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Aus der Dplomarbeit von Andreas Zeitlhöfler 2002: Die obstbauliche Nutzung von Wildobstgehölzen
4.14 Morus nigra - Der Schwarze Maulbeerbaum
- Vorkommen: Die Heimat dieser Maulbeerart ist die Region vom Kaukasus bis nach Mittelasien (Friedrich, Schuricht 1985), auch in Südostasien ist sie anzutreffen. In Kleinasien, Südeuropa und Nordamerika ist sie eingebürgert (Bundessortenamt 1999). - obstbauliche Bedeutung: Der Schwarze Maulbeerbaum ist schon lange in Europa als Wildobstgehölz bekannt und wird in Südeuropa auch zur Fruchtgewinnung angebaut. In Brasilien wird er auch in größeren Plantagen kultiviert, die Früchte werden dort auf dem Frischmarkt und über die Konservenindustrie abgesetzt (Friedrich, Schuricht 1985). - Erscheinungsbild: Diese Art stellt einen Strauch oder locker verzweigten Baum von bis zu 15 m Höhe dar (Friedrich, Schuricht 1985), in der Heimat wird sie bis 25 m hoch. Die Zweige sind recht kurz und stehen ziemlich dicht (Bundessortenamt 1999). Der Blattaustrieb erfolgt erst sehr spät, i.d.R. im Mai. Die ziemlich unscheinbaren weiblichen Blüten entwickeln sich zu brombeerartigen Sammelfruchtständen, welche aus vielen Einzelfrüchten bestehen. Wenn keine Befruchtung stattfindet, sind auch samenlose Früchte möglich (Friedrich, Schuricht 1985). Die Fruchtreife beginnt Mitte Juli und dauert bis Ende September. Die Früchte schmecken angenehm süßsäuerlich, sie sind länglich und werden 1 - 3 cm lang. Im vollreifen Zustand sind die Sammelfrüchte purpur bis schwarzviolett (Bundessortenamt 1999), glänzend und ergeben dann einen kräftig rot färbenden Fruchtsaft. Sie bestehen zu ca. 95 % aus eßbaren Anteilen, die einzelne Frucht wiegt etwa 2,5 g. Diese Sammelfrüchte riechen zwar eigenartig, aber angenehm. Das Fruchtfleisch ist weich und sehr saftig. Es enthält v.a. viel Zucker bei einem Zuckeranteil von ca. 7 % an der gesamten Frucht, dieser setzt sich v.a. aus Glucose und Fructose zusammen. An organischen Säuren sind hauptsächlich Apfel- und Zitronensäure vorhanden, frische Früchte bestehen zu ca. 0,5 % aus Mineralstoffen. Der Gehalt an Vitamin C ist mit ca. 6 mg/100 g vergleichsweise gering (Friedrich, Schuricht 1985).
Abb. 62: Morus nigra mit reifen Früchten (aus Bruns 2000) - Standortansprüche: Der Schwarze Maulbeerbaum gedeiht v.a. auf nährstoffreichen und tiefgründigen Böden recht gut (Bundessortenamt 1999). Auf frischen Böden wächst er schneller als auf eher trockenen Böden. Weil diese Maulbeerart besonders frostempfindlich ist, sind für den Anbau warme, geschützte und sonnige Lagen in Mitteleuropa vorzuziehen (Friedrich, Schuricht 1985). In kälteren Gegenden ist es sinnvoll, die Gehölze vor kalten Temperaturen zu schützen (Bundessortenamt 1999). - Pflanzung: Maulbeerbäume sollten am besten im Frühling gepflanzt werden. Schon bei der Pflanzung sollten neben dem üblichen Pflanzschnitt auch die Wurzeln mit einem starken Messer kräftig zurückgeschnitten und danach in Lehm eingetaucht werden. Es wird ein Pflanzabstand von 6 x 6 m empfohlen. - Schnitt, Düngung, Bodenpflege: Nach dem Pflanzen sind keine weitere Pflegemaßnahmen erforderlich. - Ernte: Die Fruchtreife vollzieht sich folgernd über einen Zeitraum von ca. sechs Wochen. Die Früchte werden i.d.R. durch Schütteln geerntet und auf unter die Pflanzen gelegten Folienplanen aufgefangen. Dies sollte geschehen, wenn die meisten Früchte reif sind. Reife Maulbeeren werden schnell schlecht und können nur ein bis zwei Tage lang aufbewahrt werden. Deshalb sind eine schnelle Verwertung oder ein rascher Frischverzehr wichtig. Oft fallen die Früchte auch schon von selbst ab und können auf diese Weise durch ihre intensiv färbende Wirkung insbesondere im öffentlichen Grün leicht zur Belästigung werden. - Erträge: Die Früchte werden generell reichlich und regelmäßig angesetzt, schon nach wenigen Jahren ist mit ersten Erträgen zu rechnen. - Verwendungsmöglichkeiten: Weil die Beeren sich auf dem Frischmarkt nicht lange halten, werden sie v.a. verarbeitet. Getrocknete Früchte mit nur noch 15 % Wassergehalt können recht gut gelagert werden, sie schmecken gut und färben stark. Der aus ihnen gewonnene Tee wird v.a. zur Linderung von Mundhöhlenentzündungen eingesetzt. Frisch geerntete Beeren können auch als Kuchenbelag Verwendung finden, daneben werden sie auch bei der Zubereitung von Kompott, Saft, Sirup, Gelee und Marmelade verwendet. Diese Erzeugnisse sollen auch bei Fieber, Verdauungs- und Herzkreislaufstörungen helfen. Maulbeersirup ist ansehnlich rosa gefärbt und hilft bei Entzündungen der Schleimhäute in Hals und Mundhöhle. Der intensiv rot gefärbte Fruchtsaft wird v.a. in der Süßwarenindustrie und bei der Weinerzeugung als natürliches Färbemittel eingesetzt. Auch das aus ihm gewonnene Konzentrat wird mit Honig vermischt bei der Zubereitung von Backwaren eingesetzt (Friedrich, Schuricht 1985). - Sorten: In Mittelasien und anderen Ländern wurde die Art züchterisch bearbeitet, so daß einige Sorten existieren, die z.T. auch bis 6 cm lange und 3 cm breite Früchte tragen. Bekannte Sorten sind v.a. “Black Persian“, “Wellington“ und “Black Tabor“. Auch am Institut für Obstzüchtung im slowakischen Bojnice wurde die Selektion verschiedener Sorten betrieben, von den daraus entstandenen Klonen sind v.a. “Bo 11“ und “Bo 12“ erwähnenswert. Hierbei trägt “Bo 11“ 2,5 - 3,5 cm lange Früchte, die 4 - 7 g wiegen und in der Zeit von Anfang Juli bis Ende August reif werden. Sie sind karminrot bis schwarz gefärbt, enthalten viel Saft und schmecken süß und leicht säuerlich. “Bo 12“ dagegen weist 3,0 - 3,5 cm lange Früchte auf mit einem Fruchtgewicht von 4 - 6 g. Sie reifen ab Ende Juni und sind dunkelviolett bis schwarz (Bundessortenamt 1999). - weitere Arten: Der Rote Maulbeerbaum (Morus rubra) stammt aus dem Osten der USA und gelangte bereits um 1629 nach Europa. Er wird bis 30 m hoch und weist eine breit-runde Krone auf. Die mittelgroßen Früchte werden 2 - 3 cm lang. Sie sind saftig, süß und leuchtend rot bis dunkelpurpur gefärbt. Diese Maulbeeren sind zwar zum Frischverzehr und zur Verwendung in der Küche gut geeignet, trotzdem wird der Rote Maulbeerbaum kaum als Obstgehölz verwendet, er soll aber recht frosthart sein. Weiterhin sind noch zwei Arten bekannt, nämlich Morus australis (Strauch mit 1 - 1,5 cm großen Früchten, die saftig, süß und dunkelrot sind und reichlich angesetzt werden) und Morus cathayana. Letztere Art stellt einen 3 - 5 m hohen, reichlich verzweigen Strauch mit breiter, runder Krone dar. Die Früchte sind schmal walzenförmig, schmecken süß und weisen eine Länge von 2 - 3 cm auf. Die Fruchtrarbe kann weiß, rot oder schwarz sein (Bundessortenamt 1999). Zurück zum Seitenanfang |
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