| Zurück zum Inhaltsverzeichnis, Bislang kaum angebaute Wildobstarten | | garteninfos.de |

Aus der Dplomarbeit von Andreas Zeitlhöfler 2002: Die obstbauliche Nutzung von Wildobstgehölzen

4.16 Prunus padus - Die Traubenkirsche

- Vorkommen: Die Traubenkirsche ist in Asien und Europa von Portugal bis nach Japan und von Skandinavien bis nach Norditalien beheimatet, fehlt aber an der Nordseeküste. In Mitteleuropa ist sie nur sporadisch anzutreffen, allerdings dort von der Tiefebene bis ins Hochgebirge.

- obstbauliche Bedeutung: Obwohl die Früchte der Traubenkirsche schon in der Stein- und Bronzezeit als Nahrungsmittel genutzt wurden, sind sie heute als Wildobst ohne größere Bedeutung.

- Erscheinungsbild: Diese Steinobstart tritt als mehrstämmiger Großstrauch oder Kleinbaum in Erscheinung und kann dabei 2 - 10, mitunter auch bis 20 m hoch werden. Bei baumartigem Wuchs ist die Krone oval bis rund, die jüngeren und dünneren Zweige hängen über. Die Blätter sind auf der Oberseite dunkelgrün, auf der anderen Seite blaugrün und von eiförmiger bis lazettlicher Form. Die von April bis Juni erscheinenden Blüten sind weiß, gut duftend und zu je 10 bis 20 in locker aufgebauten, hängenden Trauben vereint. Diese Wildobstart kann sich selbst befruchten. Aus den Blüten bilden sich glänzend schwarze bis rötliche, 6 - 8 mm dicke Steinfrüchte, welche je nach Lage von Juli bis August reif werden. Nur das bittersüße Fruchtfleisch ist verwendbar, nicht der giftige, Amygdalin enthaltende Samen. Diese Früchte sind v.a. reich an Vitamin C, Fruchtsäuren und Mineralsalzen, auch Zucker ist in größeren Mengen vorhanden.

Abb. 64: Prunus padus mit Fruchttrauben (aus Bruns 2000)

- Standortansprüche: Die Traubenkirsche gedeiht v.a. auf feuchten, tiefgründigen und nährstoffreichen Böden gut, optimal sind lehmige bis sandig-steinige Böden mit pH-Werten im leicht sauren Bereich. Diese Wildfruchtart verträgt Hitze und große Kälte.

- Pflanzenschutz: Diese Steinobstart sollte nicht in der Nachbarschaft von Obstanlagen angepflanzt werden, weil sie hin und wieder von Gespinstmotten massiv befallen wird.

- Verwendungsmöglichkeiten: Das Fruchtfleisch kann vielseitig verwendet werden und eignet sich für Liebhaber auch zum Frischverzehr. Es schmeckt herb, bitter und süß, aber sehr aromatisch. Die Früchte können v.a. in Mischung mit Kulturobst und weiteren Wildfrüchten, die arm an Säure sind, gut zur Zubereitung von Marmeladen, Kompotten, Getränken und Likör eingesetzt werden.

- Sorten und Unterarten: Schon von sich aus ist die Art sehr variabel, so daß mehrere Selektionen als Ziergehölze im Umlauf sind. Generell muß hierbei zwischen den beiden in der Natur vorkommenden Unterarten Prunus padus ssp. padus und P. padus ssp. borealis unterschieden werden. Die zuerst genannte Unterart ist die im Flachland üblicherweise anzutreffende Variante, welche i.d.R. mehr als 8 m hoch wird und einen Baum oder baumartigen Großstrauch darstellt. Die Blütenstände hängen stark über. Bei der Unterart ssp. borealis dagegen handelt es sich um eine in den Mittel- und Hochgebirgslagen verbreitete Form, welche als Strauch nur 2 - 4 m hoch wird. Die Blütenstände sind aufrecht stehend bis waagrecht und dichter. In Rußland wurde die Traubenkirsche mehrmals mit den Arten P. chamaecerasus, P. pensylvanica und P. maackii gekreuzt, woraus Sorten entstanden wie ´Cerapadus 1´, ´Süße Cerapadus´ und ´Große Cerapadus´ (Bundessortenamt 1999).

- nahe verwandte Arten: Die der Traubenkirsche nahestehende Spätblühende Traubenkirsche (P. serotina) ist in Nordostamerika beheimatet und in Europa an manchen Orten verwildert. Hierbei handelt es sich um einen in der Heimat z.T. bis über 30 m hohen Baum mit schmaler Krone, der in Europa mehr strauchförmig wächst. Die Blüten erscheinen zwei Wochen später als bei Prunus padus. Die Steinfrüchte sind etwas größer, werden von August bis September reif und können wie diejenigen der Traubenkirsche verwendet werden.

Abb. 65: Prunus serotina mit Fruchtständen (aus Bundessortenamt 1999)

Aus Nordamerika stammt auch die Virginische Traubenkirsche (P. virginiana), welche in Europa nicht sehr bekannt ist und sich meist als Strauch und nur selten als Baum zeigt, die Endhöhe kann bis zu 10 m betragen (Bundessortenamt 1999). Als Kleinbaum weist sie eine rundliche Krone auf (10). Diese Art treibt Wurzelausläufer (Bundessortenamt 1999) und trägt 8 - 10 mm große, dunkelrot bis schwarz gefärbte Steinfrüchte, welche erst am dreijährigen Holz erscheinen. Diese sind zu 8 - 15 cm langen, zylindrischen Trauben vereint und werden in der Zeit von August bis September reif. Anfangs schmecken sie noch sehr adstringierend, erst im vollreifen Zustand werden sie süßlicher und damit genießbar. Die Virginische Traubenkirsche ist gut geeignet für nährstoffreiche, feuchte Böden und braucht einen möglichst sonnigen Standort. Für den erwerbsmäßigen Anbau wird die Reduzierung der Krone auf zehn Leitäste empfohlen. Es sind einige Sorten bekannt mit schwarzen, roten oder gelben Früchten (10).

Zurück zum Seitenanfang