeitlhöfler 2002: Die obstbauliche Nutzung von Wildobstgehölzen
4.11 Mahonia aquifolium - Die Gemeine Mahonie - Vorkommen: Die Gemeine Mahonie stammt aus dem westlichen Nordamerika, wo sie auch an den Küsten des Pazifiks vorkommt. Dort sind noch weitere Mahonienarten anzutreffen. Andere Arten stammen aus Ostasien und Mexiko (Friedrich, Schuricht 1985). Vereinzelt ist die Gemeine Mahonie auch in Europa aus Gärten verwildert (Bundessortenamt 1999). - obstbauliche Bedeutung: Dieses Wildobst wird bislang noch nicht erwerbsmäßig angebaut (Bundessortenamt 1999). - Erscheinungsbild: Die Gemeine Mahonie ist ein bis zu 1,5 m hoher Strauch, der sparrig und z.T. auch ausladend wächst. Sie weist viele Kurztriebe auf, an welchen die Blüten und Früchte in großer Zahl angesetzt werden. Die Blätter sind immergrün, wechselständig und aus fünf bis neun Fiederblättern zusammengesetzt. Die einzelnen Fiederblätter sind ledrig, auf der Oberseite glänzend und mit einem unterschiedlich stark gebuchteten bzw. dornig gezähnten Blattrand versehen. Im Herbst verfärben sich die Blätter rötlich. Die Blüten sind klein, schwefelgelb bis orangegelb und zu aufrechten, knäuelartigen Trauben zusammengefaßt (Friedrich, Schuricht 1985), sie erscheinen von April bis Mai (Bundessortenamt 1999). Die Früchte stellen kugelige Beeren dar, welche in etwa erbsengroß, schwarzblau und hell bereift sind. Sie enthalten drei bis fünf Samen und werden von August bis September reif, wobei sie bis weit in den Winter hinein noch an den Zweigen fest haften bleiben. Sie beinhalten zwar wie die übrigen Pflanzenteile Alkaloide, jedoch nur in geringen Mengen bei einem Anteil von 0,05 %, weshalb sie als schwach giftig gelten. Dieser Stoff läßt sich durch Trocknung und Lagerung jedoch weitgehend beseitigen, wohingegen v.a. unreife Früchte nicht verzehrt werden sollten. Die wertvollen Inhaltsstoffe sind v.a. Zucker mit einem Gehalt von 9,8 g/100 ml, Fruchtsäuren mit einem solchen von 48,7 g/l und einige Vitamine, von denen v.a. Vitamin C reichlich enthalten ist (Friedrich, Schuricht 1985).
- Standortansprüche: Die Mahonie ist hinsichtlich Klima und Boden sehr anspruchslos, allerdings ist ein Schutz vor kalten Winden empfehlenswert. Ein sonniger Standort ist am günstigsten, doch auch an halbschattigen Plätzen kann sie noch gut gedeihen. Im Winter ist starke Sonneneinstrahlung eher ungünstig, weil die Blätter dann infolge von Frosttrocknis braun werden und abfallen können. Deshalb sind leichte Böden zu bevorzugen, obwohl die Pflanzen auf nährstoffreichen, mittleren Böden besser wachsen. Dagegen ist die Mahonie gegen die Winterkälte an sich nicht sehr empfindlich, auch stärkere Fröste erzeugen höchstens Schäden an den Blättern, welche aber schnell wieder verwachsen (Friedrich, Schuricht 1985). Um solche Schädigungen zu vermeiden, sollte der Standort windgeschützt sein, auch kalkhaltige Böden werden nicht sehr gut vertragen (Bundessortenamt 1999). - Pflanzung: Bei der Pflanzung als Hecke wird ein Pflanzabstand von 75 cm empfohlen. Es ist auch möglich, die Hecke versetzt doppelreihig zu pflanzen. - Schnitt: Die Mahonie läßt sich als Hecke gut verschneiden, durch Frost abgestorbene Triebe müssen entfernt werden. Sobald die Gehölze von innen her zu verkahlen beginnen, ist ein Auslichtungsschnitt angebracht, um die Verjüngung zu fördern. Um einen dichten, regelmäßigen Wuchs zu erreichen, ist ein Rückschnitt nach der Blüte anzuraten. Wenn die Mahonie sich in nächster Nähe zu anderen Gehölzen befindet, ist darauf zu achten, daß sie diese nicht überwuchert oder verdrängt. - Schädlinge und Krankheitserreger: Diese Wildfrucht wird kaum von Schaderregern befallen, selbst die Früchte werden kaum von Vögeln verzehrt. Lediglich die Scharlachkrankheit, welche von einem Rostpilz ausgelöst wird, kann größere Schäden verursachen. Die befallenen Triebe müssen hierbei entfernt und verbrannt werden, um die Ausbreitung der Pilze zu verhindern. - Bodenpflege, Düngung: Auf leichten Böden kann bei Trockenheit eine Bewässerung sinnvoll sein. Die Mahonie wächst besser, wenn sie ausreichend mit Mineralstoffen versorgt ist, wobei mit einer Verabreichung von NPK-Dünger nachgeholfen werden kann. Dieses Gehölz ist auch dankbar für eine Abdeckung der Pflanzscheibe mit humushaltigem Material. - Ernte: Die Früchte sollten eher spät geerntet werden, da sie sich dann leichter pflücken lassen. Weil diese sich an den Triebspitzen befinden, ist diese Arbeit nicht besonders schwer. Die Beeren können einige Tage lang gelagert werden (Friedrich, Schuricht 1985). - Verwendungsmöglichkeiten: Die Beeren sollten grundsätzlich nicht im unreifen Zustand verarbeitet werden, weil sonst Magenschmerzen auftreten können (Friedrich, Schuricht 1985), bei der Verarbeitung sollten die Samen möglichst entfernt werden durch Passieren (Bundessortenamt 1999). Aus den Früchten kann ein dunkelroter Saft gewonnen werden, welcher ein säuerliches, zitronenartiges Aroma aufweisen soll (Friedrich, Schuricht 1985). Dieser eignet sich nicht nur zur Beimischung zu anderen Säften, sondern auch als karminroter Farbstoff, der optisch gut wirkt (Albrecht 1996). Daneben lassen sie sich auch bei der Zubereitung von Süßmost, Marmelade, Konfitüre und Gelee verwenden, und sogar Wein und Likör können aus ihnen hergestellt werden, was v.a. in der Heimat der Mahonie betrieben wird. In Nordamerika werden die Früchte auch in der Zuckerbäckerei eingesetzt. Sogar für die Zubereitung von Joghurt und Quark sind die Beeren geeignet (Friedrich, Schuricht 1985). - Sorten: Von der Mahonie sind einige Sorten im Umlauf, die jedoch meist Ziersorten darstellen (Friedrich, Schuricht 1985). Vor allem ´Jupiter´, ´Mirena´ und ´Pamina´ eignen sich auch recht gut für die Nutzung als Wildobst, ihre Früchte ergeben einen dunkelroten Fruchtsaft von zitronenartigem Aroma. Diese Sorten wurden in der Zuchtstation Berlin / Baumschulenweg ausgelesen. Hierbei wächst ´Jupiter´ breit aufrecht und wird bis 1,5 m hoch, die Sorte bildet keine Ausläufer. Die Blüten sind zu dichten, aufrechten und doldenförmigen Blütenständen vereint, welche sich v.a. an den Triebenden und z.T. auch vereinzelt an den Trieben entlang befinden. Daraus bilden sich elliptische bis eiförmige Früchte mit blauer Bereifung. ´Jupiter´ wird gelegentlich auch von Mehltau befallen. ´Mirena´ dagegen weist einen mehr straff aufrechten und dichten Wuchs auf, auch hier treten keine Ausläufer auf. Diese Sorte wird bis ca. 1,3 m hoch. Die Blüten sind zu rundlichen Blütenständen zusammengefaßt, welche ebenfalls hauptsächlich an den Triebspitzen zu finden sind, aber auch entlang der Triebe. Die eiförmigen Früchte sind bereift und hellblau. ´Mirena´ bringt besonders hohe Erträge und wird i.d.R. nicht von Mehltau oder Rost befallen.
Abb. 60: Mahonia aquifolium ´Mirena´ (aus Bundessortenamt 1999) Die dritte Sorte, ´Pamina´, ging aus der Kreuzung von Mahonia aquifolium mit der Ausläufer treibenden und niedrig bleibenden Mahonia repens hervor, weshalb sie eher breit wächst, kaum höher als 80 cm wird und reichlich Ausläufer bildet. Schon früh erscheinen die kanariengelben Blüten in großer Fülle in langen Trauben, welche gehäuft zusammenstehen. Die Sorte trägt rundliche Beeren mit taubenblauer Bereifung. ´Pamina´ gilt als recht winterhart, Mehltaubefall tritt i.d.R. nicht auf (Bundessortenamt 1999). Zurück zum Seitenanfang |
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