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Aus der Dplomarbeit von Andreas Zeitlhöfler 2002: Die obstbauliche Nutzung von Wildobstgehölzen
4.28 Vaccinium vitis-idaea - Die Preiselbeere
- Vorkommen: Im Gegensatz zur Gemeinen Moosbeere ist die Preiselbeere in Europa noch viel weiter verbreitet, wobei sie von der nördlichen gemäßigten Zone bis in den arktisch-zirkumpolaren Bereich vertreten ist. In Skandinavien kommt sie bis zum 71. Nördlichen Breitengrad vor, in Grönland soll sie sogar noch weiter nördlich anzutreffen sein. In Asien ist die Preiselbeere ebenfalls anzutreffen, und zwar im Kaukasus, im Ural, im Altai, im Himalaja, auf Nowaja Semlja, auf der Halbinsel Kamtschatka, auf der Insel Sachalin und südlich davon auch in Japan. In Nordsibirien dringt sie bis zur Mündung der Lena vor, und in Nordamerika ist die Preiselbeere von der arktische Zone bis in die nördlichen USA anzutreffen (Friedrich, Schuricht 1985). - obstbauliche Bedeutung: Obwohl die Preiselbeere wegen des ausgezeichneten Aromas als Delikatesse gilt, wird sie i.d.R. als Wildfrucht gesammelt, anbauliche Bedeutung erlangte sie bisher nicht. Insbesondere in Finnland, Schweden, Norwegen und Rußland ist die Preiselbeere in der Natur in großen Massen vertreten, deshalb ist dort der Schwerpunkt der Fruchtnutzung. In Schweden wurden bereits erste Bestrebungen unternommen, die Preiselbeere auch als Wildobst anzubauen und die Ernte durch Mechanisierung zu erleichtern. In Finnland liefen ab 1968 im Forschungsinstitut für Gartenbau in Piikiö Versuche zum Anbau von Preiselbeeren. Auch in Deutschland gab es Bestrebungen, diese Wildobstart in Kultur zu nehmen, v.a. am Institut für Obstbau der Technischen Universität München in Weihenstephan. Dort wurden auch verschiedene Herkünfte auf ihren obstbaulichen Nutzen überprüft. In der ehemaligen DDR liefen ebenfalls Versuche zu diesem Thema. Ein Vorteil könnte v.a. in der großen Anspruchslosigkeit der Preiselbeere liegen, denn sie gedeiht auch noch auf reinen Sandböden (Friedrich, Schuricht 1985). Schon seit 1969 ist die Sorte ´Koralle´ im erwerbsmäßigen Anbau zu finden, seit 1981 ist die Sorte ´Erntesegen´ im Vertragsanbau vertreten (Engel et. al. 1999). - Erscheinungsbild: Dieser Zwergstrauch wird nur 10 - 30 cm hoch und weist unterirdisch kriechende, wurzelbildende Triebe auf, wobei die Blatt- und Blütentriebe deren Achselknospen entspringen. Diese Zweige streben büschelweise nach oben. Die Blätter sind wechselständig, zweizeilig angeordnet, verkehrt eiförmig bis eiförmig, wintergrün und ledrig derb, die Blattspitze ist stumpf oder ausgerundet. Im Gegensatz zur dunkelgrünen Blattoberseite ist die Unterseite matt bleichgrün. Die Blüten sind zu Trauben vereint, welche sich an der Spitze der Triebe befinden und hängend sind. Sie bestehen aus wenigen bis vielen, weißen Einzelblüten, welche rötlich überlaufen sind und eine glockenförmige Krone aufweisen. Auch die Beeren sind zunächst weiß, später aber scharlachrot gefärbt, sie sind kugelig, glänzend, mehlig und weisen oben noch verstümmelte Kelchblätter auf. Der Trockensubstanzanteil ist mit 15,2 % recht hoch. Der leicht bittere Geschmack wird v.a. von den reichlich vorhandenen organischen Säuren wie Zitronen-, China-, Benzoe-, Bernstein- und Salicylsäure gebildet. Von den Vitaminen sind neben dem Vitamin C (10 - 20 mg/ 100 g Frucht) v.a. die Vitamine B1, B2, B3 und Pro-Vitamin A vertreten. Von den Mineralstoffen beinhalten die Preiselbeeren insbesondere Kalium, Calcium, Magnesium und Phosphor in größeren Mengen (Friedrich, Schuricht 1985).
Abb. 70: Vaccinium vitis-idaea mit reifen Früchten - Standortansprüche: Dieser Kleinstrauch gilt als sehr unempfindlich gegen Frost, selbst bei Temperaturen von -22°C treten keine Schäden auf, nach dem Austrieb sind die Pflanzen noch bis -3°C frosthart. Durch die späte Blüte können ihnen auch Spätfröste kaum etwas anhaben. Auch Trockenheit wird von der Preiselbeere relativ gut vertragen, und selbst auf leichten Sandböden kann sie noch gut gedeihen (Friedrich, Schuricht 1985). Am besten gedeiht diese Wildfrucht aber auf sauren Rohhumusböden und in voller Sonne, wenn sie auch oft in schattigen Wäldern vorkommt (Albrecht 1996). - Pflanzung: Es wird eine Pflanzung in Reihen empfohlen (Friedrich, Schuricht 1985), die Abstände zwischen den Pflanzen sollten ca. 30 cm groß sein (Engel et. al. 1999). - Schnitt: Der Schnitt erfolgt wahrscheinlich wie bei Kulturheidelbeeren, um den Wuchs zu bremsen. - Krankheiten, Schädlinge: In der freien Natur werden Preiselbeeren kaum von Schaderregern befallen. Es sind eine Reihe von Pilzkrankheiten bekannt. Hauptsächlich Sclerotinia vaccinii, S. urnula, S. oreophila, Phacidium vaccinii, P. arctostyphali, Lophodermium melaleucum und Gibbera vaccinii können Schäden hervorrufen. - Bodenpflege, Düngung: Es muß stets darauf geachtet werden, daß die Pflanzen nicht von Beikräutern überwuchert werden, wozu diese v.a. mechanisch bekämpft werden sollen, weil die Preiselbeere auf Herbizide oft empfindlich reagiert. Auf mageren Böden ist eine zusätzliche Nährstoffzufuhr durch Düngung erforderlich bzw. zumindest anzuraten. Die Dünger sollten jedoch möglichst kein Chlor enthalten, weil dies den Pflanzen schadet. In den 80er Jahren wurde noch von einem Stickstoffbedarf von 20 kg/ha bei einer Pflanzdichte von 3,8 Pflanzen/m² ausgegangen (Friedrich, Schuricht 1985). - Ernte und Erträge: Die Früchte werden ab Ende August bis Anfang September reif, die Reifezeit dauert fünf bis sechs Wochen. Sie werden von Hand gepflückt (Friedrich, Schuricht 1985), rationeller ist die Ernte mit dem Pflückkamm. Bei den Kultursorten wird eine erste Ente im Juli und eine zweite im Oktober empfohlen. Die Früchte können gut eingefroren werden (Engel et. al. 1999). - Verwendungsmöglichkeiten: Die Beeren werden v.a. zu Konserven verarbeitet. Sehr bekannt ist ihre Verwendung als Beilage zu Wildgerichten, auch als erfrischende Kaltschalen lasen sie sich gut vermarkten. Darüber hinaus wird aus ihnen auch Branntwein hergestellt (Friedrich, Schuricht 1985). Weiterhin eignen sich Preiselbeeren auch als Kuchenbelag (Engel et. al. 1999) und zur Zubereitung von delikatem Kompott, Konfitüre, Marmelade und Gelee, aber auch von Joghurt, Gebäck und Quarkcreme (Bundessortenamt 1999). - Sorten: Von der Preiselbeeren sind bereits einige Sorten erhältlich, welche jedoch nicht mit der als "Kulturpreiselbeere" bezeichneten Großfrüchtigen Moosbeere verwechselt werden dürfen. Zu den bekanntesten Sorten zählt ´Koralle´ aus den Niederlanden (Friedrich, Schuricht 1985), welche straff aufrecht und mittelstark wächst, sie neigt sehr stark zur Ausläuferbildung (Bundessortenamt 1999). Die nur leicht überhängenden Triebe sind recht lang und werden ca. 30 cm hoch. An ihren Enden befinden sich die Fruchtstände, welche aus fünf bis zwölf Beeren zusammengesetzt sind. Die Früchte sind mittelgroß und hellrot, sie können gut transportiert werden (Engel et. al. 1999) und schmecken herbsauer (Bundessortenamt 1999). Die meisten Früchte werden im Oktober geerntet, im Juli ist eine kleinere, zusätzliche Ernte möglich. Die Erträge werden als hoch und regelmäßig angesehen. Die Beeren sind besonders gut und vielseitig verwertbar. In kleineren Gärten ist die Sorte als Bodendecker mit gleichzeitiger Nutzung als Obst interessant (Engel et. al. 1999). Ebenfalls reich fruchtend ist die ´Erzgebirgsperle´. Diese Sorte ist v.a. für rauhe Gegenden bestens geeignet (Friedrich, Schuricht 1985) und bildet zahlreiche Ausläufer (Bundessortenamt 1999). Die schwedische Sorte ´Sanna´ zeichnet sich v.a. durch einen kompakten Wuchs aus (Albrecht 1996), aus Schweden kommen auch ´Sussi´, ´Ida´ und ´Linnea´. Aus den Niederlanden kommt die stark wachsende Sorte ´Red Pearl´ mit großen, mittel- bis dunkelroten Früchten, welche weniger herbsauer schmecken als die von ´Koralle´ (Bundessortenamt 1999). Auch die Sorte ´Erntedank´ zählt zu den ertragreichen Sorten (Friedrich, Schuricht 1985) und wächst schwach. Die Früchte können zwar zweimal im Jahr geerntet werden, sind aber nur klein. Sie sind hellrot gefärbt, werden früh reif und schmecken nur schwach sauer, weshalb sie auch roh verzehrt werden können. Eine weitere ertragreiche, zum Frischverzehr geeignete Sorte wäre ´Erntekrone´, welche mittelstark wächst und mild-säuerlich schmeckende Früchte trägt. Diese sind dunkelrot, mittelgroß und werden mittelfrüh reif. Besonders gut geeignet für die obstbauliche Nutzung (Bundessortenamt 1999) ist die stark und überhängend wachsende Sorte ´Erntesegen´ mit ihren besonders großen, hellroten, rundlichen bis walzenförmigen (Engel et. al. 1999) und spät reif werdenden Preiselbeeren (Bundessortenamt 1999). Die Haupternte ist von Anfang bis Ende Oktober, von Juli bis August ist eine weitere Ente möglich. Diese Sorte bringt v.a. hohe und regelmäßige Erträge, weist aber auch Beeren mit einem guten, milden Aroma auf. Diese sind für den Frischverzehr und zur Verwertung bestens geeignet. Außerdem gilt sie als nicht besonders anfällig (Engel et. al. 1999). Mitunter werden Kleinverbrauchern von Baumschulen noch weitere Herkünfte aus Wildbeständen angeboten (Friedrich, Schuricht 1985).
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