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Bislang kaum angebaute Wildobstarten
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Aus der Dplomarbeit von Andreas Zeitlhöfler 2002: Die obstbauliche Nutzung von Wildobstgehölzen

4.4 Crataegus - Der Weißdorn

- Vorkommen: In Europa sind v.a. der Eingrifflige (Crataegus monogyna) und der Zweigrifflige Weißdorn (C. laevigata) weit verbreitet. Beide unterscheiden sich kaum voneinander. Daneben sind Vertreter dieser Gattung auch in Nordafrika, Asien und Nordamerika anzutreffen (Bundessortenamt 1999).

- obstbauliche Bedeutung: Derzeit stellt der Weißdorn eine gefragte Arzneipflanze dar, deren Anbau die Pharmaindustrie auch unterstützen würde. Es ist bereits zur Zeit eine Reihe von Weißdorn-Erzeugnissen im Handel erhältlich, gleichzeitig steigt auch bei der verarbeitenden Industrie das Interesse an den Früchten. Auch durch die Züchtung neuer Sorten könnte der erwerbsmäßige Anbau von Weißdornfrüchten eine Chance erhalten (Köttler 2001). In Ost- und Nordostasien wird die dort heimische Art Crataegus pinnatifida schon in großen Anlagen kultiviert, der Azarolapfel (C. azarolus) war v.a. früher ein bekanntes Obstgehölz in Süd- und Mitteleuropa (Bundessortenamt 1999).

- weitere Verwendungsmöglichkeiten: Auch in der Küche können die Früchte gut verwendet werden, v.a. in Mischung mit anderen Früchten zur Zubereitung von Kompott, Marmeladen und Gelee. Selbst Limonaden und Süßmost können aus ihnen gewonnen werden. In Notzeiten wurde aus den Früchten auch Mehl hergestellt, welches beim Brotbacken Verwendung fand.

- Erscheinungsbild: Diese v.a. strauchartig wachsende Gattung ist i.d.R. bedornt, selten stellt sie auch einen kleinen Baum dar. Die Blätter können gesägt oder gelappt, die Blüten weiß, aber auch rosa oder rot sein. Letztere sind i.d.R. zu Doldenrispen vereint, nur selten sitzen sie auch einzeln. Die Arten sind alle selbstfruchtbar, außer den gefüllten Sorten. Die apfelartigen Früchte sind rot, gelb oder bläulichschwarz und erbsen- bis kirschengroß. Sie reifen von September bis Oktober und weisen ein mehliges Fruchtfleisch auf, das auch fad bis süßsäuerlich schmeckt. Die Früchte enthalten v.a. Flavonoide, Anthocyane, Carotinoide, Gerbstoffe und Vitamin C, aber auch ätherische Öle, Pektin, Triterpensäuren und ziemlich viel Zucker, Mineralstoffe und Eiweiß. In den Früchten, Blättern und Blüten sind die von der Pharmaindustrie begehrten Stoffe enthalten, welche den Kreislauf regulieren können.

- Standortansprüche: Der Weißdorn stellt keine hohen Ansprüche an den Boden, er bevorzugt aber kalkhaltige Böden. Der Standort sollte sonnig und frei sein.

- Pflanzung: Es sollten möglichst junge Exemplare gesetzt werden. Mit veredelten Pflanzen wird die ertragslose Zeit schneller überwunden. Der Weißdorn eignet sich gut zum großflächigen Anbau.

- Krankheiten, Schädlinge: Dieses Gehölz ist besonders anfällig für Feuerbrand. Wenn die ersten vertrockneten Triebspitzen sichtbar werden, müssen die Pflanzen sofort beseitigt und verbrannt werden. Es können auch weitere Krankheiten und Schädlinge auftreten, welche beim Kernobst üblich sind, weshalb der Weißdorn nicht im größeren Umfang in die Nähe von Bauschulen und Obstplantagen gepflanzt werden sollte.

- Ernte: Eine maschinelle Ernte ist möglich.

- Crataegus azarolus (Azarole, Azaroldorn, Azarolapfel): Diese Art stammt aus Westasien und wurde ursprünglich im Mittelmeerraum als Obstgehölz kultiviert, später war sie auch nördlich der Alpen in Kultur. Es handelt sich hierbei u einen oft dornenlosen Kleinbaum, dessen Früchte 2 - 3 cm groß sind. Es sind mehrere Lokalsorten bekannt mit roten oder gelblichweißen, rundlichen, birnenförmigen oder mispelartigen Früchten, das Fruchtfleisch kann orange bis hellgelb sein. Wegen des süßsäuerlichen Geschmacks ist der Verzehr von rohen Früchten nur im gezuckerten oder im mit Honig konservierten Zustand bekannt. Die Früchte eignen sich zur Verwertung als Konfitüre, Likör, Kompott oder als Zusatz für Backwaren.

- Crataegus coccinea (Syn. C. intricata), Scharlachdorn: Diese in Nordost- und Nordamerika beheimatete Art gelangte schon im 17. Jahrhundert nach Europa und wird bis zu 3 m hoch. Die Dornen sind lang und gekrümmt, die Früchte kugelig, rot, 1,2 cm groß und werden von September bis Oktober reif.

- Crataegus x lavallei (syn. C. x carrierei): Diese Kreuzung entstand in Frankreich und erreicht als Kleinbaum eine Höhe von bis zu 7 m. Die Zweige tragen braunrote, bis zu 5 cm lange Dornen. Die weißen Blüten erscheinen im Mai in graufilzig behaarten Blütenständen. Daraus entwickeln sich viele orangerote, große und elliptische Früchte, welche selbst nach dem Laubfall noch lange hängen bleiben.

Abb. 50: Crataegus x lavallei mit Fruchtständen (aus Bundessortenamt 1999)

- Crataegus laevigata (Zweigriffliger Weißdorn): Dieser Strauch ist in Europa und Nordafrika verbreitet und wird i.d.R. bis 4 m hoch, nur selten erreicht er als Kleinbaum eine Höhe von bis zu 12 m. Er trägt 1 – 2 cm lange Dornen und längliche, blutrote Früchte. Diese weisen eine Länge von 1 cm auf und werden von September bis Oktober reif. Die Früchte können sowohl im Haushalt, als auch von der Pharmaindustrie gut verwertet werden. Von dieser Art sind mehrere Kultursorten bekannt, welche z.T. auch gelbe Früchte tragen. Die als Rotdorn sehr bekannte Sorte ´Paul´s Scarlet´ trägt keine Früchte.

Abb. 51: Crataegus laevigata mit reifen Früchten

- Crataegus monogyna (Eingriffliger Weißdorn): Diese europäische Art kommt auch in Nordafrika vor und erscheint als großer Strauch oder kleiner Baum von bis zu 15 m Höhe. Die Dornen werden 1 - 2,5 cm lang. Die weißen Blüten zeigen sich ca. zehn Tage nach denen von Crataegus laevigata und sind zu Doldenrispen zusammengefaßt. Die leuchtendroten Früchte können kugelig, eiförmig oder länglich sein. Von dieser Art sind einige Sorten bekannt wie die gelbfrüchtige ´Aurea´, die niedrig wachsende und unbedornte ´Compacta´ mit dunkelroten Früchten, ´Flexuosa´ mit gedrehten Trieben und die säulenförmig wachsende ´Stricta´ mit kleinen, mattroten Früchten. Letztere Sorte soll gegen Feuerbrand resistent sein. Bei der Varietät C. monogyna var. eriocarpa ist die Fruchtfarbe dunkelrot.

Abb. 52: Crataegus monogyna mit Fruchtständen (aus Bundessortenamt 1999)

- Crataegus nigra (Ungarischer Weißdorn): Der ungarische Weißdorn ist auch in Südosteuropa verbreitet und wird bis 7 m hoch. Er trägt fast keine Dornen und erbsengroße, glänzend schwarze Früchte mit weichem Fruchtfleisch. Diese eignen sich auch für die Verwendung in der Küche recht gut.

- Crataegus pinnatifida: Hierbei handelt es sich um eine ost- und nordostasiatische Art, welche als Strauch oder Kleinbaum in Erscheinung tritt und rundliche, triefrot gefärbte Früchte mit einem Durchmesser von 2 cm aufweist. In ihrer Heimat wird sie schon länger als Obst kultiviert.

- Crataegus x prunifolia: Diese Arthybride wird in Europa schon lange obstbaulich genutzt und ist dort auch oft anzutreffen. Sie zeigt sich als Großstrauch oder Kleinbaum mit leicht sparrigem Wuchs. Die Zweige sind mit zwar nur relativ wenigen, aber dafür bis zu 4 cm langen Dornen versehen. Von Mai bis Juni zeigen sich die aus vielen Einzelblüten bestehenden Doldenrispen. Die scharlachroten Früchte werden ebenfalls reichlich angesetzt (Bundessortenamt 1999).

Abb. 53: Crataegus x prunifolia mit Fruchtständen (aus Bruns 2000)

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