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Aus der Dplomarbeit von Andreas Zeitlhöfler 2002: Die obstbauliche Nutzung von Wildobstgehölzen
4.27 Vaccinium oxycoccus - Die Gemeine Moosbeere - Vorkommen: Diese europäische Verwandte der v.a. in Nordamerika obstbaulich genutzten Großfrüchtigen Moosbeere ist in ganz Nord- und Mitteleuropa bis nach Lappland verbreitet. Auch in weiten Teilen Rußlands ist sie anzutreffen, nach Osten setzt sich ihr Verbreitungsgebiet bis zur Halbinsel Kamtschatka und in die Mandschurei fort. Selbst in Japan und in der borealen Zone Nordamerikas ist sie noch anzutreffen, dort südlich bis Britisch Columbia, Minnesota, Michigan und Nord-Carolina, wobei sich der Kreis mit angeblichen Vorkommen in Grönland schließt. - obstbauliche Bedeutung: Im Gegensatz zu ihrer großfrüchtigen Verwandten, der Großfrüchtigen Moosbeere oder Cranberry (Vaccinium macrocarpon), wird die Gemeine Moosbeere bisher kaum angebaut, was auch aufgrund der speziellen Bodenansprüche nicht sehr leicht ist. Die Früchte werden jedoch als Wildfrüchte gesammelt und verwertet, v.a. in den GUS. Dort werden sie ähnlich wie die Großfrüchtige Moosbeere von der Lebensmittelindustrie verwertet. Allein im Jahr 1975 wurden die möglichen Erntemengen der gesamten damaligen UdSSR auf 1,3 - 1,4 Mill. t geschätzt. Seit 1930 wurden auch Sorten gezüchtet. - Erscheinungsbild: Auch diese Art wird als Zwergstrauch nicht gerade hoch. Die Stengel sind lang, kriechend, dünn und erreichen eine Länge von 80 cm. Die hier wintergrünen Laubblätter sind ledrig derb, eiförmig, zugespitzt, auf der Oberseite dunkelgrün, auf der Unterseite bläulich bereift und fein drüsenhaarig, der Blattrand ist glatt. Die Blüten erscheinen zwischen Juni und August. Sie sind einzeln oder zu bis vier Blüten vereint und weisen karminrosa, turbanartige Kronblätter auf. Die Kelchblätter dagegen sind mit vier bis fünf Lappen versehen. Die Beeren sind saftig, kugelig, z.T. auch birnenförmig, i.d.R. tiefrot gefärbt und 4 - 5 mm breit. Sie enthalten mehrere Samen. Die Früchte sind reich an Mineralstoffen (0,2 - 0,3 %), Pektin (0,4 - 0,8 %) und Zucker (2,4 - 6,1 %). Letzterer kommt jedoch nicht so sehr zum Tragen wie die organischen Säuren, welche mit 2,1 - 4,9 % an der Trockensubstanz beteiligt sind. Von diesen ist v.a. Zitronensäure reichlich vorhanden, daneben auch Benzoesäure und Chlorogensäure. Auch der Vitamin-C-Gehalt ist mit 15 - 30 mg/100 g nicht zu verachten; Vitamin B1, B2 und vitamin-P-aktive Substanzen sind ebenfalls in größeren Mengen enthalten. - Standortansprüche: Die Gemeine Moosbeere gedeiht nur in Moorgebieten gut, deshalb eignet sie sich zumindest in Mitteleuropa nicht für den großflächigen Anbau. - Ernte: Erst nach den ersten Frösten sollten die Früchte geerntet werden, weil sie dann weicher sind und süßer schmecken. Die Ernte kann auch erst im nächsten Frühling stattfinden. Die Beeren werden durch Pflücken von Hand geerntet. Obwohl eine Lagerung kaum üblich ist, lassen sich die Früchte doch gut lagern und transportieren. Im gefrosteten Zustand halten sie sich sogar fünf Monte lang, ohne daß wertvolle Inhaltsstoffe nennenswert verlorengehen. - Verwendungsmöglichkeiten: Die Beeren lassen sich wie Preiselbeeren verwenden. Auch zum Frischverzehr sind sie geeignet, wenn der säuerliche Geschmack nicht als negativ empfunden wird. Die Früchte eignen sich jedoch besser zur Herstellung von Konfitüre und zur Gewinnung von Saft, welcher entweder kalt oder durch Dampfentsaften gewonnen werden kann. Aus Rußland und Finnland ist auch die Verarbeitung zu alkoholischen Getränken bekannt (Friedrich, Schuricht 1985). - Unterarten bzw. nahe verwandte Arten: In der freien Natur tritt die Moosbeere in zwei verschiedenen Unterarten auf, nämlich als Kleinfrüchtige Moosbeere (V. oxycoccus ssp. microcarpus) und als die eigentliche Gemeine Moosbeere (V. oxycoccus ssp. oxycoccus), wobei auch intermediäre Formen bekannt sind. Die Kleinfrüchtige Moosbeere unterscheidet sich von der anderen Unterart hauptsächlich durch deutlich kleinere Blätter, Blüten und Früchte (Friedrich, Schuricht 1985). Heute wird sie als eigene Art Vaccinium microcarpus bezeichnet. Diese ist nur stellenweise im Schwarzwald, im Erzgebirge, in Mecklenburg und im Schweizer Jura anzutreffen. Noch seltener ist die großfrüchtige Art Vaccinium gigas (Bundessortenamt 1999). Zurück zum Seitenanfang |
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