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Aus der Dplomarbeit von Andreas Zeitlhöfler 2002: Die obstbauliche Nutzung von Wildobstgehölzen

4.15 Prunus cerasifera - Die Kirschpflaume

- Vorkommen: Die Kirschpflaume war ursprünglich nur im Kaukasus, Kleinasien, auf der Krim, in Südwestsibirien (Bundessortenamt 1999), Transkaukasien, im Iran und in Zentralasien beheimatet. Heute ist sie auch in Mitteleuropa häufig anzutreffen. Selbst auf dem Balkan und in Skandinavien ist sie bereits verwildert (Friedrich, Schuricht 1985).

- obstbauliche Bedeutung: Schon die alten Römer kannten diese Wildobstart und brachten sie um 200 v.Chr. auch nach Mitteleuropa, die Slawen begannen mit ihrer Kultur im 10. Jahrhundert. In Deutschland wird die Kirschpflaume erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt. Um 1926 gelangten auch türkische Sorten der Varietät divaricata nach Deutschland, woraus die Sorten ´Ceres´, ´Fertila´ und ´Anatolia´ entstanden. Diese wurden jedoch später von Pflaumensorten verdrängt. Auch derzeit wird die Kirschpflaume kaum angebaut, nur hin und wieder ist sie in Haus- und Bauerngärten anzutreffen. Eine intensive Nutzung dieses Steinobstes ist aus den südlichen GUS bekannt, auch in Bulgarien ist sie mehr von Bedeutung. Es ist zu beachten, daß sie gerade auf leichten Böden und trockenen Standorten anderen Pflaumenverwandten deutlich überlegen ist (Friedrich, Schuricht 1985).

- Erscheinungsbild: Die Kirschpflaume ähnelt der Pflaume sehr, sie blüht jedoch bereits sehr früh, noch vor dem Laubaustrieb. Der Wuchs ist recht stark, sie erscheint als breit ausladender Strauch oder bis zu 8 m hoher Baum. Die Triebe sind kahl und zunächst intensiv grün, selten tragen sie auch Dornen (Friedrich, Schuricht 1985). Es wird zwischen fruchtbaren und weniger fruchtbaren Typen unterschieden (Bundessortenamt 1999). Die Früchte sind eher kugelig, leicht gefurcht und deutlich bereift. Sie weisen eine gelbe Grund- und eine verwaschen braunrote, gestreifte Deckfarbe auf (Friedrich, Schuricht 1985). Mitunter können die Früchte auch rot oder schwarzblau gefärbt sein. Es gibt auch Sorten, die sich im Geschmack unterscheiden. So schmecken die einen mehr herb-säuerlich, andere dagegen mehr süß (Albrecht 1996). Der Durchmesser dieser Steinfrüchte beträgt bis zu 2,5 cm, bei manchen Sorten auch bis zu 5 cm (Bundessortenamt 1999). Von den Inhaltsstoffen her unterscheiden sie sich kaum von denen der Pflaumen, auch hier tritt ein eher ausgewogenes Zucker-Säure-Verhältnis auf (Friedrich, Schuricht 1985).

 

 

Abb. 63: Prunus cerasifera mit reifen Früchten (aus Bruns 2000)

- Standortansprüche: Diese Steinobstart kann auch dort noch angepflanzt werden, wo der Boden für "normale" Pflaumen zu leicht oder zu trocken ist. Vor allem die Sorte ´Ceres´ hat sich auf solchen Standorten als echte Alternative zu dieser bekannteren Obstart erwiesen. Der Boden muß auch nicht besonders nährstoffreich sein. Die Kirschpflaume wächst jedoch auf besseren Substraten deutlich besser und kann dort recht große Kronen ausbilden. Dafür ist diese Art nicht besonders winterhart, so daß in sehr kalten Wintern die Knospen erfrieren können. Wenn es dagegen regelmäßig kälter und anschließend allmählich wieder wärmer wird, kann dieses Gehölz auch sehr kalte Winter (sogenannte Polarwinter) gut überstehen. Die Blüte ist jedoch immer spätfrostgefährdet. Deshalb sollte dieses Steinobst auch nicht auf schweren, sehr feuchten Böden angebaut werden, welche die Spätfrostgefährdung erhöhen.

- Pflanzung: Die Pflanzung sollte generell im Herbst erfolgen, und zwar möglichst bald nach der Rodung. Für die Sorte ´Ceres´ wird ein Pflanzabstand von 2,5 - 3,5 m in der Reihe und ein Reihenabstand von 4 - 4,5 m empfohlen. Auch für andere Müncheberger Sorten sind solche Abstände geeignet. Bei stärker wachsenden Sorten wird ein Reihenabstand von 6 - 8 m und ein Abstand in der Reihe von 4 - 6 m empfohlen. Die Kirschpflaumensorten brauchen weitere Sorten als Befruchter.

- Erziehung und Schnitt: Die Kirschpflaume kann wie die Pflaume als Busch, Viertel-., Halb- oder Hochstamm erzogen werden. Schon im Frühling nach dem Pflanzen sollten die vorgesehenen Leitäste etwas eingekürzt und die übrigen Triebe heruntergebunden werden, die dafür zu schwachen Triebe werden belassen. Es werden lediglich diejenigen Äste entfernt, welche später die Krone einengen würden. Später wird die Krone nur noch in Form gehalten, wobei sich der Schnitt auf ein Auslichten und das Entfernen der abgetragenen Zweige beschränken kann. Wenn die Bäume große Erträge bringen, ist es sinnvoll, die Krone durch das Entfernen ganzer Fruchtäste zu verjüngen.

- Krankheiten und Schädlinge: Diese sind im Grunde dieselben wie bei Pflaumen und Zwetschgen, nämlich v.a. Botrytis cinerea (besonders bei feuchtwarmer Witterung zur Ernte und büschelweise gehäuften Früchten), Pflaumengespinstmotten (v.a. in weit angelegten Anlagen), sowie Schwarze und Gelbe Pflaumensägewespen. Eine Besonderheit ist hierbei, daß die Kirschpflaume vom Pflaumenwickler weniger stark befallen wird als die Hauspflaumensorten.

- Bodenpflege, Düngung: Es wird empfohlen, den Boden z.B. durch den Einsatz von Herbiziden offen zu halten. Die Düngung sollte wie bei Pflaumen vorgenommen werden, diese sollte auf mehrere Gaben verteilt und entsprechend den Ergebnissen einer vorher vollzogenen Bodenuntersuchung erfolgen. Vor allem im Frühling kann hierbei eine Bewässerung bei Trockenheit günstig sein, im Sommer und Herbst schadet sie eher.

- Ernte: Obwohl dieses Wildfruchtgehölz so früh blüht, sind die Erträge doch beachtlich regelmäßig und hoch. Es muß jedoch beachtet werden, daß diese Steinobstart selbstunfruchtbar ist und sich auch nicht von Pflaumensorten befruchten läßt. Die Früchte werden sehr früh reif und können durch Schütteln gut geerntet werden, wobei sich die Reifezeiten der einzelnen Sorten oft deutlich voneinander unterscheiden. Erfahrungen zur Lagereignung liegen noch nicht vor, doch dürften sich die Früchte wie die Pflaumen noch einige Zeit im Kühllager halten (Friedrich, Schuricht 1985).

- Verwendungsmöglichkeiten: Die Kirschpflaume wird zwar oft als anspruchslose, trockenheitsverträgliche Unterlage für Pflaumen verwendet, doch im Gegensatz zur Pflaume bzw. Zwetschge wird sie als Obst kaum angebaut (Albrecht 1996). Die Früchte eignen sich zwar aufgrund des oft hohen Säuregehalts weniger zum Frischverzehr, sie sind jedoch hervorragend zum Einmachen verwendbar. Manche Sorten könnten von der Konservenindustrie wie Mirabellen eingesetzt werden. Auch für Kompott sollen sich die Steinfrüchte bestens eignen (Friedrich, Schuricht 1985).

- Sorten und Varietäten: Eine Besonderheit stellt die Sorte ´Ceres´ dar, welche um 1926 aus der Türkei nach Mitteleuropa gebracht wurde. Botanisch gesehen gehört sie zur Varietät P. cerasifera var. divaricata. Sie wächst eher schwach bis mittelstark und weist eine breitpyramidale Krone auf. Auch ´Ceres´ blüht sehr früh und ist selbstunfruchtbar. Die Früchte sind rundlich, 37 mm breit und erreichen ein Gewicht von je 20 g. Sie weisen eine trüb-violette Färbung auf und sind hell bräunlich violett bereift. Die Bauchnaht wirkt durch die breite Narbung sehr wulstig. Das Fruchtfleisch ist weich, gallertartig, hell gelblich-orange bis hell-orange und schmeckt sehr süß, aber nur mäßig saftig. ´Ceres´ bringt frühe und hohe Erträge, welche sogar höher als bei Pflaumen sein können, solange kein Spätfrost auftritt. Die Früchte sind ab ca. Mitte August genußreif. Für den Anbau könnte sie aufgrund der Eignung auch für leichte Böden und sehr trockene Standorte durchaus interessant sein (Friedrich, Schuricht 1985). Bei der Varietät var. divaricata selbst werden die Früchte nur 1,5 - 2 cm groß und sind z.T. recht sauer (Bundessortenamt 1999). Darüber hinaus sind von dieser Varietät noch weitere Sorten bekannt, welche als Müncheberger Sorten bezeichnet werden (Friedrich, Schuricht 1985). Von diesen sind neben ´Ceres´ auch ´Anatolia´ und ´Fertilia´ zu erwähnen (Bundessortenamt 1999). Eine weitere Varietät stellt die Myrobalane (P. cerasifera var. cerasifera) dar, welche die eigentliche Kirschpflaume bezeichnet (Friedrich, Schuricht 1985). Reichlich Früchte trägt auch die mehr als Zierpflanze bekannte Sorte ´Trailblazer´, welche auffallend braunrote Blätter (Albrecht 1996) und 4 cm große, kirschrote Steinfrüchte aufweist, die ein angenehmes Aroma besitzen. Die Sorte wird 5 m hoch. Häufig ist in Gärten auch die sogenannte "Blut-Pflaume" zu finden, welche zur Varietät P. cerasifera var. atropurpurea gezählt wird. Diese zeichnet sich durch größere Blätter mit dunkelroter Färbung und rosa Blüten aus, dafür trägt sie nur wenige, jedoch größere und dunkelrot gefärbte Früchte. Diese Varietät wurde um 1880 aus Persien nach Frankreich eingeführt (Bundessortenamt 1999).

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