| Zurück zum Inhaltsverzeichnis,
Bislang kaum angebaute Wildobstarten
|
| garteninfos.de |

Aus der Dplomarbeit von Andreas Zeitlhöfler 2002: Die obstbauliche Nutzung von Wildobstgehölzen

4.9 Juniperus communis - Der Gemeine Wacholder

- Vorkommen: Der Gemeine Wacholder ist in Europa, Asien, Nordafrika und sogar in Nordamerika beheimatet.

- obstbauliche Bedeutung: Ein erwerbsmäßiger Anbau in speziellen Plantagen ist bisher nicht bekannt. Die Früchte werden oft von wild wachsenden Büschen gesammelt, z.T. ist der Gemeine Wacholder auch in Hausgärten zu finden.

- Erscheinungsbild: Hierbei handelt es sich um ein strauchartig wachsendes Nadelgehölz mit verzweigter Basis und einer Höhe von meist 2 - 6 m. Säulenförmige Wacholder können auch bis zu 12 m hoch werden, der Wuchs ist recht variabel und langsam. Die nadelförmigen Blätter sind spitz und hart, die Nadellänge beträgt 10 - 20 mm. Die Blattunterseite ist grün und weist einen Kiel auf, die weißen Streifen auf der Oberseite lassen die Nadeln hellgraugrün erscheinen. Der Gemeine Wacholder ist i.d.R. zweihäusig, nur selten treten auch Zwitter auf. Die Blüten erscheinen von April bis Mai. Hierbei sind die männlichen von ihnen zu 2 - 8 mm langen, gelben Kätzchen zusammengefügt, welche in den Blattachseln sitzen. Die weiblichen Blüten dagegen sind grünlich und knospenartig mit Fruchtschuppen versehen. Daraus entwickeln sich zunächst grüne, später schwarzbraun gefärbte, kugelig-eiförmige Beerenzapfen, die eine bläuliche Bereifung aufweisen. Erst im zweiten oder z.T. auch dritten Jahr nach der Befruchtung sind sie voll entwickelt. Sie erreichen dann eine Größe von 4 - 9 mm. Das Fruchtfleisch ist bei den vollreifen und noch nicht verschrumpelten Früchten trocken, harzig und schmeckt aromatisch-süßlich. Diese Beerenzapfen enthalten v.a. Zucker, das Gerbstoffglycosid Juniperin, Eiweiß, Mineralstoffe, Pektin, Vitamin C und ölige Substanzen, wobei auch ätherische Öle mit einem Anteil von bis zu 2 % vorhanden sind.

Abb. 57: Juniperus communis mit reifen und unreifen Beerenzapfen

- Standortansprüche: Der Gemeine Wacholder gedeiht v.a. auf sandigen, trockenen und z.T. auch auf steinigen Böden recht gut und braucht zum Wachsen viel Licht. Trockene Sommer und kalte Winter werden gut vertragen.

- Ernte: Üblicherweise werden die Beeren durch Pflücken geerntet. Die Früchte sollten nur bei trockener Witterung gesammelt werden. Durch Nachtrocknen bleiben sie länger haltbar und können dann in verschließbaren Gefäßen aufbewahrt werden. Die Früchte sollten aber nicht in der Sonne getrocknet werden.

- Verwendungsmöglichkeiten: Im rohen Zustand können die Früchte in einer Menge von fünf bis zehn Stück am Tag zur Appetitanregung eingenommen werden. Bei der Verwendung als Tee reicht ein Eßlöffel voll zerdrückte Beeren für eine Tasse aus. Die Berenzapfen werden v.a. als Gewürz bei der Zubereitung von Soßen, Fisch, Wildbraten, Suppen, Sauerkraut und Geflügel verwendet. Das aus den Früchten durch Dickkochen ohne Beimengung von Zucker gewonnene Mus kann gut als würziger Brotaufstrich und zum Würzen verwendet werden. Daneben ist auch die Zubereitung von Gelees, Sirup und Marmeladen aus diesen Früchten bekannt. Große Bedeutung hat auch die Verwendung der Beerenzapfen zur Herstellung von Wein, Gin, Genever und Doppelwacholder. Die Früchte und deren Erzeugnisse sind jedoch nicht zum Verzehr für Schwangere und Nierenkranke empfehlenswert. Wacholderspiritus kann äußerlich zur Linderung von Erkältungen, Gicht, Ischias und Erkrankungen der Gelenke angewendet werden. Das aus dem Holz gewonnene Wacholderöl soll auf die gleiche Weise bei Hauterkrankungen helfen. Es sind auch Wacholdererzeugnisse als Bäderzusatz und zum Inhalieren im Umlauf.

- Sorten: Es ist im Angebot von Baumschulen und Gärtnereien eine Vielzahl an Ziersorten zu finden. Auch deren Früchte können verwendet werden, doch erfolgt oft keine Befruchtung, so daß in Gärten die Pflanzen oft keine Früchte ansetzen (Bundessortenamt 1999).

Zurück zum Seitenanfang