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Aus der Dplomarbeit von Andreas Zeitlhöfler 2002: Die obstbauliche Nutzung von Wildobstgehölzen

4.17 Prunus spinosa - Die Schlehe

- Botanik: Mitunter wird die Schlehe auch mit Zibarten oder der Kriechenpflaume verwechselt, weiterhin existieren einige Hybriden, welche schon in der freien Natur vorkommen (Hornung 1999). Selbst die Plaume entstand durch Kreuzung aus der Schlehe mit der Kirschpflaume. Mit der Pflaume wurden weitere Kreuzungen durchgeführt, so daß Sorten wie die Schlehenreneklode (= Prunus spinosa x P. domestica ´Große Grüne Reneklode´) entstanden (Belke 1997).

- Vorkommen: Es wird vermutet, daß diese Wildobstart in Mitteleuropa ursprünglich gar nicht heimisch war, sondern zunächst aus Vorderasien stammt. Heute ist sie jedoch in Europa von Skandinavien bis sogar nach Nordafrika weit verbreitet, im Kaukasus kommt sie noch in einer geographischen Höhe von 1600 m vor.

- Bedeutung für den Anbau: Schon die Steinzeitmenschen sollen die Früchte der Schlehe gesammelt haben. Damals wurden sie bereits zu einem alkoholischen Getränk verarbeitet. Auch heute noch werden die Früchte als Wildobst gesammelt und v.a. in Spanien und Italien auch für verschiedene Zwecke verwendet, doch werden sie bisher kaum angebaut. In Deutschland ist die Schlehe nur hin und wieder auch in größeren Nutzgärten zu finden (Belke 1997).

- Erscheinungsbild: Die Schlehe erreicht als Strauch eine Höhe von 2 - 5 m und bildet zahlreiche Wurzelausläufer (Bartels et. al. 1998 c), sie weist eine sparrige Verzweigung und einen langsamen Wuchs auf (Bundessortenamt 1999). Die sind reichlich mit Dornen versehen. Die Blätter sind derb, länglich bis verkehrt-eiförmig und mit einer stumpfen Blattspitze sowie einem einfach bis doppelt gesägten Blattrand versehen (Belke 1997). In der freien Natur fällt die Schlehe v.a. durch die zahlreichen (Albrecht 1996), rein weißen Blüten auf, welche z.T. schon im März erscheinen (Belke 1997). Die Steinfrüchte sind kugelig, hellblau bis schwarz mit bläulicher Bereifung und erreichen fast die Größe von Kirschen. Der Anteil des Kerns an der Frucht kann bis zu 25 % betragen (Albrecht 1996), er löst sich nur schwer vom Fruchtfleisch (Bundessortenamt 1999). Die Früchte enthalten reichlich Vitamin C mit bis zu 60 mg/100 g Frucht und weisen einen Zuckeranteil von bis zu 10 % auf, der Anteil an Mineralsalzen kann sogar 15 % betragen. Weiterhin bestehen sie zu je 0,5 % aus Pektin und organischen Säuren (Belke 1997), daneben beinhalten sie aber auch reichlich Gerbstoffe (Albrecht 1996).

 

 

 

 

 

 

Abb. 66: Prunus spinosa – dichter Fruchtbehang im Dezember

Abb. 67: Prunus spinosa – getrocknete Früchte im Dezember

 

- Pflanzung: Bei heckenartigen Pflanzungen wird ein Pflanzabstand von 50 cm empfohlen. Schlehen sollten als möglichst junge Pflanzen gepflanzt werden. Frühestens nach 20 Jahren erreichen die Sträucher ihre volle Größe (Belke 1997).

- Standortansprüche: Die Schlehe braucht v.a. einen sonnigen Standort. Der Boden ist eher unwichtig, sie kommt sogar auf sehr kalkhaltigen Substraten noch gut zurecht (Belke 1997). Auch mäßig saure, steinige und lehmige Böden werden gut vertragen, die Schlehe ist gut winterhart (Bundessortenamt 1999). Am günstigsten wäre ein sommerwarmer, vollsonniger Standort (Belke 1997).

- Erziehungsformen und Schnitt: Die Schlehensträucher sollten hin und wieder ausgelichtet werden, damit die Ernte erleichtert wird. Selbst ein strenger Rückschnitt schadet der Schlehe nicht, ein teilweiser Rückschnitt ins alte Holz ist jedoch nicht empfehlenswert (Belke 1997). Es wurden bereits Versuche mit der Erziehung von Schlehen als "Schlehenbäume" gemacht, bei denen verschiedene Herkünfte durch Veredlung vermehrt wurden. Dies könnte ein großer Schritt für die Schlehe als anbauwürdiges Wildobstgehölz sein, da die Ernte bei einer solchen Erziehungsform deutlich erleichtert wird (Hornung 1999). Der Autor weiß aus eigener Erfahrung, daß auch ohne Veredlung die Anzucht von Schlehen als Kleinbaum zwar möglich ist, doch müssen dann die am Stamm neu entstehenden Triebe und die Wurzelsprößlinge immer wieder in mühevoller Arbeit entfernt werden. Auch bei der Anpflanzung von Sträuchern als Wildobst wäre ein Entfernen der Wurzeltriebe in regelmäßigen Abständen erforderlich, weshalb sich auch Kleinbrenner derzeit für die Anpflanzung als Obstgehölz nicht besonders interessieren (Bartels et. al. 1998 c).

- Bodenpflege, Düngung: Diese Arbeiten werden bei Schlehen als nicht notwendig angesehen (Belke 1997).

- Krankheiten und Schädlinge: Wie auch andere nahe Verwandte der Pflaume, so wird die Schlehe ebenfalls von der Scharka-Krankheit heimgesucht. Die Schlehe ist jedoch im Gegensatz zu manchen Pflaumen- oder Zwetschgensorten dafür nicht fruchttolerant, so daß die Schlehenfrüchte bei Scharkabefall im unreifen Zustand abgeworfen werden (Bartels et. al. 1998 c). Dies stellt momentan ein großes Problem dar, denn aufgrund dessen sollten Schlehen auf keinen Fall in die Nähe von Pflaumen- oder Zwetschgenanlagen gepflanzt werden. Es soll mindestens ein Abstand von 500 m zu solchen Anlagen eingehalten werden. Als Schädling bereitet v.a. die Pflaumengespinstmotte Probleme, auch die Pfirsichgespinstmotte kann größere Schäden verursachen. Beide wurden bis vor kurzem in der Baumschule noch mit dinitronhaltigen Mitteln (DNOC) bekämpft. Als weitere gefährliche Schädlinge gelten Baumweißlinge und Goldatter. Pilzlich bedingte Erkrankungen treten bei der Schlehe deutlich seltener auf als bei Pflaumen (Belke 1997).

- Ernte und Erträge: Obwohl die Früchte oft schon im September eine blaue Färbung erhalten, sind sie zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht genießbar. Erst im Oktober oder November wird der hohe Gerbstoffgehalt infolge von Frosteinwirkung allmählich abgebaut. Für die Gewinnung von Destillaten werden die Früchte gar erst im November oder Dezember geerntet. Bei Schlehensträuchern müssen die Früchte mühsam von den Zweigen gepflückt werden, wobei diese Arbeit sowohl von der geringen Größe der Früchte, als auch von der oft dichten Verzweigung erschwert wird. Um die Ernte zu erleichtern, werden die Sträucher gelegentlich auch einfach abgeklopft und die herabfallenden Früchte auf einer Plane aufgefangen. Auf diese Weise wird jedoch oft die Rinde verletzt und auch Blätter werden abgeschlagen, was für das Wachstum der Sträucher nicht so gut ist. Eine baumförmige Erziehung würde evtl. sogar eine maschinelle Ernte mit Schüttelgeräten ermöglichen (Bartels et. al. 1998 c). Die nach Frösten geernteten Früchte werden bei Lagerung schnell weich und runzelig, auch können sie dann nur noch bedingt transportiert werden, doch sind Lagerung und Transport bislang ohnehin ohne Bedeutung. Bei wild wachsenden Schlehensträuchern sollen Erträge von bis zu 50 kg/Strauch möglich sein (Belke 1997).

- Verwendungsmöglichkeiten: Die Früchte sind v.a. als Rohstoff für den sogenannten Schlehengeist bekannt. Im unausgereiften Zustand schmecken sie recht herb und adstringierend, sie sind deshalb nicht zur Verwertung geeignet. Erst nach Frosteinwirkung oder Lagerung wird das Aroma harmonischer. Solche Steinfrüchte können durchaus auch roh verzehrt werden (Jung 2001). Neben der Herstellung von Schlehengeist ist auch die Erzeugung von Schlehenwasser bekannt. Doch es gibt noch weitere Verwendungsmöglichkeiten wie die Zubereitung von Musen, Säften, Weinen und Kompott. Früher wurden die Früchte auch zur Gewinnung von Schlehenbrand noch eingemaischt, was heute kaum noch gemacht wird. Bei allen Verwendungszwecken sollte von den Früchten zuerst ein Schlehen-Rotwein-Auszug aus den Früchten zubereitet werden. Dieses Erzeugnis stellt den Ausgangsstoff für weitere Verwendungsmöglichkeiten dar wie Schlehensaft, Schlehenlikör, Schlehensoße, Schlehengelee, Schlehen-Glühwein, Schlehenkaffee, Schlehen-Eis etc. (Bartels et. al. 1998 c). Gerade zur Zubereitung von Gelee eignen sich die Früchte aufgrund des hohen Pektingehalts recht gut (Belke 1997).

- Sorten: Schon von Natur aus ist die Art Prunus spinosa sehr variabel, so daß es von ihr zwei Varietäten, vier Subvarietäten und elf Formen gibt (Belke 1997). Es sind zwar Herkünfte bekannt, welche sich auch in der Fruchtgröße unterscheiden, aber keine gezüchteten Sorten (Hornung 1999).

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